Mit der Fähre zum Spargel im Hammfeld

Mit der Fähre über den Rhein: Das ist auch heute im Zeitalter der vielen Brücken noch ein großes Erlebnis. Heute beginnt wieder die Saison, wenn die Familie Schäfer um 10 Uhr die Personen- und Fahrradfähre Maria-Franziska in Betrieb setzt. An einem Ostermontag des Jahres 1946 begann eine andere Fähre ihre Fahrt über den Rhein, an die heute Plaketten der Neusser und Düsseldorfer Heimatfreunde erinnern: die Hammer Fähre.

Sie wurde am 10. April 1946 mit dem Namen St. Christopherus zu Wasser gelassen; am 22. April 1946 wurde die Personen- und Fahrzeugfähre eingeweiht. Mehr als fünf Jahre verband sie Hamm und Neuss, dann stellte sie wieder ihren Betrieb ein. Denn das Leben der Hammer Fähre hing an der 1929 gebauten Südbrücke. Damals, als diese Brücke eröffnet wurde, hatte die Fährverbindung keine Zukunft mehr. Erst der Krieg gab ihr noch einmal fünf Jahre Zeit.

Am 3. März 1945, als die Front über Neuss in Richtung Rhein rückte, sprengten deutsche Pioniere alle Düsseldorfer Brücken. Die Hammer Bauern, die im Neusser Hammfeld ihre Felder hatten, waren nun vom fruchtbaren Boden auf der anderen Rheinseite abgeschnitten. Der Hammer Pfarrer, Dechant Johannes Schmitz, an den Militärgouverneur, den er um die Erlaubnis bat, eine Fähre einzurichten. Das Düsseldorfer Unternehmen Hans Falk sei bereit, eine solche Fähre zu bauen. So geschah es dann auch und die Bauern konnten wieder ins Hammfeld. Auf der Fähre hatten sie stets das Symbol vor Augen, das Hamm und Neuss damals verband: der Hammer Bauer hinter dem vom Pferd gezogenen Pflug.

Auch als die Fähre dann endgültig ihren Betrieb einstellte, beackerten die Hammer Bauern weiter ihre Felder im Hammfeld. Doch eine Zukunft hatten sie dort nicht. Denn 1962 wurde das Hammfeld erstmals im Flächennutzungsplan der Stadt Neuss als Bauland ausgewiesen. Nach und nach wurden dann die verschiedenen Teilbereiche des Hammfeldes bebaut. Die Hammer Bauern mussten sich so nach und nach von dem Feld verabschieden, dem sie den Namen ihres Ortes gegeben haben. Das heutige Hammfeld erinnert jedenfalls nicht mehr daran, dass dort früher einmal fruchtbare Felder waren.

Nach dem Krieg dauerte es bis 1951, dass die Südbrücke wieder fertiggestellt war. In der Zeit vom 22. April 1946 bis zum 19. November 1951 wurde genau Buch darüber geführt, was in diesen mehr als fünf Jahren transportiert worden war: 678.918 Personen, 333.539 Fahrräder, 11.359 Kraftfahrzeuge, 44.552 Fuhrwerke und 21.313 Stück Vieh. Mit der Einstellung des Fährbetriebes endete, wie schon 1929 mit der ersten Südbrücke, ein Stück Heimatgeschichte. "Genau wie damals trauert die Bevölkerung in Hamm um den Verlust dieser Einrichtung, die seit mehr als 600 Jahren besteht."

Eine Fähre gab es mindestens seit dem 14. Jahrhundert, wie Franz-Josef Etz in seinem Buch "Hamm bei Düsseldorf" erläutert. Im Jahr 1315 kaufte das Neusser Klarissenkloster das Recht zur Überfahrt vom Hammfeld zur rechtsrheinischen Anlegestelle "Auf den Steinen." Später erhob die Stadt Neuss Anspruch auf das Fähramt und legte am Rhein ein Fährhaus an. "Mit der Örtlichkeit ,Auf den Steinen' ist eine Nahtstelle zwischen Neusser und Hammer Geschichte erreicht", schreibt Etz. Auf einer Karte aus dem 17. Jahrhundert ist diese Örtlichkeit zu sehen, wobei "Auf den Steinen" mehrere Höfe bezeichnet. Diese Höfe hatten gleichzeitig das Fährrecht. Eine der Familien, die das Fährrecht hatten, war die in Hamm ansässige Familie Leuchtenberg.

"Im Jahr 1824 ritt beim zweiten Schützenfest des ein Jahr zuvor gegründeten Neusser Bürger-Schützen-Verein der 34-jährige Joseph Leuchtenberg als General dem Regiment vor und stiftete unter dem Datum vom 24. August 1824 zusammen mit Peter Leuchtenberg ein Schützensilber für den Neusser König", schreibt Etz. Dieses Silber kann heute im Clemens-Sels-Museum bewundert werden. Es zeigt ein Boot mit Segel und einen Mann am Ruder: Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Leuchtenbergs Fährpächter waren.

Als Weideland haben die Hammer den Boden im Hammfeld nicht genutzt. Sie erkannten, dass mit dem fruchtbaren Schlemmboden in Rheinnähe eine gute Arbeitsgrundlage für "Ackerer" gegeben war. Im 19. Jahrhunder setzte eine verstärkte Kultivierung des Hammfeldes durch Hammer Bauern ein. Der Boden in Rheinnähe eignete sich besonders für Spargel. Und natürlich wuchs dort auch etwas, auf das die Neusser stolz sind und das dem Ort der Gemüsebauern am rechten Rheinufer einen Namen gab: Kappes-Hamm.

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