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Nach Auseinandersetzung um Besuchsrecht: Mordanschlag vor Supermarkt

Nach Auseinandersetzung um Besuchsrecht : Mordanschlag vor Supermarkt

Die 35-jährige Türkin Neriman Gülle wurde Mittwoch vor einem Supermarkt in Osterath Opfer eines Mordanschlages. Dringend tatverdächtig: Ehemann Cemal Gülle. Die Ärzte geben ihr keine Überlebenschance. Aus nächster Nähe erledigen die Beamten der Spurensicherung hinter rot-weißen Plastikabsperrbändern am Tatort ihre Arbeit. NGZ-Foto: L. Berns

Die 35-jährige Türkin Neriman Gülle wurde Mittwoch vor einem Supermarkt in Osterath Opfer eines Mordanschlages. Dringend tatverdächtig: Ehemann Cemal Gülle. Die Ärzte geben ihr keine Überlebenschance. Aus nächster Nähe erledigen die Beamten der Spurensicherung hinter rot-weißen Plastikabsperrbändern am Tatort ihre Arbeit. NGZ-Foto: L. Berns

Es ist 10.25 Uhr in Meerbusch Osterath. Auf dem Bommershöfer Weg herrscht lebhafter Verkehr, die Frauen gehen einkaufen. Plötzlich zerreißt ein Schuss das geschäftige Treiben. Eine Frau bricht unmittelbar vor dem Einkaufsmarkt "Extra" zusammen. Die Passanten sind fassungslos. Nach einer Schrecksekunde rennen sie in den Supermarkt, in den umliegenden Büros, an die Telefone.

Bei der Polizei gehen fast gleichzeitig mehrere Notrufe ein. Auch der Notarzt ist schnell zur Stelle. Er versorgt die Frau, stabilisiert den Kreislauf. Er erkennt sofort die Schwere der Verletzung. Das Projektil, abgefeuert aus einer Faustfeuerwaffe, traf Neriman Gülle in den Kopf. Das Opfer wird mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht. Doch die Ärzte geben ihr kaum Überlebenschancen. "Die Ärzte können in diesem Bereich des Schädels nicht operieren. Sie rechnen mit dem Ableben der Patientin", wird Staatsanwalt Hans-Rainer Kleinert am Abend in einer Pressekonferenz berichten.

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Die Kriminalpolizei unter Führung des Leiters des elften Kriminalkommissariats in Neuss, Ralf Senger, ist rasch vor Ort und nimmt die Ermittlungen auf. Schnell wird klar, dass es sich um eine Beziehungstat handelt. Dringend der Tat verdächtigt wird der Ehemann des Opfers, Kemal Gülle, geboren am 1. Mai 1963. Von ihm lebte das Opfer seit etwa zwei Jahren getrennt. Und offensichtlich geht es jetzt um Sorge- und Besuchsrechte für die drei Kinder, zwei Mädchen im Alter von zwei und 16 Jahren sowie einen 14-jährigen Jungen. Unmittelbar vor der Tat hat es in den Räumen des städtischen Jugendamtes Meerbusch eine Besprechung gegeben. Thema: das Besuchsrecht des Mannes für das jüngste Kind.

Die Räume des Jugendamtes liegen in dem selben Gebäudekomplex, vor dem Kemal Gülle versuchte, sein Frau zu töten. Unmittelbar nach der Besprechung fiel der Schuss. Die drei Kinder sind in Obhut, werden von Polizisten geschützt. Es war nicht das erste Mal, dass die Polizei sich mit Streitigkeiten unter den Eheleuten zu befassen hatte. Nach Angaben von Kleinert hatte Neriman Gülle bereits zwei Mal im Jahre 1999 und ein Mal im vergangenen Jahr die Hilfe der Ordnungshüter gesucht, nachdem sie von ihrem Mann bedroht worden war. Kleinert: "In diesen Fällen sind der Polizei die Hände gebunden, wir haben keine Handhabe, mit der wir einschreiten könnten." Worte, die nachdenklich stimmen.

Kemal Gülle ist seit der Tat flüchtig; auch die Tatwaffe wurde noch nicht gefunden. Laut Kleinert ist die bundesweite Fahndung angelaufen. Dennoch wird der Türke noch im näheren Umkreis vermutet: Kemal Gülle hat keinen Führerschein. Senger: "Die Raster der Fahndung laufen." Ein kopfstarke Mannschaft ist in die Suche einbezogen. Cemal Gülle ist 37 Jahre alt, sieht aber eher wie ein Mittvierziger aus.

Er ist etwa 1,65 bis 1,70 Meter groß, vollschlank, trägt kurzes, dunkles Haar, hat eine Stirnglatze. Zur Tatzeit trug er eine graubeige Stoffhose und eine schwarze Jacke. Die Polizei sucht aber auch Zeugen, die möglicherweise die Auseinanderesetzung des Paares beobachtet haben. Die Frau ist 1,72 Meter groß, korpulent, sie trug ein dunkles Kopftuch und einen dunklen, langen Mantel. Hinweise auf den Täter oder den Tathergang erbittet die Kriminalpolizei in Neuss unter der Telefonnummer 02131/3000.

(NGZ)