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Zur Geschichte der rheinischen Zuckerwirtschaft: Marggrafs süße Entdeckung

Zur Geschichte der rheinischen Zuckerwirtschaft : Marggrafs süße Entdeckung

In Rommerskirchen soll ab dem nächsten Jahr eine überdimensionale Rüben-Skulptur einen der Ortseingänge zieren. In der Grevenbroicher Geschäftsstelle der Sparda-Bank West wurde jetzt ein Buch über die viel zitierte "Königin der Feldfrüchte" und ihre gar nicht hoch genug zu veranschlagende Bedeutung für die hiesige Region präsentiert, dem sicherlich für lange Zeit der Rang eines Standardwerks zukommen wird. "Marggrafs süße Entdeckung - Ein Beitrag zur Geschichte der rheinischen Zuckerwirtschaft", lautet der Titel des gut 300-seitigen Werks von Dieter Schlangen. Schrieb ein Standardwerk über die Geschichte der Zuckerwirtschaft Dieter Schlangen aus Grevenbroich. NGZ-Fotomontage: M. Reuter

In Rommerskirchen soll ab dem nächsten Jahr eine überdimensionale Rüben-Skulptur einen der Ortseingänge zieren. In der Grevenbroicher Geschäftsstelle der Sparda-Bank West wurde jetzt ein Buch über die viel zitierte "Königin der Feldfrüchte" und ihre gar nicht hoch genug zu veranschlagende Bedeutung für die hiesige Region präsentiert, dem sicherlich für lange Zeit der Rang eines Standardwerks zukommen wird. "Marggrafs süße Entdeckung - Ein Beitrag zur Geschichte der rheinischen Zuckerwirtschaft", lautet der Titel des gut 300-seitigen Werks von Dieter Schlangen. Schrieb ein Standardwerk über die Geschichte der Zuckerwirtschaft Dieter Schlangen aus Grevenbroich. NGZ-Fotomontage: M. Reuter

Sieben Jahre lang hat der passionierte Hobby-Historiker an dem Buch gearbeitet, das wie seine drei voran gegangenen Bücher über Elsen-Fürth, die Eisenbahnstrecke Neuss-Düren und die Grevenbroicher Postgeschichte erneut vom Brauchtums-Verein "Fürther Jonge" herausgegeben wurde. Auch wenn die Rübe bereits im 18. Jahrhundert in ganz Europa weit verbreitet war, gelang ihr Durchbruch erst durch den von dem Chemiker Andreas Sigismund Marggraf (1709-1782) geführten Nachweis, dass sie "echten" Zucker und nicht bloß eine zuckerähnliche Substanz enthält.

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Damit war die Grundlage ihrer späteren industriellen Nutzung gelegt, deren Entwicklung im heutigen Rhein-Kreis Dieter Schlangen akribisch nachzeichnet. Ausgehend von der Zuckerrübenfabrik in Knechtsteden beschreibt er die expansive Geschäftspolitik der Kölner "Zuckerbarone" sowie die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte Gründung der Zuckerfabriken in Dormagen, Elsen und Wevelinghoven. Eigene Kapitel sind natürlich der Industriellen-Familie Pfeifer und Langen sowie diversen anderen Zuckerfabriken im weiteren Umkreis gewidmet, aber auch die Melioration der Erft wird ebenso umfassend gewürdigt, wie die Geschichte der Landwirtschaft.

Grevenbroichs Bürgermeister Theo Hoer empfahl den künftigen Lesern ausdrücklich eine gleichsam "multifunktionale Verwendung" des Buchs. Der Wevelinghovener tat kund, den - wenn auch nicht immer angenehmen - "Duft" der einst in seinem Heimatort angesiedelten Zuckerfabrik zeitweise doch arg zu vermissen. Hoer regte an, bei der Lektüre von Dieter Schlangens Werk stets ein Glas Rübensirup in Griffweite zu halten und mit ihm in regelmäßigen Abständen die Geruchsnerven zu verwöhnen - auch ein Löffelchen zum Probieren sei hin und wieder erlaubt, so der Bürgermeister in seiner Benutzungsanleitung fürs sinnliche Lesen.

Überdies verspricht sich Theo Hoer auch einen gewissen politischen Nutzen von dem Buch: Potenzielle Streitfragen, wann was denn nun wirklich passiert sei, ließen sich künftig mit Hilfe eines Griffs in die Bibliothek im Handumdrehen schlichten. Für den gebürtigen Düsseldorfer Dieter Schlangen, der jedoch bereits seine Kindheit in dem der Braunkohle zum Opfer gefallenen Ort Morken-Harff verbrachte, ist es "die Pflicht eines die Heimat Liebenden, zu verhindern, dass Vergangenes der Vergessenheit anheim fällt".

Seine Freizeit hat der als Verwaltungsbeamter beim Rhein-Kreis tätige Heimatfreund, der bereits als Schüler ein Faible für die Lokal-Geschichte entwickelte, denn auch zu großen Teilen eher in Archiven als im Familienkreis verbracht. S.M.

(NGZ)