1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis

Rhein-Kreis Neuss: Kandidat mit eigenen Ideen

Rhein-Kreis Neuss : Kandidat mit eigenen Ideen

Martin Knoke ist erst seit 2010 Mitglied der Dormagener Grünen und seit 2011 ihr Ortsverbandsvorsitzender. Nun hofft der Rheinfelder bei der Landtagswahl auf ein Direktmandat des Wahlkreises Neuss II. Punkten will Knoke mit Verbraucherschutz und Energiepolitik.

Der Grüne trägt schwarz: Jeans, Lederjacke, Rucksack — Martin Knoke rollt mit seinem Mountain-Bike auf den Haupteingang des Tannenbuschs zu und nickt zum Gruß. Er ist in seinem Heimatort Rheinfeld gestartet, gehetzt sieht er nicht aus. Ja sicher, er hätte auch mit dem Auto kommen können, aber ein bisschen Imagepflege muss eben sein. Martin Knoke lächelt. Mit seinen 31 Jahren und in seinem Outfit würde er ohne Zweifel auch als politische Nachwuchskraft der Piratenpartei durchgehen oder als Vorsitzender einer Zweigstelle des Chaos Computer Club. Doch dann zieht er, als wolle er den Gegenbeweis antreten, anstelle eines iPad ein kleines, schwarzes Notizbuch aus der Tasche. Termine bearbeitet der Grüne noch analog.

Grüne Mobilität: Landtagskandidat Martin Knoke ist auf dem Fahrrad zum NGZ-Termin in den Tannenbusch gekommen. Derzeit prüft die Partei, ob die Nutzung des Stadtbus kostenlos werden könnte. Foto: l. berns, h. jazyk

Erst Ende März wurde Knoke nach Oliver Keymis (Meerbusch) und Hans-Christian Markert (Kaarst) als dritter grüner Direktkandidat für die Landtagswahl nominiert. Am 13. Mai soll er den Wahlkreis Neuss II (Dormagen, Grevenbroich, Rommerskirchen) erobern. "Wir haben intern über die Kandidatur diskutiert, und dann hieß es irgendwann: ,Wär' das nichts für dich?'" Diese Entscheidung, Neuwahlen über Nacht, habe die Partei schon in eine schwierige Situation gebracht. Er habe sich ein paar Tage Bedenkzeit erbeten und schließlich zugesagt.

Doch vielleicht ist diese Spontaneität auch eine der Stärken von Martin Knoke. Seine Entscheidung für den Eintritt in die Partei und der dann folgende Aufstieg verliefen ähnlich rasant: 2010 Eintritt bei den Dormagener Grünen, seit 2011 Ortsverbandsvorsitzender, jetzt Landtagskandidat. "Ich hatte davor eine Schwelle im Kopf, mich parteipolitisch zu engagieren, heute kann ich es nur jedem raten, man hat schließlich nichts zu verlieren", sagt Martin Knoke.

Punkten will der Rheinfelder auf Landesebene insbesondere mit Themen wie Verbraucherschutz, Energiepolitik: "Es ist klar, dass die Braunkohle als Energieträger mittelfristig auslaufen muss." Als einer von wenigen Dormagener Politikern hat sich Knoke kritisch zu den Planungen der TDI-Anlage von Bayer Kunststoffsparte Material-Science geäußert. Noch im Oktober hatte er erklärt: "Sollten wir eine potenzielle Gefahr für Mensch und Umwelt zu erkennen glauben, werden wir auch in Zukunft Fragen stellen und, wenn nötig, den Finger in die Wunde legen." Er sei überrascht, dass sowohl die anderen Parteien als auch die Öffentlichkeit den geplanten Bau nur geringfügig wahrgenommen hätten. Doch am Ende steht auch ein dickes Lob für die Chempark-Verantwortlichen: Die Dialogbereitschaft sei im Vergleich zu der Zeit vor zehn oder 20 Jahren deutlich größer.

Es wird schnell klar: Der 31-Jährige wählt seine Worte mit Bedacht. Er schaut nach links und nach rechts, bevor er antwortet, faltet die Hände, scheint Argumente im Kopf hin- und herzuschieben. Verbale Fehltritte will er sich nicht erlauben. Entsprechend vage bleibt Martin Knoke allerdings bei manchen Formulierungen. Doch plötzlich blitzt eine Idee auf, die für Zündstoff sorgen könnte. "Wir überlegen derzeit, ob es nicht eine Perspektive gibt, den Stadtbus für alle Dormagener kostenlos zur Verfügung zu stellen", sagt Knoke — im Sinne von Bürgerfreundlichkeit und Klimaschutz. Überhaupt, der Bürger! Seit 2005 ist der Rheinfelder Mitglied bei "Mehr Demokratie", inzwischen im Landesvorstand. Das Thema "Bürgerbegehren wolle er vorantreiben. Er verweist auf Duisburg und seinen kritisierten Ex-Bürgermeister Sauerland. "Die Bürger vor Ort können am besten darüber entscheiden", so Knoke.

Und die Außenwahrnehmung? Grünen-Fraktionschef Ingo Kolmorgen schätzt den Rheinfelder als jemanden ein, der gerne viele Meinungen hört. "Martin Knoke ist kein Ideologe, er macht sich seine eigenen Gedanken", sagt Kolmorgen. Doch ist der Grünen-Fraktionschef auch Realist. Die Kandidatur sei auch ein Schaulaufen.

Fraglos aber ist Martin Knoke bereit, sich seinen politischen Gegnern zu stellen. Auf eine echte Rivalität jenseits des politischen Feldes kann sich der CDU-Kandidat und passionierte Schalke-Anhänger Wiljo Wimmer gefasst machen. "Ich bin BVB-Fan", grüßt Martin Knoke in Richtung CDU-Fraktionschef und lächelt nun beinahe ein wenig teuflisch. Auch wenn er keine Dauerkarte habe. Ein "leider" schwingt in diesem Satz deutlich mit. Fußball ist für den Rheinfelder ein Thema, das ihn ein wenig aus der Reserve lockt, wo es ihm schwerer fällt, seine Emotionen zu kontrollieren.

Auch die Piratenpartei ist so ein leidiges Thema, das aufwühlt und nervt. Als 31-Jähriger hat sich Martin Knoke natürlich auch mit dem Themenkomplex "Social Media" auseinandergesetzt. "Es ist ja nicht so, dass wir auch Netzpolitik machen, das Thema haben wir schon seit Jahren!" Er sei auch bei Facebook registriert und beim "Wurzelwerk", einem Netzwerk der Grünen. Aber Leute, die den halben Tag auf solchen Plattformen verbringen, die könne er nicht verstehen.

Der Terminstress vor der Wahl hat für den 31-Jährigen allerdings bereits begonnen. "Ich bin froh, dass es ein kurzer und knackiger Wahlkampf wird", sagt Martin Knoke. Schon wenige Tage, nachdem seine Kandidatur bekannt wurde, trudelten die ersten Einladungen für Podiumsdiskussionen ein, von Verbänden, der IHK, der Jagdverband hat einen detaillierten Fragenkatalog mit Bitte um Beantwortung verschickt. In den Fußgängerzonen will die Partei in den kommenden Wochen präsent sein. Heute steht ein Vorzeigetermin für einen Grünen an: "Ein Obstsortengarten und Obstwanderweg eröffnet am Kloster Knechtsteden."

Seine Jugend hat Martin Knoke in Dormagen verbracht. Vor zehn Jahren war er öfter mal Gast in der Tankstelle. "Heute gehe ich eher selten weg", sagt der 31-Jährige. Und in Dormagen seien die Weggeh-Möglichkeiten nun mal eher begrenzt. Mal sehe man ihn joggen am Rheinufer oder durch die Innenstadt bummeln.

Martin Knoke ist inzwischen wieder auf sein Rad gestiegen und schaut in Richtung Horizont. Es sieht nun ein wenig aus, als wolle er dem 13. Mai entgegenstrampeln, als bereite er sich auf einen politischen Endspurt vor. Ob er den Ortsverband weiter führen würde, wenn er den Sprung in den Landtag schaffen würde. "Hmm", überlegt Martin Knoke, "schreiben Sie mal, dass ich es machen würde."

Dann tritt der Rheinfelder in die Pedale, erst langsam, dann immer schneller, bis er nur ein schwarzer Punkt ist zwischen den Bäumen. Am Ende verschwindet auch dieser Fleck. Es bleibt nur Grün.

(NGZ)