Stück von Jon Fosse besticht trotz Hoffnungslosigkeit: Mit bestechendem Spiel zu Dritt

Stück von Jon Fosse besticht trotz Hoffnungslosigkeit : Mit bestechendem Spiel zu Dritt

"Allein miteinander" - mit diesen Worten beteuert das Paar sein Vorhaben, in einem einsam gelegenen Haus, ohne Störungen durch die Umwelt, sich der Liebe zu ergeben. Aber natürlich wissen wir von Anfang an, dass dieses Projekt schief gehen muss. Bereits im ersten Bild beschleicht die Frau die Ahnung "da kommt noch wer" und wird uns stören. Liegt darin nicht schon der geheime Wunsch, der ursprünglich ersehnten Zweisamkeit zu entfliehen?

Durch die rhythmisch gesprochenen Satzfragmente verstärkt sich der Eindruck noch. Die Störung kommt durch einen unscheinbaren jungen Mann, von dem das Paar das Haus gekauft hat. Er sucht Kontakt, und augenscheinlich gefällt ihm die junge Frau, was das Misstrauen des Hausherrn weckt. Die Darstellung ist absolut überzeugend und bringt das Publikum immer wieder zum Lachen.

Als der Störenfried kurze Zeit später wieder auftaucht, kommt es zu einem heftigen Streit des Paares, und wieder mal kann man sich der Liebe entziehen. Die Frau geht fort - kommt wieder - sind uns diese Bilder nicht allzu bekannt? Am Ende des Stückes sitzt das Paar resigniert auf der Bank vor dem Haus, gescheitert an ihrem Vorhaben und unfähig, miteinander reden zu können. Der Vorhang fällt, und ist da nicht der geheime Wunsch in uns, das Stück zu einem guten Ende bringen zu wollen? Wie könnten sie einander lieben lernen? Oder ist das Glück doch so verletzlich und leicht zerstörbar?

Das Stück von Jon Fosse besticht trotz der Hoffnungslosigkeit des Endes durch das hervorragende Spiel der drei Schauspieler, das mit einem anhaltenden Applaus belohnt wird. Das Bühnenbild - die Umrisse eines Hauses, Türen, Bilder an unsichtbaren Fenstern, ein paar Möbel - wirkt durch seine Einfachheit und unterstützt die Wirkung des Stückes. Ein gelungener Abend. Sylvia Vogelsang

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE