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Rhein-Kreis Neuss: Nacktfoto-Affäre: Polizist droht Verurteilung

Rhein-Kreis Neuss : Nacktfoto-Affäre: Polizist droht Verurteilung

Am Düsseldorfer Landgericht ist am Donnerstag der Prozess gegen einen Polizisten aus dem Rhein-Kreis neu aufgerollt worden. Dem 54-Jährigen wird vorgeworfen, einer Frau aus Dormagen ein unmoralisches Angebot gemacht und sie mit Sex-SMS belästigt zu haben.

Der inzwischen suspendierte Beamte wird mittlerweile von mehreren Frauen schwer belastet. Wie die 27 Jahre alte Frau erklärte, hatte sie 2006 in Dormagen frühmorgens bei "Rot" als Fußgängerin eine Kreuzung überquert und war daraufhin von dem Polizisten angehalten worden. Zunächst habe er ihr eine Anzeige angedroht. "Dann jedoch meinte er, man könne das auch anders regeln", so die Zeugin.

So soll er ihr angeboten haben, für ein Nacktfoto auf die Anzeige zu verzichten. Die zur Tatzeit 21-Jährige soll dem Beamten das Foto tatsächlich per SMS geschickt haben. Damit allerdings war der Vorgang nach Angaben des Opfers noch nicht erledigt. Jahrelang soll der Polizist immer wieder Nachrichten mit sexuellem Inhalt geschickt haben — so lange, bis das Opfer Anzeige erstattete.

Der beschuldigte Polizist will diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. "Ich sollte den Autoverkehr überwachen, nicht die Fußgänger", erklärte der zweifache Familienvater: "Richtig ist, dass ich mit der Frau ins Gespräch gekommen bin." Die 21-Jährige sei frühmorgens mit einer Flasche Bier in der Hand unterwegs gewesen und habe ihm freiwillig ihre Handynummer gegeben. "Warum tauschen Sie denn im Dienst so einfach Handynummern aus?", wollte Richter Rudolf Wolf wissen. "Ja, da war ich schön blöd", entgegnete der Angeklagte. Keine rechte Erklärung hatte er allerdings dafür, dass eine Sex-SMS noch drei Jahre nach dem Vorfall auf dem Handy der Dormagenerin landete. "Die hab' ich aus Versehen verschickt", sagte der 54-Jährige.

Um zu zeigen, dass dieser SMS-Versand kein Einzelfall war, hatte die Staatsanwaltschaft eine weitere Zeugin geladen. Die 33-Jährige aus Gustorf gab an, den Polizisten bei der "Rabaue-Nacht 2012" in Grevenbroich kennengelernt zu haben. "Ich hatte dort mit Schäfer Heinrich auf der Bühne getanzt, daraufhin hat er mich angesprochen", sagte die Hausfrau. Auch sie will eine SMS bekommen haben: "Zieh' die Reizwäsche an, ich komme vorbei." Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall klar — sie hält den Polizisten für überführt. Der weiß indes, dass ihm Konsequenzen drohen. "Ich muss damit rechnen, bei einer Verurteilung aus dem Polizeidienst entlassen zu werden." Am 11. Juli will das Gericht eine weitere Frau hören, die ebenfalls eindeutige SMS erhalten haben will, zudem soll noch eine Gutachterin zur Glaubwürdigkeit der Zeuginnen gehört werden.

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