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Rhein-Kreis Neuss: Kreis-CDU will Windkraft weiter ausbauen

Rhein-Kreis Neuss : Kreis-CDU will Windkraft weiter ausbauen

In einem Leitantrag zur Energiewende fordert die CDU größere Windräder und Bürgerwindparks.

Die CDU will im Rhein-Kreis mehr und größere Windräder zulassen. In einem beim Kreisparteitag am Wochenende einstimmig — bei nur wenigen Enthaltungen — verabschiedeten Leitantrag zur Umsetzung der Energiewende hat die CDU verschiedene Energieträger auf ihre Zukunftsfähigkeit geprüft.

Das Ergebnis: Bei den erneuerbaren Energien hält die Union vor allem die Windkraft, aber auch Biogasanlagen für ausbaufähig. Für große Photovoltaik-Freiflächenanlagen fehle im dicht besiedelten Rhein-Kreis der Platz. Zudem sei die Region zu sonnenarm, um wirtschaftlich Sonnenenergie zu erzeugen.

Auch für Tiefenbohrungen zur Gewinnung geothermischer Energie sei der Kreis kaum geeignet. Bleibt die Windkraft — auch wenn sie immer wieder für Proteste sorgt. Vor dem Hintergrund der Energiewende sieht die CDU keine Alternative — und korrigiert deshalb mit dem aktuellen Beschluss eine 2004 ebenfalls bei einem Kreisparteitag getroffene Entscheidung. Damals wurden weitere Windräder im Rhein-Kreis abgelehnt.

"Wichtig ist uns, das die Planungshoheit der Kommunen erhalten und die betroffenen Bürger im Umfeld der Anlagen eingebunden werden", sagt CDU-Kreisvorsitzender Lutz Lienenkämper. Er fordert zudem mehr interkommunale, aber auch regionale Zusammenarbeit, um geeignete und so wenig wie möglich störende Zonen für den Bau von Windkraftanlagen ausweisen zu können. "Das Sankt-Florians-Prinzip, also die Ausweisung der Flächen möglichst weit weg von den ,eigenen' Einwohnern, aber möglicherweise ungünstig für die Nachbarstadt gelegen, bringt uns nicht weiter", sagt Lienenkämper.

Der CDU-Kreisvorsitzende regt den Bau von Bürgerwindparks, ähnlich den bekannten Bürgersolaranlagen, an. "Statt anonymer Investoren können so Bürger vor Ort, die die Belastungen durch die Windräder zu tragen haben, auch am Gewinn ihres Windparks beteiligt werden", heißt es dazu im Leitantrag vom Wochenende. Zudem bringe allein der Umstieg auf größere Windräder nahezu eine Verdoppelung der jährlichen Stromerzeugung von 4,5 bis 5,5 Millionen auf sieben bis 8,5 Millionen Kilowattstunden pro Windrad.

Biogasanlagen befürwortet die CDU ebenfalls, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen: Derzeit sei die Wirtschaftlichkeit in vielen Fällen noch nicht gegeben. Zudem müsse die Erzeugung von Nahrungsmitteln Vorrang vor der Produktion von Energiepflanzen haben. Grundsätzlich hält die CDU Biogasanlagen jedoch bei schlüssigem Verkehrskonzept und genügend Abstand zur Wohnbebauung "im Rhein-Kreis Neuss für sinnvoll".

Um Strom von Windkraftanlagen durch Deutschland zu transportieren, erkennt die CDU die Notwendigkeit neuer Hochspannungsfreileitungen auch im Rhein-Kreis an. Dabei gelte es jedoch, die Auswirkungen auf Menschen, Natur und Landschaftsbild so gering wie möglich zu halten. Im Falle der in Meerbusch geplanten Konverteranlage des Unternehmens Amprion sei dies offensichtlich nicht der Fall. Der vorgeschlagene Standort nahe der Wohnbebauung ist aus CDU-Sicht "gänzlich ungeeignet".

Ein klares Ja gibt es dagegen zur weiteren Nutzung der Braunkohle. Angesichts des Ausstiegs aus der Atomenergie gebe es dazu keine Alternative. Braunkohlenverstromung mache Deutschland unabhängiger von Energieimporten und sichere in der Region 20 000 Arbeitsplätze. Wenn alte Braunkohlenkraftwerke planmäßig abgeschaltet und durch neue, umweltfreundlichere Anlagen ersetzt würden, habe der fossile Energieträger trotz seiner CO2-Emissionen als Übergangslösung seine Berechtigung.

(NGZ/rl/url)