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"Die Nacht der fünf Tenöre" im Zeughaus: Mit Gefühl und Pose

"Die Nacht der fünf Tenöre" im Zeughaus : Mit Gefühl und Pose

Wenn die Wunschkonzerte im Radio als Gradmesser gelten können, dann erfreut sich italienisches Belcanto ungebrochen allergrößter Beliebtheit. Da schmettern die Tenöre und girren die Soprane, dröhnen die Bässe, schmachten die Geigen und erschallen die Trompeten.

Das ist schöne, anspruchsvolle Musik mit dem gewissen Etwas, mit den tiefen Gefühlen und beeindruckenden Posen, dem Touch der südlichen Exotik und eines weit zurückliegenden geschichtlichen Hintergrunds. Die große Oper hatte ihre Zeit, aber sie ist auch unsterblich.

Nun war das Zeughaus die farbig ausgestrahlte Bühne für solche großen Auftritte: Da lieferte das große bulgarische Sinfonieorchester "Plovdiv" unter der Leitung von Maestro Diego Crovetti den Rahmen, hatte Andrea Körkens, Sängerin und Schauspielerin aus Mönchengladbach, die launige Moderation übernommen und traten der Reihe nach - oder sogar gemeinsam - die Stars des Galaabends auf.

Aldo Bertolo, Christiano Olivieri, Vincenzo Sanso, Orfeo Zanetti und Carlo Torriani. Sie überreichten einen bunten Strauß berühmter Arien, der nur gelegentlich von Orchesterstücken unterbrochen wurde, anfangs die Ouvertüre zu Verdis "Nabucco" und nach der Pause Rossinis "Barbier von Sevilla".

"Fühlen Sie sich wie im Salon, besser noch wie in der Loge eines großen Opernhauses", forderte Andrea Körkens das zahlreich erschienene Publikum auf. Von Verdi ging es zu Donizetti, Puccini, Leoncavallo - samt und sonders einprägsame Melodien, die in Italien bereits im Anschluss an die Premieren zu Gassenhauern wurden. Heute sind sie musikalisches Allgemeingut.

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Die jeweiligen Erklärungen der Entstehungsgeschichte einzelner Opern sowie der Einblick in die Vita der Komponisten belebten die Aufführung und schafften jeweils den Übergang zum nächsten Auftritt. Der wirkte jedes Mal wie ein Wettbewerb, wenn wieder ein neuer Tenor die Bühne betrat. Der düstere Otello (Torriani) fesselte durch seine Tragik, Linkerton in Madame Butterfly (Zanetti) verführte mit seinen falschen Gefühlen, der Herzog von Mantua in Rigoletto (Bertolo) beklagte die trügerischen Weiberherzen.

Später leuchteten die Sterne, wurde ein Liebestrank kredenzt und erklangen sogar neapolitanische Volkslieder. Richtig spannend wurde es, wenn gar alle fünf Tenöre gemeinsam auftraten mit der höchst willkommenen Zugabe der sehr ansehnlichen Moderatorin.

Ein Wermutstropfen war die schwache Akustik des Zeughauses: für ein so großes Ensemble ist das Zeughaus einfach nicht der ideale Raum. Es kam zu Halleffekten, manche Töne verschwanden gar - was besonders in den hinteren Reihen als sehr schmerzlich empfunden wurde. Klaus Niehörster

(NGZ)