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Rhein-Kreis Neuss: Keine Bittsteller

Rhein-Kreis Neuss : Keine Bittsteller

Rhein-Kreis Neuss Selbst Hans Sturm ist mitunter verzweifelt: "Sogar mir wird manchmal die Tür vor der Nase zugeschlagen." Dabei befindet sich der Vorsitzende des TuS Germania Hackenbroich in einer vergleichsweise komfortablen Lage, wie er selbst zugibt: Denn sein Amt als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Dormagen müsste eigentlich Türöffner genug sein bei potenziellen Sponsoren.

Andere (Sport-) Vereine haben da härter zu kämpfen. Und das, obwohl der Sponsoring- ein Wachstumsmarkt ist: Untersuchungen prophezeien ein Ansteigen der Gelder, die jährlich in Deutschland für Sponsoring ausgeschüttet werden, von derzeit 4,6 Milliarden auf über sechs Milliarden Euro in den nächsten zwei Jahren. 60 Prozent davon, zurzeit 2,9 Milliarden, fließen in den Sport. "Doch viele Vereine, vor allem kleine und mittlere, partizipieren nur bedingt oder gar nicht am Sponsoringboom", weiß Dirk Schröter.

Der Diplom-Sportökonom und selbständige Sportmarketingberater soll im Auftrag des Rhein-Kreises dazu beitragen, dass das anders wird. Seine - kostenpflichtige - Beratertätigkeit gehört zum neuen Sportmarketingkonzept des Kreises, das jetzt im Rahmen eines "Vereinsabends" rund 80 Vereinsvertretern im Kleinenbroicher Brungshof vorgestellt wurde. Schröter gab ihnen Praxistipps mit auf den Heimweg (siehe gesonderten Bericht im Lokalsport Seite D 8) und schärfte ihnen ein: "Was Sie erwarten, wenn Sie Kunde sind, das gilt auch für die Erwartungen Ihres Sponsors an Sie."

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Auf potenzielle Sponsoren sollen die Vereinsvertreter dann im zweiten Schritt treffen: Auf einer "Sponsoringbörse", voraussichtlich am 25. September in der Neusser Skihalle, können sich "Vereine und Sportler mit Präsentationsständen vorstellen", verrät Marc Hillen von der veranstaltenden Agentur h1 communication. Eingeladen dazu werden jene Unternehmen, die bei der jüngsten Mailingaktion des Kreises auf die Frage "Wie wichtig ist Ihnen Sport als Standortfaktor?" mit "Ist mir wichtig" geantwortet haben.

Den Rücklauf von 300 Fragebögen (von 4 500), von denen "90 Prozent positiv geantwortet haben", hält Jürgen Steinmetz für "fast schon sensationell gut". Der Kreis-Dezernent für Wirtschaft und Sport sieht darin einen weiteren Baustein zur "engen Verzahnung von Sport und Wirtschaft."

Die anderen sind ein Ticketservice für lokale Sportveranstaltungen, der Unternehmen angeboten wird, eine Sponsoren-Checkliste, anhand derer Vereine Angebot und Attraktivität überprüfen können (im Internet unter www.rhein-kreis-macht-sport.de) und ein Beraterpool aus zertifizierten Fachleuten, die den Vereinen gegen einen Pauschalbetrag Einzelberatung anbieten. Das alles getreu dem Motto, mit dem Kreissportbund-Vorsitzender Dieter Welsink gewachsenes Selbstbewusstsein im Sport ausdrückt: "Wir sind keine Bittsteller, wir haben etwas zu bieten."

(NGZ)