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Rhein-Kreis Neuss: Neue Struktur für Lebenshilfe

Rhein-Kreis Neuss : Neue Struktur für Lebenshilfe

Die "Lebenshilfe" soll neu aufgestellt werden. Das wurde gestern bei einem Besuch von Kreisdezernent Jürgen Steinmetz und dem stellvertretenden Landrat Hans-Ulrich Klose deutlich. Budgetkürzungen soll es nicht geben.

2,7 Millionen Euro machen aktuell im Kreishaushalt die freiwilligen Leistungen im Sozialbereich aus. Die Chancen stehen günstig, dass es auch im kommenden Jahr dabei bleibt. Das betonte Kreisdezernent Jürgen Steinmetz gestern bei einem Besuch der "Burg", die die Lebenshilfe in Wevelinghoven betreibt. Dort schaute er zusammen mit dem stellvertretenden Landrat Hans-Ulrich Klose vorbei. "Der Kämmerer kennt die Stimmungslage, also wird er das berücksichtigen", sagte Steinmetz.

Auch Klose setzt sich dafür ein, dass es keine weiteren Kürzungen im Sozialbereich gibt. Angesichts der bereits im vergangenen Jahr vollzogenen Kürzungen lasse sich "hoffentlich der Status quo halten", betonte er. Jürgen Steinmetz ist optimistisch, dass dies gelingt: Für den Haushalt 2012 werde jedenfalls auf der Basis von 2011 geplant. Die "Lebenshilfe" erhält vom Kreis eine "minimale Pauschale", beschreibt deren stellvertretender Geschäftsführer Andreas Fortenbacher die Förderung. Auch wenn es Jürgen Steinmetz zufolge der richtige Weg sei, im Sinne des Subsidiaritätsprinzips mit den Wohlfahrtsverbänden zu kooperieren, werden "wir in Zukunft stärker mit Leistungsvereinbarungen arbeiten", kündigt er an.

Hans-Ulrich Klose, langjähriger Vorsitzender des Kreissozialausschusses, sieht dies eher skeptisch. Er befürchtet noch mehr Bürokratie. Ähnlich sieht es Andreas Fortenbacher: "Wenn ich jede Minute belegen muss, dann habe ich ein Problem." Neue Wege will nicht nur der Kreis, sondern auch die Lebenshilfe gehen: "Wir stellen den Verein neu auf", betont Fortenbacher. Nach wie vor werde der Bereich Wohnen im Mittelpunkt stehen, wobei aber unterschiedliche Wohnformen in den Fokus gerückt werden sollen. "Zudem werden wir verstärkt auf ambulante Beratung setzen", kündigt Fortenbacher an.

Neue Anforderungen für die Lebenshilfe ergeben sich etwa daraus, dass die Zahl behinderter Mütter zunimmt. Beim Thema "Inklusion", also der möglichst ungehinderten Teilhabe Behinderter am öffentlichen Leben, ist die Zielsetzung unbestritten. Über den einzuschlagenden Weg besteht indes noch keine Klarheit.

Um auf die Frage, wo denn die sozialen Probleme im Kreisgebiet wirklich liegen, konkrete Antworten geben zu können, will der Kreis mit der Hochschule Niederrhein einen Sozialstrukturatlas erstellen. Bereits in der kommenden Sitzung des Sozialausschusses soll das Projekt vorgestellt werden, wobei Jürgen Steinmetz damit rechnet, dass der Atlas "im ersten Halbjahr 2012 vorliegt".

(NGZ/rl)