Michael Iwanowski aus Dormagen. Ein Unternehmer mit Afrika im Herz

Michael Iwanowski aus Dormagen : Ein Unternehmer mit Afrika im Herz

Michael Iwanowski aus Dormagen ist Chef eines Reiseunternehmens. Knapp die Hälfte des Jahres ist er unterwegs.

Wenn dieser Text in digitaler und gedruckter Form erscheint, ist der Unternehmer Michael Iwanowski mehr als 8000 Kilometer Luftlinie von seiner Heimat Dormagen entfernt. Wobei – Heimat? Passt das überhaupt? Schließlich hat der gebürtige Oberschlesier, der vor einigen Monaten 70 Jahre alt geworden ist, auch noch Wohnsitze in Berlin und Florida. Von seinen vielen Reisen ganz zu schweigen.

Geschätzt 150 Tage im Jahr ist er unterwegs. Allein in Namibia, das zu seinen bevorzugten Zielen gehört und wo er sich auch derzeit wieder aufhält, war er schon so oft, dass er die genaue Zahl nicht zu nennen vermag. „Die Zahl 100 wäre untertrieben“, ist er sich jedenfalls sicher. Ins Rheinland brachte ihn der biografische Zufall: „Anfang der 60er-Jahre sind meine Eltern aus der DDR nach Dormagen gekommen.“ Sein Vater, ein Architekt, fand eine Stelle bei Bayer.

Für drei Unternehmen steht der Name Iwanowski: Seit 35 Jahren gibt es den Reisebuchverlag, drei Jahre jünger ist die Firma, die individuelle Reisen mit Schwerpunkt Afrika anbietet. Thematisch aus der Reihe tanzt die awato Software GmbH, die sich vor allem an Großkunden aus der chemischen Industrie wendet. „Dazu kamen wir wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt Michael Iwanowski. Der Hintergrund: Als man vor 17 Jahren den markanten Glasbau an der Salm-Reifferscheidt-Allee in Hackenbroich übernahm – heute Sitz aller drei Gesellschaften – führte man den dort bereits bestehenden IT-Spezialisten weiter.

Rund 30 festangestellte Mitarbeiter gibt es insgesamt, beim Verlag kommt noch eine Vielzahl ein freien Autoren, Lektoren, Layoutern hinzu. Während die Geschäftsführung für awato und den Verlag in den Händen seiner Frau Ursula liegt, ist Michael Iwanowski eingetragener Chef des Reiseunternehmens. Anders als ein klassisches Reisebüro „produziert“ das Team selbst die Trips nach Simbabwe, Kenia oder auch auf die riesige Lemuren-Insel Madagaskar. Die beiden Reise-Firmen ergänzen sich gut. „Viele kennen uns über unsere Bücher“, sagt der Unternehmer. Iwanowski sei eine „Brand“, eine Marke.

„Hätte das Außenministerium 1982 nicht bei Michael Iwanowski 300 Exemplare seines Reiseführers über Südwestafrika (Namibia) bestellt, dann wäre der Dormagener sicherlich Lehrer und Hobby-Reiseleiter geblieben.“ So beginnt die ungewöhnliche Laufbahn in der Erzählung der Marketingabteilung. Da es gar kein richtiges Buch gab, sondern nur eine Loseblattsammlung der Skripten für seine Reiseteilnehmer, die über Umwege beim Ministerium gelandet war, machte sich der studierte Geograf „mit sehr bescheidenen Mitteln“ daran, „den ersten deutschsprachigen Reiseführer“ über das Land mit der berühmten „Etoscha-Pfanne“ zu schreiben. Nach zehn Jahren schmiss er den Lehrerjob – und den sicheren Beamtenstatus. Das einst in Köln erworbene Pädagogik-Know-how will er nicht missen. „Das Studium war sehr wertvoll für meine spätere Rolle als Unternehmer.“ In den Büros herrscht seiner Aussage nach eine familiäre Atmosphäre – zwar „keine Duz-Gemeinschaft“, aber eben eine Gemeinschaft.

Das Verlagsprogramm umfasst gegenwärtig mehr als 90 Titel in insgesamt drei Reihen. „Wir konzentrieren uns auf die Bestseller, die regelmäßig neu aufgelegt werden“, erklärt Michael Iwanowski. Den Namibia-Klassiker gibt es bereits in der 30. Auflage. Diverse Titel beschäftigen sich mit Nordamerika, die Bandbreite reicht von Australien bis Finnland. In der Reihe „101“ finden sich jeweils 101 Artikel von nur zwei Seiten zum Reiseland beziehungsweise -ort.

Auf inhaltliche Qualität wird dabei großen Wert gelegt. Es ist schon vorgekommen, dass Michael Iwanowski mit den Texten externer Autoren nicht zufrieden war, das komplette Material verwarf und selbst gesammelte Erfahrungen niederschrieb. So geschehen im Fall von „101 Hamburg“.

„Vieles wird heute einfach aus dem Internet herausgeklaut“, beschreibt er eine Grundproblematik. Ein solches Vorgehen steht seinem Motto „Selbst sehen, selbst urteilen natürlich diametral gegenüber. Entsprechend professionell und kritisch muss das Lektorat aufgestellt sein. Ein Digital-Skeptiker ist der 70-Jährige aber nicht, im Gegenteil. Jeder Reiseführer erscheint automatisch auch als E-Book. Und bereits Ende der 80er-Jahre hat er sich die Domain www.afrika.de gesichert, unter der er die verschiedenen Reisen anbietet.

Oft werde er gefragt, welcher Ort auf der Welt dem Paradies wohl am nächsten komme. Seine Antwort: „Das Paradies liegt in einem selbst. Damit kann es in Hawaii sein oder in Dormagen.“ Das Städtchen zwischen Neuss und Köln bezeichnet er übrigens als seinen „Lebensmittelpunkt“. Also dann doch ein Stück Heimat...

Mehr von RP ONLINE