Neuss: RFH bietet zwei neue Studiengänge für Startups und Gründer an

Neues Angebot am RFH-Standort in Neuss : Unternehmensgründung wird zum Studienfach

Michael Pulina ist Professor an der RFH in Neuss – und selbst Gründer.

Gute Ideen entstehen oft in der Kneipe. Dort wurde schon manche Grundlage für ein erfolgreiches Startup gelegt. Michael Pulina weiß, wovon er spricht. Der 45-Jährige hat schließlich nicht nur eine Professur an der Rheinischen Fachhochschule (RFH) Köln und wird am Standort Neuss die akademische Leitung des neugegründeten „Institut für Entrepreneurship und Unternehmensmanagement“ übernehmen, unter dessen Dach ab dem Wintersemester 2019 die Studiengänge „Unternehmensmanagement“ (Bachelor) und „Entrepreneurship“ (Master) angeboten werden. Pulina ist auch selbst Gründer. 2012 hat er mit Partnern die Coin Consulting GmbH aus der Taufe gehoben. Deren Produkt: ein Waschmitteltuch. „Bis man ein Produkt von der Idee über den Businessplan, Marktstudien, Finanzierungs- und Patentfragen bis zur Marktreife gebracht hat, gibt es viele Dinge zu beachten“, sagt Pulina. Und genau darauf sollen die beiden neuen Studiengänge vorbereiten.

Praxisnähe soll dabei der Schlüssel zum Erfolg werden. Beim Masterstudiengang „Entrepreneurship“ wird Unternehmensgründung sozusagen als Studiengang angeboten. Der Neusser Wirtschaftsförderer Andreas Galland sieht das Institut und insbesondere den Master-Studiengang bereits als „Alleinstellungsmerkmal“ für die Stadt Neuss – und als wichtigen Schritt im Bemühen, als Gründungsstandort attraktiver zu werden. Und der Neusser Kämmerer Frank Gensler betrachtet das Institut als Signal in die Wirtschaft hinein, „dass in Neuss Gründung auch in akademischen Bereichen eine Rolle spielt“.

Der Verlaufsplan des neuen Master-Studienganges ist durch die Phasen einer Unternehmensgründung geprägt. Klar, am Anfang steht die Idee – und die müssen die Studierenden selbst entwickeln. Dann kommen die ersten Fragen: Taugt die Idee etwas? Gibt es das Produkt beziehungsweise Angebot bereits? Gibt es einen Markt dafür? Und falls die Idee aus der Kneipe dann noch Bestand hat, geht es ans Eingemachte. Businessplan, Prototypenentwicklung, Finanzierung, Marktreife, Take-off und Internationalisierung sowie Variantenentwicklung sind die großen Bausteine, denen sich der Masterstudiengang sukzessive widmet. Für die einzelnen Schritte gibt es Zertifikate. Am Ende steht die Masterarbeit in einem der Bereiche Innovation, Marketing, Unternehmensführung und Finanzen.

Der Studiengang richtet sich ausschließlich an Gründer. Die Professoren werden zum Coach, es gibt keine Vorlesungen, stattdessen werden die wissenschaftlichen Leistungen der Unternehmensentwicklung vom Startup bis zum Take-off begleitet und gewürdigt. Gründung und Weiterbildung sollen so miteinander verknüpft werden. „Wir werden die Gründer begleiten, aber wir werden ihnen keine unternehmerischen Entscheidungen abnehmen“, sagt Pulina. „Die Studierenden können die Infrastruktur der RFH nutzen, dazu zählen auch unsere Labore in Köln.“ Ein Netzwerk aus Partnern – dazu zählt neben der Stadt Neuss und dem Rhein-Kreis zum Beispiel auch die NRW.Bank – unterstützt das Masterprogramm.

Zudem startet das Bachelorprogramm „Unternehmensmanagement“. Dabei wird der Fokus auf die Unternehmensentwicklung gelenkt. Das Bachelor-Programm soll mit rund 30 Plätzen starten, das Masterprogramm mit 15. „Wir rechnen da aber eher mit der Größenordnung von fünf Startups“, sagt Pulina.

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