Neuss: Närrische Dorfabende werden abgesagt

Neuss: Närrische Dorfabende werden abgesagt

Der Vorstand der "Freunde der Heimat" hat gestern Abend in einer Sondersitzung entschieden, die Sitzungen im Reuterhof ausfallen zu lassen. Anlass dafür ist der plötzliche Tod des Vereinsvorsitzenden Heinz-Josef Bilk.

Die Vereinigung "Freunde der Heimat" ist geschockt. Heinz-Josef Bilk, seit 2006 Vorsitzender des Heimatvereins und "em Dörp" in vielfacher Hinsicht engagiert, starb vergangenen Samstag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren. Vielleicht wäre es in seinem Sinne gewesen, die beiden "Närrischen Dorfabende" des Vereins trotzdem vor großer Kulisse und in einem vermutlich ausverkauften Reuterhof zu feiern. Doch dazu konnte sich der neunköpfige Vorstand gestern Abend nicht durchringen.

Schweren Herzens habe man sich entschieden, die für den 27. Januar und 3. Februar angesetzten Karnevalssitzungen abzusagen, gab Volker Trippel, Zeugwart des Vereins, nach einer Krisensitzung des Vorstandes am Abend bekannt. Die Kinderkarnevalsveranstaltung am Rosenmontag (ab 15 Uhr, Reuterhof), werde aber stattfinden, betont er. "Die Kinder können das ja noch nicht verstehen", sagt Trippel. Das Geld für schon gekaufte Karten zum "Dorfabend" werde man den Käufern erstatten.

Trippel gehörte zu dem Team, das an einem Notfallplan für die Dorfabende arbeitete, seit Ende November die Nachricht von Heinz-Josef Bilks schwerer Erkrankung öffentlich geworden war. Er hatte den Sitzungspräsidenten Bilk schon beim Dorfabend 2012 vertreten, als in dessen Familie ein anderer Trauerfall zu beklagen war. Doch jetzt erneut einzuspringen, dazu sah er sich nicht in der Lage - auch wenn er diesem Plan schon zugestimmt hatte. Aber das war vor zwei Wochen, als Heinz-Josef "Heijo" Bilk noch lebte. Nun wäre dieser zum Zeitpunkt des ersten Dorfabends noch nicht einmal beigesetzt gewesen. "Mir vorzustellen, dort zu sitzen, wo er immer Regie geführt hat, das ging nicht", sagt Trippel.

Der unter Führung des zweiten Vorsitzenden John Rausch tagende Vorstand hatte vor seiner gestrigen Sitzung versucht, die Stimmungslage im Dorf zu erkunden. Einer Verschiebung der Dorfabende redete niemand das Wort, doch sowohl für die Optionen "Absagen" als auch für "Durchziehen" fanden sich Befürworter und gute Gründe. Letztlich entschied der Vorstand im Sinne derer, die auf die Bühne gemusst hätten.

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Dort war Heijo Bilk seit Ewigkeiten eine feste Größe. Und das nicht nur als Chef des Elferrates, zu dem er 2006 gemacht wurde. Von 1974 bis 1999 sang Bilk im legendären "Plantebuerechor", von 1996 bis 2008 begeisterte er das Publikum mit den "Krätzjessängern", und im vergangenen Jahr stand er mit drei Freunden als "Die Boschte vom Rhing" auf der Bühne. Auch für die Dorfabende 2018 waren die "Boschte" gebucht und steckten schon mitten in den Proben.

Der in Grimlinghausen geborene Bilk, der auch im Kirchenchor gesungen hatte, sang aber auch gerne solo. Sein Lieblingslied von den Freunden Jim und Johnny stimmte er zuletzt beim Schützenfest 2017 vor Publikum an, als der aktive Jäger aus dem Zug "Heidegrün" für 50-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde.

Die Feier zum 70-jährigen Bestehen der "Freunde der Heimat" Ende Oktober war - ohne dass er es ahnte - die letzte "Großtat" Bilks für seinen Verein, dem er sich 1973 anschloss und für den er lebte. Die Bronzefigur einer Ziege, das Wappentier der "Hippelänker", die dabei auf dem Cyriakusplatz aufgestellt wurde, hatte Bilk noch initiiert. "Das war sein Herzenswunsch", sagt Volker Trippel.

(-nau)