Rhein-Kreis Neuss: Logistiker sagen Imageproblem den Kampf an

Rhein-Kreis Neuss: Logistiker sagen Imageproblem den Kampf an

Die Branche leidet unter Mangel an Fachkräften und Nachwuchs. In der Region will sie mit konkreten Aktionen daran etwas ändern.

Sie bringen die Online-Käufe nach Hause, und sie sorgen dafür, dass der internationale Handel floriert. Mit Logistikern hat eigentlich jeder zu tun - doch vielen ist nicht bewusst, wie vielfältig sich die Logistikwelt hinter Paketboten und Lkw auf der Straße gestaltet. Die Branche hat ein Imageproblem - mit gravierenden Folgen: Den Unternehmen gehen die Mitarbeiter aus.

Doch Branchenvertreter in der Region arbeiten intensiv daran, etwas zu ändern. Bei einem Roundtable der NGZ - zu dem man sich passenderweise auf einem Schiff traf, das während der Diskussion durch die Neuss-Düsseldorfer Häfen fuhr - kamen jetzt die zentralen Themen auf den Tisch, die den Logistikern auf den Nägeln brennen.

Die Branche legt selbst einiges auf die Waagschale der Wirtschaftskraft, wie Thomas Klann, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Logistikregion Rheinland, aufzeigte: In Deutschland arbeiten (Stand 2017) mehr als drei Millionen Menschen in der Logistik, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 263 Milliarden Euro erwirtschaftete. Allein in Nordrhein-Westfalen zählen 60.000 Betriebe zur Branche, die jedes Jahr 20.000 Mitarbeiter neu einstellen könnte.

Und damit war die Runde beim brennendsten Thema: Die Unternehmen tun sich schwer, neue Mitarbeiter oder Auszubildende zu finden. Bekannteren Unternehmen gelingt es noch, doch auch bei ihnen geht die Anzahl der Bewerbungen zurück. Kleinere Mittelständler haben es indes besonders schwer. Sie machen in der Region aber den Großteil des Wirtschaftssegments aus. Im Bezirk der IHK Mittlerer Niederrhein beschäftigen 80 Prozent der Branchenunternehmen weniger als 50 Mitarbeiter, wie Wolfgang Baumeister, Leiter Bereich Verkehr und Infrastruktur bei der IHK, erläuterte.

Im Kammerbezirk gibt es zurzeit nur 650 Ausbildungsverhältnisse in Logistikberufen - bei weitem unter dem Maß, das die Branche bräuchte, um sich fit für die Zukunft zu machen. Die Unternehmen müssten den Wert und die Vielseitigkeit ihrer Berufe und Ausbildungen mehr nach draußen tragen, betonten die Branchenvertreter beim Roundtable. Doch sie beließen es nicht beim Appell. Auf ein großes Echo stieß die Anregung von Jörg Rössler vom Logistikunternehmen DSV Road, mit gemeinsamen Aktionen das Thema nach vorne zu bringen. Vorschläge aus der Runde dazu reichen von intensiverer Verbandsarbeit über den Einsatz von Auszubildenden, die Schülern ihren vielschichtigen Alltag nahebringen, bis hin zu einem Kreativ-Workshop, in dem sich Auszubildende und junge Mitarbeiter etwas überlegen, wie und mit welchen medialen Mitteln sie ihre Berufsbilder ansprechend für ihre Altersgenossen darstellen. Diese Idee könnte bald schon realisiert werden.

Vielleicht geht es dann auch anderen jungen Menschen so wie Philipp Kirschke, der gerade bei UPS seine Ausbildung zum Kaufmann für Express-, Kurier- und Postdienstleistungen absolviert hat. Eigentlich habe er nur einen Übergangsjob bei dem Paketzustelldienst machen wollen, schilderte er den Branchenvertretern. Doch dann blieb er dort für die Ausbildung und stellte fest: "Das ist ein spannender Beruf. Schade, dass dies draußen so wenig sichtbar ist."

Wer mehr über die Branche und die Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten erfahren will, sollte sich den 19. April im Kalender markieren. An diesem "Tag der Logistik" gewähren Unternehmen und Organisationen aus Industrie, Handel und Dienstleistung Einblick in ihre Betriebe, um die Vielfalt der Aufgaben in diesem wichtigen Wirtschaftsbereich vorzustellen.

Die NGZ berichtet vorab am 14. April in einem umfangreichen Extra über Branche und Unternehmen, die geplante Jobmesse sowie ausführlich über den NGZ-Roundtable "Logistik".

(NGZ)