"Shockheaded Peter" Junge NGZ präsentierte "Struwwelpeter"

Messer, Gabel, Schere, Licht - sind für kleine Kinder nicht. Solche Sprüche muss sich der Nachwuchs heute wohl kaum noch anhören. Mitte des 20. Jahrhunderts sah die Sache allerdings noch anders aus. Denn 1845 verfasste Heinrich Hoffmann den "Struwwelpeter" und hatte großen Erfolg mit dieser Publikation. Noch spielt Paulinchen mit dem Zündholz - schon bald darauf brennt sie lichterloh und endet als Häufchen Asche. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Messer, Gabel, Schere, Licht - sind für kleine Kinder nicht. Solche Sprüche muss sich der Nachwuchs heute wohl kaum noch anhören. Mitte des 20. Jahrhunderts sah die Sache allerdings noch anders aus. Denn 1845 verfasste Heinrich Hoffmann den "Struwwelpeter" und hatte großen Erfolg mit dieser Publikation. Noch spielt Paulinchen mit dem Zündholz - schon bald darauf brennt sie lichterloh und endet als Häufchen Asche. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Die meisten kennen noch die Geschichten von Paulinchen, dass mit den Streichhölzern spielt und dann selbst Feuer fängt und als Häufchen Asche endet. Oder die vom Daumelutscher Konrad, der wegen seiner Saugreflexe nächtlichen Besuch vom skurrilen Schneider bekommt und seine beiden Daumen mit der riesigen Schere abgeschnitten bekommt.

Am Wochenende hatten rund 300 Besucher im Rheinischen Landestheater die Gelegenheit, die Version des "Shockheaded Peter" von Julian Crouch und Phelim Mc Dermott auf der Bühne dieses Theaters an der Oberstraße live zu erleben. Denn die Junge NGZ hatte die komplette Vorstellung unter ihrem Logo präsentiert und die Eintrittskarten zum Vorzugspreis von nur zehn Mark verkauft. Und 20 Leser der jungen NGZ hatten Fortuna auf ihrer Seite, gewannen je eine Eintrittskarte für "Shockheaded Peter".

Am Applaus und den Reaktionen des Publikums gemessen, muss der Abend vergnüglich gewesen sein - auch gerade, weil es im Struwwelpeter etwas handfest zugeht. Zum Beispiel, als der Schneider mit einer Art Heckenschere bewaffnet, die Daumen des lutschenden Konrad mit kräftigem Schnitt von der Hand abtrennte und die guten Stücke zu Boden fielen. Mit wenigen, aber genau passenden Requsiten brachten die Akteure die Struwwelpeter-Geschichten überzeugend auf die Bretter.

So streifte sich Steffen Schreier, der mit Zylinder und Anzug die Geschehnisse auf der Bühne kommentierte, auch selbst das erste Suppenkaspar-Kostüm über und übernahm die Rolle des anfangs noch gewichtigen Essers. Bis schließlich - unmittelbar vor dem Exitus des nun die Nahrung verweigernden Kaspars - eine dürre Holzpuppe mit schmalem Gesicht auf die Bühne geführt wurde und dann tot in den Händen des Bühnen-Akteurs zusammenbrach. Ein besonderes Lob geht an "W. Keith Power & The Shockheaded Maniacs", die hervorragend für die musikalische Begleitung des Struwwelpeters sorgten.

Im Anschluss an das Theaterstück hatten die Leser mit den gewonnenen Eintrittskarten noch Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen des neuen Theaters an der Oberstraße zu Blicken. Denn Bettina Maurer vom Rheinischen Landestheater führte die Gruppe einmal durch das ganze Gebäude. Durchaus lehrreich für alle, die noch nie die Welt hinter den Brettern geshen hatten: So sah der Betrachter, dass der Souffleur keineswegs mitten unter der Bühne seinen Platz hat, sondern von der Seite den Akteuren auf die Sprünge hilft.

Beeindruckend auch die vielen Kabel und Stränge, mit denen die beweglichen Bühnenelemente jeweils in die richtige Position gebracht werden. Recht nüchtern wirkte die Atmosphäre hinter der Bühne. Da lagen noch Reste des zertretenen Ton-Gartenzwerges herum, und die Nebelmaschine schien sich von anstrengenden Einsatz wenige Minuten zuvor auszuruhen.

Im Requisitenraum wurde noch einmal deutlich, dass der Struwwelpeter ohne großes Beiwerk auskommt - nur ein Container ist für Masken, Paulinchens Riesenstreichholz und den Holz-Suppenkaspar nötig. Nach der Führung durch das Theater nutzten die Gäste noch die Gelegenheit, sich bei Schnittchen und Getränken über die neu gewonnenen Eindrücke auszutauschen

(NGZ)
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