Rhein-Kreis Neuss: Katastrophenschutz braucht Helfer

Rhein-Kreis Neuss: Katastrophenschutz braucht Helfer

Mit dem Rhein-Kreis werden neue Wege im Katastrophenfall getestet.

Was passiert bei einem Katastrophenfall, wenn die Rettungskräfte selber betroffen sind? Oder ihre Familien? Wenn sie wegen verstopfter Straßen ihren Einsatzort nicht erreichen können oder technische Geräte nicht zur Verfügung stehen? Oder die IT-Infrastruktur zusammenbricht? Diesen Fragen geht ein Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nach. Es heißt "Resilienz von Einsatzkräften in eigener Betroffenheit in Krisenlagen", kurz "Rebeka" genannt, wird vom Bund mit 1,9 Millionen Euro gefördert und von verschiedenen Hilfsorganisationen und Universitäten unter Leitung des Technischen Hilfswerks (THW) und der Johanniter organisiert.

Dabei ist der Rhein-Kreis die Referenzbehörde für das Projekt. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Rettungswesen, Feuer- und Katastrophenschutz informierte Marcel Kübel vom NRW-Landesverband der Johanniter-Unfall-Hilfe die Politiker über Hintergründe und Ziele von "Rebeka". Dabei machte Kübel deutlich, dass es nicht um lokale Unwetter geht, sondern um Szenarien, die ganz Nordrhein-Westfalen betreffen können - wie Hochwasser oder ein Stromausfall - und bei denen herkömmliche Einsatzpläne nicht mehr greifen. "Wir können nicht verhindern, dass so etwas passiert, aber wir können uns darauf vorbereiten", sagte er.

Im Zentrum steht dabei noch ein weiterer Aspekt: Wie ungeschulte Spontanhelfer eingebunden werden können. "Informationen über Katastrophen werden sich über Social-Media-Kanäle rasch verbreiten. Das wird viele Spontanhelfer mobilisieren", sagte Marcel Kübel. Die gelte es ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen. So könnte zum Beispiel ein Koch die Einsatzkräfte versorgen. Er wünsche sich, dass sich potenzielle Spontanhelfer vorab registrieren lassen.

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Doch wie so etwas vonstatten gehen kann, wie sie psychologisch betreut und rechtlich abgesichert werden können, soll im Laufe des Projekts erarbeitet werden. Zum Auftakt im November hatte bereits ein erstes Treffen in Neuss stattgefunden. Ende 2018 soll das Projekt abgeschlossen sein. Dann wird im Rhein-Kreis im Rahmen einer großen Übung überprüft, ob die erarbeiteten Konzepte praxistauglich sind. "Die Einsatzkräfte geben uns ein Feedback. Dazu werden auch die Einsatzkräfte des Kreises interviewt", erläuterte Marcel Kübel.

Matthias Molzberger (Die Grünen) und Sabine Kühl (SPD) schlugen vor, dabei auch die lokalen Strukturen zu nutzen, wie zum Beispiel Werksfeuerwehren, Ärzte oder CB-Funker. Die Erkenntnisse und Konzepte fließen am Ende in die Praxis der Hilfsorganisationen ein. Der Vorteil für den Rhein-Kreis Neuss liegt jedenfalls auf der Hand: Die erarbeiteten Modelle werden auf ihn zugeschnitten sein.

(NGZ)
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