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Brauchtum im Rhein-Kreis: "Schützenfest verbindet"

Brauchtum im Rhein-Kreis : "Schützenfest verbindet"

Günter Piel ist neuer Präsident des BSV Wevelinghoven. Er leitet den größten Schützenverein Grevenbroichs.

Herr Piel, im Mai haben Sie die Nachfolge von Rudolf Broens angetreten. Was unterscheidet Sie von Ihrem Vorgänger?

Günter Piel Rudolf Broens war so etwas wie der Präsident der Herzen. Ich würde mich als Präsident der Zahlen bezeichnen. Das hat auch etwas damit zu tun, dass es für die Vereine finanziell immer schwieriger wird, ihre Veranstaltungen aufrecht zu erhalten.

Wo liegen die Knackpunkte?

Piel Die Stadt hat heute nicht mehr die Möglichkeiten, die Vereine so zu unterstützen, wie das vor Jahren noch der Fall war. Vieles wird teurer.

Nennen Sie doch bitte einmal ein Beispiel.

Piel Vor dem Fest werden Wasserproben auf dem Kirmesplatz entnommen. Früher gab es das umsonst, heute müssen die Vereine pro Veranstaltung dafür 85 Euro zahlen. Ein anderes Beispiel: Die Feuerwehr hat früher die Absperrbaken für die Umzüge auf die Straßen gestellt. Heute darf sie das nicht mehr.

Das Problem?

Piel Wir müssen Leute haben, die das für uns übernehmen. Das kann aber nicht jeder machen. Schließlich handelt es sich bei einer Sperrung um einen Eingriff in den Straßenverkehr, und das erfordert wiederum Freiwillige, die eine Grundausbildung bei der Stadt absolvieren müssen. Natürlich müssen die versichert sein — und auch das kostet Geld.

Was investieren Sie in das Sicherheitskonzept, das von den Vereinen gefordert wird?

Piel Das kostet unseren Verein in diesem Jahr knapp 3000 Euro. Das Geld wird in die Security investiert, die für Sicherheit im Zelt sorgt, die Ein- und Ausgangs-Kontrollen übernimmt und auf die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen achtet.

Muss Ihr Verein angesichts der hohen Kosten sparen?

Piel Er könnte — etwa indem er einen Musikblock aus dem Umzug herausnimmt. Aber das wollen unsere 900 Schützen nicht. Sie zahlen lieber drei Euro mehr im Jahr — und wir müssen nicht sparen. Als Gegenleistung bekommen die Schützen freien Eintritt ins Zelt, für jedes Blumenhorn gibt es einen Zuschuss und für Jungschützen zahlen wir im ersten Jahr die Uniformmiete. Kaufen sie neue Röcke, gibt's auch hierfür einen Zuschuss.

Gibt's genügend Nachwuchs?

Piel Wir haben das gleiche Problem wie viele anderen Vereine: die älteren Schützen werden immer mehr. Aber es gibt auch immer wieder neue junge Züge, in diesem Jahr haben wir zwei Anmeldungen.

Welchen Stellenwert genießt der BSV in Wevelinghoven?

Piel Einen sehr hohen. Das merkt man in jedem Jahr auch daran, dass viele ehemalige Wevelinghovener im August wieder in ihre alte Heimat kommen. Ich bin überzeugt: Schützenfest verbindet.

Wiljo Piel führte das Gespräch.

(NGZ)