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Rhein-Kreis Neuss: Langzeitkranke belasten Unternehmen im Kreis

Rhein-Kreis Neuss : Langzeitkranke belasten Unternehmen im Kreis

Obwohl der Gesamtkrankenstand sinkt, bleibt eine große Sorge: Die Zahl der Langzeitkranken steigt. Das belegt die AOK-Erhebung 2012.

Die gute Nachricht vorweg. Gleich zwei positive Erkenntnisse zieht die Neusser AOK- Chefin Marion Schröder aus dem Jahresbericht 2012 ihrer Krankenkasse: Der Gesamtkrankenstand ging kreisweit leicht von 5,10 auf nunmehr 5,08 Prozent zurück und damit liegt der Rhein-Kreis ein gutes Zehntel besser als der Durchschnittswert im Rheinland (5,17).

Kontinuierlich steigen die Arbeitsunfähigkeitstage (je 100 Versichertenjahre) bei psychischen Erkrankungen; zuletzt um 9,87 Prozent im Rhein-Kreis. Foto: AOK

"Der leichte Rückgang des letzten Jahres zeigt eine ermutigende Tendenz", sagt Schröder und erinnert daran, dass im Vorjahr der Krankenstand erstmals seit 2006 wieder gesunken war. Schröder bezweifelt aber, dass sich der Trend in 2013 fortsetzen wird. Grund: Die aktuelle Grippe- und Erkältungswelle. "Das wird ein Knaller", formuliert die AOK-Chefin ihre düstere Erwartungshaltung salopp.

Das Zahlenwerk veröffentlichte jetzt die Regionaldirektion Neuss der AOK Rheinland/Hamburg. Die Basis der Erhebung zum Krankenstand 2012 bilden die kreisweit knapp 45 000 AOK-Versicherten in Beschäftigungsverhältnissen; im Rheinland sind es rund eine Million.

Der jüngste AOK-Jahresbericht belegt aber auch eine Scheren-Entwicklung: Hier nehmen die Erkrankungen bis zu sechs Wochen ab, dort nehmen die Langzeiterkrankungen zu; eine Entwicklung, die Sorge bereitet — und das ist die schlechte Nachricht. Die Erklärung für die Zuwachsraten bei der "Langzeit": Immer mehr Arbeitnehmer erkranken psychisch. Nur in dieser Diagnosegruppe stiegen im Vorjahr die Fallzahlen an. Im Vergleich zu 2011 nahm die Fallzahl im Rheinland um 1,27 Prozent zu. Deutlicher, um 3,76 Prozent, ging die Fallzahl im Rhein-Kreis in die Höhe. Die Zunahme von psychischen Erkrankungen dokumentiert sich auch bei den Arbeitsunfähigkeitstagen (Dauer), die sich kreisweit um fast zehn Prozent erhöhte.

Marion Schröder und die AOK wollen gegensteuern: "Gerade da unterstützen wir mit unserem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung durch eine Vielzahl von individuellen Angeboten." Die Serviceleistungen reichen von der Optimierung des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatzes über Stressmanagement bis hin zur Schulung für die Führungskräfte.

Die AOK schlüsselt ihre Krankenstand-Zahlen nach Branchen auf. Auffallend: Im Gastgewerbe sind die Mitarbeiter am wenigsten krank. Im Rhein-Kreis sank die Quote auf 2,92 Prozent und damit unter die Drei-Prozent-Marke. Spitzenreiter bleiben kreisweit die Senioren- und Pflegeheime — obwohl auch in der Branche die Gesamtkrankenstände von 6,98 auf 6,55 Prozent zurückgingen. Die Gießereien (3,93) im Rhein-Kreis liegen deutlich unter dem Rheinland-Schnitt von 7,33 Prozent. Nur wenn es um die Dauer der Arbeitsunfähigkeit (AU) geht, sind die Gießereien im Rhein-Kreis mit 15,14 AU-Tagen der Spitzenreiter.

(NGZ/rl)