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Landwirtschaft: Lössboden im Rhein-Kreis Neuss wird immer weniger

Landwirtschaft im Rhein-Kreis Neuss : „Fläche ist einfach nicht vermehrbar“

Der fruchtbare Lössboden bedeckt im Rhein-Kreis nahezu die Hälfte seiner Gesamtfläche. Doch durch Wohnbebauung, Gewerbe und Verkehr wird er immer weniger. Das hat Folgen – und sorgt für Forderungen.

Jedes Jahr kürt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe den Boden des Jahres. 2021 ist es der Löss, der im Rhein-Kreis Neuss weit verbreitet ist. „Der Boden ist Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen. Er dient der Erzeugung hochwertiger Lebensmittel, er speichert und filtert den Regen und sichert so unser Trinkwasser“, erklärt Kreisumweltdezernent Karsten Mankowsky. Nicht zuletzt seien ungeheure Mengen an Kohlenstoff im Humus gespeichert, die ansonsten als Kohlendioxid das Klima nachhaltig negativ beeinflussen würden, fährt er fort.

Mankowsky macht sich für den Bodenschutz stark. „Das bedeutet vor allem die sparsame Inanspruchnahme, zum Beispiel gesteuert durch ein intelligentes Bodenmanagement.“ Für Geograph Karl-Heinz Olk von der Bodenschutzbehörde des Kreises sind denn auch die Innenraumverdichtung sowie die Sanierung und Wiedernutzbarmachung früherer Gewerbe- und Industrieflächen „geeignete Instrumente, den zusätzlichen Flächenverbrauch etwas zu reduzieren“.

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Auch Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach, beschäftigt sich mit der Diskrepanz, dass einerseits immer mehr Fläche für Wohnbebauung, Gewerbe und Verkehr verloren geht und andererseits der Rhein-Kreis als Teil der Niederrheinischen Bucht zu den besten Ackerbauregionen Deutschlands gehört. „Die Landwirtschaft hat über die vergangenen Jahre im Schnitt pro Tag mehr als die Hälfte eines Fußballfeldes verloren. Das kann und darf so nicht weitergehen – aus Gründen der Ernährungssicherung, aber auch aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes“, macht er deutlich. Er weiß, auch als Mitglied des Kreistages, dass der Rhein-Kreis zwar versuche, im Rahmen der Bauleitplanung die besten Böden zu schützen, doch in der Konsequenz ist ihm das Engagement zu wenig. „Insgesamt kommt der Rhein-Kreis nicht an der Tatsache vorbei, dass Fläche nicht vermehrbar ist“, sagt er.

Ansatzpunkte, den Flächenverbrauch deutlich zu verringern, sieht auch er wie Karl-Heinz Olk durch Lückenschließung, Flächenrecycling von Altstandorten und Entsiegelung. „Hier ist aber der Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene gefragt, durch die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize dafür zu sorgen, dass diese Möglichkeiten auch Vorrang bekommen vor dem Bauen auf der grünen Wiese“, betont der Landwirt. Außerdem sei es seiner Meinung nach wichtig, dass im Rahmen des Strukturwandels zuerst der Landwirtschaft die frei werdenden Flächen zurückgegeben werden, die sie damals an die Braunkohle verloren hätten.

Dass der Rhein-Kreis im übrigen nur einen Waldanteil von acht Prozent hat, sei laut Wappenschmidt auch auf die „hervorragenden Böden“ zurückzuführen. „Ackerboden und Ackerkulturen wirken aber als CO2-Speicher ähnlich positiv auf das Klima wie der Wald“, sagt er.