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Rhein-Kreis Neuss: "Liebes Christkind, ich wünsche mir..."

Rhein-Kreis Neuss : "Liebes Christkind, ich wünsche mir..."

In unserer Festtagsausgabe nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Wir halten es mit Charles Dickens - und spüren dem Geist der vergangenen Weihnacht' nach.

Das Internet kann so unromantisch sein. Wunschzettel zum Download sind dort zu finden, und das klingt so lieblos wie ein Weihnachtsmenü von der Pommesbude. Nein, Wunschzettel sind eine Herzenssache; sie müssen selbst gestaltet sein, mit Liebe und Kreativität. Und sie sind tolle Zeitzeugen: Wer seine alten Wunschzettel noch einmal anschaut, der spürt vergangenen Zeiten nach. Sie zeigen, was einst wichtig war. Was das Herz berührte, wovon man träumte, und es sind die kleinen Dinge, diese fast schüchternen Wünsche, die ein bemerkenswertes Bild der Vergangenheit zeichnen.

Zahlreiche NGZ-Leser haben unserer Redaktion alte Wunschzettel gesendet, entweder ihre eigenen oder von Familienmitgliedern. Einer stammt (vermutlich) aus dem Jahre 1925 - der Vater von Barbara Läufer hat ihn geschrieben. Zum Entziffern brauche man schon etwas Fantasie, schreibt sie: "Er wünschte sich wohl Pantoffeln." Auch Regina Puschmann hat einen Wunschzettel ihres Vaters Hanns Georg Keller geschickt - aus dem Jahr 1932. Keller, der damals noch in Korbach wohnte, schreibt in feinstem Sütterlin, und was er schreibt, erwärmt das Herz.

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Es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise. "Liebes Christkind, (...) ich weiß ja, dass du in dieser schlechten Zeit nur nützliche Sachen bringst", schreibt Hanns Georg (9). Ein Buch für Heimatkunde hätte er gerne, für die Schule. Sogar den Preis liefert er mit: 1,67 Reichsmark. Über die Jahre verändern sich die Wunschzettel. Sie werden liebevoll mit Zeichnungen verziert, das Sütterlin verschwindet. Man kann der jeweiligen Epoche nachspüren. Vorkriegszeit, Weltwirtschaftskrise, Nachkriegszeit, Wirtschaftswunder, dann die konsumgetriebeneren 1980er, 1990er und 2000er Jahre.

All das spiegelt sich in der Gestaltung wider, und natürlich in den Wünschen. 1953 wünschte sich Ulrike Borsch aus Neuss zum Bespiel eine große Puppe - oder eine kleine Nähmaschine. Auch Schreibhefte, ein Rechenblock und das Buch "Heidi" wären nicht schlecht. Zugleich bat sie um den Segen für ihre Familie. Sandra Handke bemalte ihre Post ans Christkind 1986 mit Schneemann und Engel und bat unter anderem um einen Wellensittich. 2005 wurde es dann schon technischer.

Der einzige Wunsch, den Leon (7) ans Christkind hatte: ein Nintendo DS.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Wunschzettel der NGZ-Leser

(NGZ)