Feuilleton: Mit viel Chormusik

Feuilleton: Mit viel Chormusik

Neuss Gleich drei Besonderheiten zeichnen die 49. Kirchenmusikwoche aus, die am 10. Juni beginnt: Erstens stellt sie den Rahmen für das Siegerwerk des städtischen Kompositionswettbewerbs; zweitens kommt mit dem Rose-Ensemble ein Gastchor aus Amerika nach Neuss, und drittens ermöglicht das Festival eine Begegnung mit der wegen ihrer Größe seltener zu hörenden h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach.

Dank der finanziellen Mithilfe des Freundeskreises für Kirchenmusik an der Christuskirche konnte die Uraufführung von "Tangos und Choräle für Dietrich Bonhoeffer" von Oskar Gottlieb Blarr in die Kirchenmusikwoche eingebunden werden. besonders reizvoll ist der Umstand, dass das Konzert in der Christuskirche, bei dem Blarr selbst an der großen Orgel sitzt, um eine weitere Uraufführung ergänzt wird: Die Kantate "Hört zu ihr Christen" stammt von Günter Berger, der den Kompositionswettbewerb übrigens 1992 gewonnen hatte.

"Das ist innovative Kirchenmusik", verspricht Christuskirchenkantor Michael Voigt, "die auch aber auch den Ohren eines normalen Konzerthörers schmeichelt" (Donnerstag, 15. Juni, 20 Uhr). Zudem gibt es die Gelegenheit, die Musikwerke bei einer Einführung rund eine Stunde vor dem Konzert schon mal ein bisschen näher kennen zu lernen.

Zusammen mit Markus Mostert vom Erwachsenen-Chor der Musikschule hat Voigt auch mit dessen "Cantica Nova" und der eigenen Kantorei die h-moll-Messe erarbeitet - der Größe des Werk ist da auch nur angemessen, das es gleich zweimal in der Christuskirche präsentiert wird (Samstag, 17. und Sonntag, 18. Juni, jeweils 20 Uhr).

Dass das aus St. Paul stammende Rose-Ensemble für einen Beitrag im Hochamt im Quirinusmünster und vor allem für ein Konzert in St. Quirin verpflichtet werden konnte, ist "im Nachgang unserer Konzertreise mit dem Münsterchor im vergangenen jahr entstanden", erzählt Münsterkantor Joachim Neugart.

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Dennoch: Ohne die Einladung an den Chor von Berufssängern, bei den Regensburger Tagen Alte Musik aufzutreten, wäre der finanzielle Umfang des Unternehmens wohl kaum von Neuss aus zu leisten gewesen. Rund ein Fünftel der üblichen Gage muss dem Chor bezahlt werden, "der Rest kommt über Sponsoren aus St. Paul zusammen". Das seiner Heimat hoch geschätzte Ensemble ist zum ersten Mal auf Konzertreise in Deutschland, wird sich in Neuss vier Tage aufhalten und in Privatquartieren untergebracht. Im Konzert präsentiert der Chor Musik aus 600 Jahren, vor allem aus Osteuropa stammend (Montag, 12. Juni, 20 Uhr).

Mit einer Vesper und darin eingebundenen Aufführung von Mozarts "Vesperae Solennes de Confessore" startet die Kirchenmusikwoche am Samstag, 10 Juni, in St. Marien. Monsignore Winfried Korfmacher freut sich schon jetzt darauf, das Werk mal nicht im konzertanten Rahmen zu hören, sondern als Teil des Gottesdienstes - der im übrigen mit Weihbischof Dr. Woelki zum Jubiläum 100 Jahre Marienborn zelebriert wird und um 21 Uhr in eine Prozession mit Musik von Turmbläsern übergeht. Auch dass der Auftakt der Kirchenmusikwoche zugleich Bestandteil der Kulturnacht ist, sieht der Geistliche als Gewinn: "Da können die Besucher mal was anderes sehen."

Von denen wünschen sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kirchenmusikwoche, zu der auch die Robert-Schumann-Hochschule (RSH) gehört, das sie reichlicher als in den Vorjahren kommen. Neugart ist da jedoch recht optimistisch: "Wir haben dieses mal sehr viel chorische Musik dabei", sagt er, "in der Regel zieht die mehr Besucher an als Kammermusik".

Kollisionen mit den für Deutschland wichtigen Terminen der Fußball-WM ist man ganz bewusst aus dem Weg gegangen: "Das Konzert mit dem Kammerchor der RSH im Münster wird pünktlich um 21 Uhr zu Ende sein", verspricht Joachim Neugart denn auch für den Termin am Mittwoch, 14. Juni, wenn Deutschland gegen Polen in Dortmund antritt.

(NGZ)
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