Gottfried Wiegand gestorben: Nachruf

Gottfried Wiegand gestorben: Nachruf

Von Helga Bittner Die Kunst im Rhein-Kreis hat einen ihrer Großen verloren. Ein Satz, der nach Platitüde klingt, aber in diesem Fall ganz bewusst und nur mit einem trauerschweren Seufzer über die Lippen geht. Denn Gottfried Wiegand ist tot. Ein Künstler, von dem sich mit Fug und Recht behaupten lässt, er hat für seine Arbeit gelebt.

Den gesundheitliche Probleme vielleicht bewegen konnten, im alltäglichen Leben kürzer zu treten, aber nicht im Atelier. "Nichts hat ihn gehindert, in seiner Malwelt zu leben", sagt denn auch Helmut Blochwitz, der mit seiner Frau, der Künstlerin Ada Blochwitz zu den langjährigen Freunden der FamilieWiegand gehört, "und gerade das hat ihn für so viele so liebenswert gemacht".

Der feinsinnige und sehr nachdenklich machende Humor, die ruhige Gelassenheit, die Gottfried Wiegands Zeichnungen durchziehen, waren auch Merkmale seines Wesens. Vielleicht kann auch nur ein Mensch, der sich selbst, seinen Mitmenschen und dem Leben überhaupt eher mit einem Lächeln begegnet, die Welt in seinen Bildern mit solcher auf den ersten Blick leichthändiger, und auf den zweiten Blick geradezu süffisanter Eleganz auf den Punkt bringen.

Oft genug beschreibt Wiegand malend absurde Situationen des Alltags, die mit Titeln wie "Querdurch" die Ironie auf die Spitze treiben: Ein Paar schleppt eine lange Leiter durch einen Park - eine scheinbare Bewegung, die jedoch ein Baum, der durch oder eben "querdurch" die Leiter gewachsen ist, ad absurdum führt. "Uns kommt nur noch das Lachen bei", hat der der große Theaterdichter Friedrich Dürrenmatt einmal gesagt und damit gemeint, dass uns auch Tragik nur noch nahe ist, wenn wir sie lächelnd erkennen, wenn Realität und Schein eine Symbiose eingehen.

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Was der Schweizer in seinen Komödien mit dem Wort geschafft hat, vermochte der gebürtige Leipziger Gottfried Wiegand mit seinen Bildern. Dabei strahlten sie eine Unaufgeregtheit aus, die im Hause Wiegand wohl verwurzelt sein muss. Denn schließlich lebten und arbeiteten dort zwei Künstler unter einem Dach. Doch bei Martel und Gottfried Wiegand ist gut gegangen, was in anderen Künstlerehen schon mal zu persönlichen Katastrophen führt: Denn keiner ließ den anderen in seinem Schatten stehen, jeder gestand dem anderen die notwendige Autonomie zu.

Nur in einem Punkt waren sie einander sehr ähnlich: Ausstellungen räumten sie nie den Rang ein, der ihrer Kunst zweifellos gebührt. So mag es denn gleichermaßen trösten wie auch den Verlust erst richtig bewusst machen, dass im Herbst in der Alten Rathausgalerie eine große Ausstellung mit den Werken des 78-jährig Gestorbenen geplant ist.

Kein Wunder also auch, dass die drei Kinder sich alle in Richtung Kunst bewegten: Die älteste Tochter Sibylle, die nach zehn Jahren Aufenthalt in Mali seit rund einem Jahr wieder in Kaarst lebt, hat ihr Kunsterzieherexamen an der Kunstakademie Düsseldorf gemacht, Sohn Jan ist promovierter Pädagoge mit dem Schwerpunkt Kreativität und Tochter Suse ist Kunstprofessorin an der Fachhochschule Bielefeld.

(NGZ)
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