Neuss: Binnenschifffahrt fordert Unterstützung

Bei Fachtagung in Neuss : Binnenschifffahrt fordert Unterstützung

In der Neusser Pegelbar ging es jetzt um die Frage: „Wie kann Binnenschifffahrt attraktiver gemacht werden?“ Bei der Fachtagung gab es unter anderem Kritik an fehlenden Rahmenbedingungen.

Zu einer Fachtagung, in der es um die Frage „Wie kann Binnenschifffahrt attraktiver gemacht werden?“ ging, kamen erstmals der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) und der Verband Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen (VSL NRW) zusammen. In der Neusser Pegelbar begrüßte Jens Schwanen, der Geschäftsführer des BDB, rund 100 Gäste, an ihrer Spitze NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, und
konfrontierte das Plenum mit beachtlichen Zahlen: Nordrhein-Westfalen ist das „Binnenschifffahrtsland Nr. 1“ in Deutschland, rund 30 Prozent des Gesamtgüterverkehrs werden über das Wasser abgewickelt. Bundesweit liegt der Anteil im einstelligen Prozentbereich.

Die deutsch-niederländische Grenze bei Emmerich passieren auf dem Rhein jährlich 100.000 Binnenschiffe. In NRW befinden sich mit dem Duisburger Hafen und dem Hafenverbund Neuss-Düsseldorf-Köln (RheinCargo) die Häfen mit dem höchsten wasserseitigen Güterumschlag im Bundesgebiet. „Binnenschifffahrt im Aufwind“ lautete das Motto der Fachtagung. In Wahrheit aber stagnieren die Zahlen zu Transportmenge und Transportleistung im Bundesgebiet seit fast einem Jahrzehnt. Jan Zeese, der Geschäftsführer der neska-Gruppe Duisburg, nannte als Gründe fehlende verlässliche Rahmenbedingungen. „Wir Spediteure und Speditionsunternehmen stehen zum Schiff, aber wir benötigen mehr Unterstützung, auch hinsichtlich der Akzeptanz in der Gesellschaft.“

Als geradezu abschreckendes Beispiel berichtete er von der für den Güterverkehr gesperrten Rheinuferstraße in Köln und rechnete vor, dass die dadurch entstandenen erheblichen Mehrverkehre zu bedeutend mehr Umweltbelastung führen. „Die Lkw fahren nicht mehr zum Köln-Niehler Hafen, sondern gleich nach Rotterdam.“ Gleichwohl glaubt er, „dass wir den Schiffverkehr in den nächsten 25 Jahren verdoppeln.“

Roberto Spranzi von der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt, Duisburg, wandte sich direkt an seine Spediteur-„Kollegen“: „Schaut mehr auf die Binnenschifffahrt. Wir sind alle im Klimawandel-Hype und die Schiffe sind das klimafreundlichste Verkehrsmittel. Dazu brauchen wir eine laute Stimme aus Nordrhein-Westfalen.“ Diesen Ball nahm Verkehrsminister Hendrik Wüst auf und betonte, dass er sich als Lobbyist für die Binnenschifffahrt in Berlin stark einsetze. „Aber die Aussagen des Bundes sind mir zu ungenau! In Wahrheit laufen wir den Notwendigkeiten hinterher.“

Professor Hans-Heinrich Witte, Präsident der Wasserstraßenverwaltung des Bundes, warb daraufhin für mehr Vertrauen in die Arbeit seiner Behörde: „Die Infrastruktur unserer Wasserstraßen ist zuverlässig, alle Schleusen funktionieren.“ Im Bundesverkehrswegeplan seien auch zahlreiche Maßnahmen für NRW vorgesehen. Professor Rüdiger Ostrowski, geschäftsführender Vorstand im VSL NRW, der die Fachtagung konzentriert moderierte, fasste zusammen: „Es ist vordringliche Aufgabe, die Verkehrsträger besser miteinander zu verknüpfen.“ Dazu müssten Wirtschaft, Verbände, Politik und Verwaltung – besonders auch in den Kommunen – enger zusammen arbeiten, um der Binnenschifffahrt zu mehr Aufwind zu verhelfen.

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