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Rhein-Kreis Neuss: Kliniken verstärken Schutz vor Infektionen

Rhein-Kreis Neuss : Kliniken verstärken Schutz vor Infektionen

Alle fünf Akut-Krankenhäuser im Kreis haben dem Krankenhaus-Keim MRSA den Kampf angesagt – und dafür nun ein Qualitätssiegel erhalten.

Alle fünf Akut-Krankenhäuser im Kreis haben dem Krankenhaus-Keim MRSA den Kampf angesagt — und dafür nun ein Qualitätssiegel erhalten.

Sie sind im Neusser Lukas-Krankenhaus und in anderen Kliniken allgegenwärtig — hängen in Patientenzimmern, auf Fluren und am Visitenwagen: Spender mit Desinfektionsmitteln sind eine Grundbedingung, um der Verbreitung des Krankenhaus-Keims — des Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) — Einhalt zu gebieten. Seit Jahren macht der Keim, der gegenüber vielen Antibiotika unempfindlich geworden ist, Kranken und Medizinern Sorge. Bei immungeschwächten Patienten kann er zur Lungenentzündung oder sogar zur Blutvergiftung führen.

Die fünf Akut-Krankenhäuser im Kreis haben MRSA den Kampf angesagt — und das geht weit über Desinfektionsmittel hinaus. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Dr. Inka Daniels-Haardt vom Landeszentrum Gesundheit NRW überreichten jetzt sechs Kliniken das "Euregionale Qualitäts- und Transparenzsiegel zur MRSA-Prävention" im Rahmen des Europäischen Projekts "EurSafety health-net": den Kreiskrankenhäusern in Grevenbroich und Dormagen, dem Lukas- und Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss, dem St.-Elisabeth-Hospital in Meerbusch-Lank und dem St.-Josef-Hospital in Krefeld. Das Kreisgesundheitsamt in Grevenbroich spielt dabei eine besondere Rolle: Das Team um Dr. Michael Dörr koordiniert das MRSA-Programm in der Euregio Rhein-Maas-Nord.

Für Kreisumweltdezernent Karsten Mankowsky ist klar: "Das Zertifikat ist etwas Besonderes, bescheinigt die Bemühungen der Krankenhäuser." Und Dr. Andreas Kremer, Sprecher des Lukas-Krankenhauses, weiß, "dass die Patienten sensibilisiert sind und darauf achten, dass Ärzte und Pfleger nach Patientenkontakt die Hände desinfizieren." Doch im Kampf gegen MRSA-Keime gibt's viele weitere Maßnahmen — zehn Punkte umfasst der Kriterienkatalog fürs Siegel, dazu gehören etwa Fortbildungen fürs Personal. Aus den Niederlanden übernommen wurde das Eingangsscreening, bei dem Risikopatienten bei Einlieferung mit einem Abstrich auf MRSA getestet werden. "Das betrifft etwa Patienten aus Altenheimen oder mit Katheder", so Dörr. Wird der Keim festgestellt, wird der Patient isoliert. "MRSA ist ein Krankenhaus-Problemkeim, der häufig von außen ins Haus getragen wird. Deshalb bitten wir Patienten und Angehörige um Verständnis, wenn wir zum Schutz einen Menschen isolieren müssen und Angehörige nur in Schutzkleidung den Raum betreten können", sagt Dr. Wolfgang Thier, ärztlicher Direktor des Kreiskrankenhauses Dormagen.

Auch an die Zeit nach dem Klinik-Aufenthalt wird gedacht: "Die Behandlung von MRSA ist oft im Krankenhaus nicht abgeschlossen. Deshalb wurde ein Überleitungsbogen entwickelt, damit Heim oder Arzt wissen, was zu tun ist", so Dörr. Am Netzwerk zum MRSA-Programm beteiligen sich auch 120 niedergelassene Ärzte. Eine andere Informationsquelle: Das Gesundheitsamt hat eine App fürs Smartphone mit Infos für Mediziner, Patienten und Angehörige erstellt (unter www.mrsapp.rhein-kreis-neuss.de)

(NGZ)