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Neuss: Rheinpark-Center ringt mit den Corona-Folgen

Einkaufen in Neuss : Rheinpark-Center ringt mit den Corona-Folgen

Händler im Rheinpark-Center klagen über Umsatzeinbußen – verursacht vor allem von der Corona-Pandemie. Ab Juni sollen alle Läden wieder länger öffnen, und die Center-Leitung hofft auf Aldi als Frequenz-Bringer.

Es ist eigentlich ein Vorgang, der in normalen Zeiten kaum Beachtung findet. Aber seit Beginn der Corona-Pandemie ist alles etwas anders. Und daher ist die Übergabe der 1700 Quadratmeter großen Fläche in der zweiten Etage des Rheinpark-Centers an Aldi auch ein Signal: Es geht voran. Bis zur Eröffnung wird es zwar noch dauern, ein genauer Termin wird noch nicht genannt.

Christian und Yvonne Franz betreiben das „Barrique“ im Rheinpark-Center. Die Corona-Pandemie hat sie wirtschaftlich hart getroffen. Foto: Andreas Woitschützke
Center-Leiter Anastasios Meliopoulos im Rheinpark-Center. Foto: Tinter, Anja (ati)

„Aldi wird die Fläche nun für seine Bedürfnisse herrichten“, sagt Anastasios Meliopoulos, Leiter des Rheinpark-Centers. Aber der Discounter ist auch als Frequenz-Bringer gedacht, im Minto in Mönchengladbach funktioniert das zum Beispiel gut. Und Frequenz ist etwas, nach dem sich vor allem viele kleine Händler sehnen.

Ein Beispiel ist das Feinkostgeschäft „Barrique“ im Rheinpark-Center. Da es Lebensmittel anbietet und zu den Grundversorgern gerechnet wird, hatte es während der Corona-Pandemie zwar nur an zwei Tagen, an denen es normalerweise geöffnet gewesen wäre, geschlossen. Viele Nachbarläden in der ersten Etage allerdings blieben zu, Laufkundschaft gab es so gut wie keine. Das ist zwar inzwischen anders. Für Christian und Yvonne Franz, die das Franchise in Neuss betreiben, sind es dennoch nach wie vor schwierige Zeiten.

„Während des Lockdowns ist unser Umsatz fast auf Null runtergegangen, obwohl wir geöffnet hatten. Es gab Tage, da kam gar kein Kunde. Wir hatten einen Samstag, da kam nur einer“, sagt Christian Franz. Auch die Lockerungsmaßnahmen zeigen nur begrenzt Wirkung. Das Geschäft laufe äußerst schleppend an. „Insgesamt ist unser Umsatz um rund 80 Prozent zurückgegangen.“

Das trifft das Ehepaar bis ins Mark. Seit 2014 betreibt Christian Franz das Geschäft mit seiner Frau. „Es ist immer gut gelaufen. Und plötzlich bricht alles weg“, sagt er. Das Ehepaar hofft, dass nun wieder mehr Kunden kommen und ist auch selbst aktiv geworden. Um stärkere Präsenz in den Sozialen Medien zu zeigen und neue Wege einzuschlagen, wurde die Agentur Lokalfrisch.de engagiert. Zudem wird ein Gratis-Lieferservice angeboten – in einem Umkreis von 30 Kilometer ab einem Einkaufswert von 30 Euro. Auch die staatlichen Soforthilfen wurden bewilligt. „Das hat für ein Unternehmen unserer Größenordnung bei laufenden Kosten einen guten Monat geholfen“, erklärt Christian Franz.

Das Ehepaar erklärt, kein Einzelfall zu sein. Auch andere Händler hätten große Probleme. Wie lange das „Barrique“ in Neuss das wirtschaftlich noch durchhält? „So wie es derzeit läuft, vielleicht noch zwei Monate“, sagt Christian Franz. Hilfe könnte auch durch Gespräche mit dem Betreiber des Rheinpark-Centers kommen – zum Beispiel durch ein vorübergehendes Entgegenkommen bei der Miete.

Center-Leiter Anastasios Meliopoulos erklärt, dass Gespräche mit besonders betroffenen Händlern laufen. Da sei man gerade in Absprache mit den Investoren. „Wir alle wissen, dass es keine normalen Zeiten sind und einige Branchen stärker betroffen sind als andere“, sagt Meliopoulos.

Man müsse das allerdings individuell prüfen, dazu sei eine eigene Abteilung eingerichtet worden. Im Sportartikel- und Elektronikbereich beobachtet der Center-Chef zum Beispiel große Nachfragen. „Da kaufen die Leute.“ Branchen wie die Gastronomen habe es dafür hart erwischt.

Mehr Normalität soll dennoch wieder einkehren, natürlich unter Beibehaltung von Hygiene- und Abstandsregeln. Das Center zum Beispiel ist täglich bis 20 Uhr geöffnet, aber nicht alle Händler nutzen dies. Angesichts von Kurzarbeit und getrübter Kauflaune schließen viele derzeit früher. „Bei denen ist dann um 18 Uhr Schluss“, sagt Christian Franz. Das spreche sich unter Kunden herum, es kämen in den Abendstunden weniger.

Die Center-Leitung hat alle Händler angeschrieben. Ab Juni sollen sie wieder bis 20 Uhr öffnen. Auch das ist ein Signal für mehr Normalität in Zeiten der Corona-Pandemie – oder besser gesagt: neue Normalität in schwierigen Zeiten.