NGZ-Serie über Skulpturen im öffentlichen Raum: Neuhaus' Kunstwerke "stiften Verwirrung"

NGZ-Serie über Skulpturen im öffentlichen Raum: Neuhaus' Kunstwerke "stiften Verwirrung"

Josef Neuhaus hat in Neuss und Köln ebenso ausgestellt, wie in Berlin, Basel oder Buenos Aires. Seine Kunstwerke, die in der Gnadentaler Mühle entstanden, sind auf dem ganzen Erdball zu bewundern. Auch in seiner Heimatstadt Neuss finden sich eine Reihe hervorragender Kunstwerke. Das in der Quirinusstadt bekannteste dürfte der "Würfel" hinter dem Clemens-Sels-Museum sein.

In diesen Tagen der Ehrenabende bietet das markante Werk den Rahmen für das vor-schützenfestliche Treiben, wenn viele Schützenzüge rund um den Neuhaus-Würfel biwakieren. Damit ist dieser gleichsam zu einem der populärsten Kunstwerke in Neuss überhaupt avanciert. Ganz anderer Auffassung waren indes die Kritiker, die meinten, dieser Standort bedeute ein Abschieben, weil der auf die Spitze gestellte Matall-Kubus an seinem ursprünglichen Platz, dem Neumarkt, nur "Ärger" unter den Neussern hervorgerufen habe. Daher sei der "Würfel" von dort vor das "etwas abgelegene Museum" gewandert.

Dem widerspricht jedoch die Witwe des 1999 verstorbenen Künstlers, Anne Marie Neuhaus: "Meinem Mann gefiel der Platz sehr gut." Der Neumarkt sei zu eng bebaut worden, so dass die Plastik nicht richtig habe wirken können. "Das ist doch ein Ehrenplatz in der Nähe des Museums", meint die engagierte Dame, die sich nach dem Tode ihres Mannes um das Werk des Meisters bemüht. Gleichwohl bleibt der hohe Abstraktionsgrad der Objekte von Josef Neuhaus vielfach schwer zugänglich. Da werden die Neusser sich von anderen kaum unterscheiden.

Seine Kunst ist von geometrischen Formen geprägt. Immer beruht die Wirkung der kargen Formen auf dem Wechselspiel von Objekt und Raum. Professor Eugen Gomringer beschrieb die Neuhaus-Kunst anlässlich der großen Ausstellung 1980 im Lehmbruck-Museum in Duisburg wie folgt: "Die Objekte von Neuhaus stiften Verwirrung. Ihre lapidare Erscheinung erfordert von uns eine außergewöhnliche Konzentration." Über viele Jahrzehnte ist sich Josef Neuhaus, den das "Handelsblatt" 1980 einen "konsequenten Einzelgänger" nannte, treu geblieben.

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Moden hat Neuhaus nicht mit gemacht. So schrieb das Blatt weiter: "Die preußische Kargheit von Neuhaus steht im Gegensatz zu den gesellschaftlich engagierten Artikulationsmustern während der 60er Jahre." Fraglich erscheint, ob Neuhaus überhaupt einzuordnen ist, oder ob er sich nicht vielmehr den gängigen Schubladen entzieht. Der Künstler selbst hätte jedenfalls auf diese Beschreibungen wohl gerne verzichtet: "Ein Kunstwerk erklärt sich selbst. Warum also Erklärungen. Was für die Augen bestimmt ist, kann nicht mit den Ohren aufgenommen werden."

Die Neusser haben in der Quirinusstadt vielfach Gelegenheit, ihren Augen und weniger ihren Ohren zu trauen. So steht seit recht genau fünf Jahren die "Neuhaus-Schleife" im Hammfeld vor der Südbrücke. Auch in Grimlinghausen, Gnadental, und Reuschenberg ist der Künstler präsent. Schon in den 50er Jahren wurde in Holzheim ein Mahnmal aufgestellt. Damals lobte Neuhaus die Offenheit der Gemeinderäte, die ungewöhnliche Form eines solchen Mahnmals mit getragen zu haben. Zur Lehmbruck-Ausstellung 1980 kamen auch Oberbürgermeister Herbert Karrenberg und Oberstadtdirektor Franz-Josef Schmitt nach Duisburg. Dabei hatten sie vielleicht auch den Neuhaus-Spruch im Ohr: "Ich habe keine besseren Augen, ich kann nur besser sehen." -schmal

(NGZ)
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