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Flattermänner halten den Bau auf: K9n: Fledermäuse im Weg

Flattermänner halten den Bau auf : K9n: Fledermäuse im Weg

Der Ausbau der K9n verzögert sich weiter, weil ein Gutachten zunächst die Tierarten auf dem Gelände auflisten muss.

Meerbusch Fledermäuse sind die natürlichen Feinde von Straßenplanern. Regelmäßig bringen die fliegenden Insektenfresser und Blutsauger Großprojekte an den Rand des Scheiterns. Denn die 22 in Deutschland vorkommenden Arten sind allesamt vom Aussterben bedroht.

Wie sich jetzt herausstellt, sind auch die Äcker am Strümper Busch südlich des Meerbusch-Gymnasiums Jagdgebiet von Fledermäusen. Und genau dort soll die lang erwartete K9n gebaut werden. Nach einer Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes zur Jahreswende ist vor dem ersten Spatenstich zur K9n ein faunistisches Gutachten notwendig. Es soll vom Essener Institut für Landschaftsplanung erstellt werden und klären, wie sich der Bau und der spätere Verkehr auf die Tierwelt auswirken wird. Dieses Gutachten wird den seit Jahren geplanten Bau der K9n weiter verzögern, denn es setzt unter anderem einen einjährigen Beobachtungszeitraum voraus. "Die Artenschutzrichtlinie wirft uns zurück", meinte Stadtplaner Ulrich Hüchtebrock vor dem Planungsausschuss.

Gutachten veraltet

Weiteres Problem: Das faunistische Gutachten greift auf das Lärmgutachten zurück und dieses wiederum auf das Verkehrsgutachten. Die der Stadt vorliegenden Verkehrs- und Lärmgutachten für die künftige K9n sind jedoch veraltet und rechnen noch mit einem fast vollständig bebauten Strümper Busch ("Meerbusch Mitte") und wissen nichts von einem eventuellen Frischemarkt auf dem Ostara-Gelände.

Für neue Gutachten muss die Zahl der durch Strümp fahrenden Autos erfasst werden. Das hätte schon länger passieren können, doch fürchtete die Verwaltung Verzerrungen durch die Büdericher Straßenbaustelle und die Sommerferien. Daher soll die Zählung in den nächsten Tagen anlaufen.

Die K9n soll Strümpern — und speziell den Bürgern im Neubaugebiet Strümper Busch — die Fahrt auf die A57 und nach Büderich erleichtern. Bislang müssen sie entweder bei Lank-Latum auf die A57 auffahren oder den Umweg über Büderich auf sich nehmen.

Die Entdeckung weiterer schützenswerter Arten muss das fehlende Stück der K9n nicht zwangsläufig verhindern. Die Planer müssten allerdings auf die Tiere Rücksicht nehmen und eventuell Nisthilfen oder "Krötentunnel" einrichten. Und Umweltschützer, denen das nicht reicht, könnten das Projekt mit Klagen auf Jahre hinaus blockieren. Dafür gab es schon Beispiele. So in Thüringen. Im Oktober 2008 stoppte der BUND mit einer Klage den 1,4 Milliarden Euro teuren Ausbau eines Abschnitts der A44 bei Eisenach — wegen bedrohter Schutzgebiete von Fledermäusen.

In Sachsen sorgte eine Population der Fledermausart Kleine Hufeisennase 2007 für einen kurzzeitigen Baustopp der Dresdener Waldschlösschenbrücke. Die Brücke wurde dann trotzdem gebaut.

(RP)