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Rhein-Kreis Neuss: Jugend vor Alkohol warnen

Rhein-Kreis Neuss : Jugend vor Alkohol warnen

Diverse Studien zeigen, dass massiver Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen nach wie vor ein großes Problem ist –Stichwort Komasaufen. Der Rhein-Kreis will weiter dagegen kämpfen, auch an den Karnevalstagen.

Wolfgang Burchartz ist bis Oktober ausgebucht. Tag für Tag gibt der 53-Jährige mehrere Unterrichtsstunden in den weiterführenden Schulen des Kreises – und dabei ist er gar kein Lehrer. Sein Titel ist Kriminalhauptkommisar und Drogenprävention sein Thema. Und das eben nicht nur kurz vor Karneval, wenn Behörden, Hilfsdienste und selbst Krankenkassen besonders vor Alkoholmissbrauch durch Jugendliche warnen und Kontrollen ankündigen. "Aufklärung muss ganzjährig erfolgen", sagt Burchartz.

Trotzdem ist das Thema Alkoholmissbrauch in diesen Tagen besonders aktuell. Einmal angesichts des närrischen Treibens in den Karnevalshochburgen, dann aber auch durch gerade erst veröffentlichte Studien. So belegt eine Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zwar einen leichten Rückgang beim Alkoholgenuss. Aber das sogenannte Rauschtrinken sei noch immer weit verbreitet. Das unterstricht auch eine Befragung der Elf- bis Siebzehnjährigen durch das Kreisgesundheitsamt. "Alkohol", so fasste Landrat Hans-Jürgen Petrauschke die Studie zusammen, "ist unser dringendstes Problem."

135 Kinder und Jugendliche aus dem Rhein-Kreis mussten im Vorjahr nach Alkoholkonsum in einem Krankenhaus behandelt werden. 16 Fälle waren es alleine über die Karnevalstage, darunter zehn Mädchen. Elf Jugendliche blieben in stationärer Behandlung. "Das ist viel", sagt Burchartz, der dafür eine Erklärung hat: Das Suchtverhalten nehme tendenziell ab, die Extremformen, das Komasaufen, nehme zu. Und zwar "besorgniserregend".

Der Häufung solcher Fälle an den Karnevalstagen begegnen die Behörden mit Warnungen, Appellen, Kontrollen, Sanktionen. Für Freitag sei eine Aktion bei einer U-16-Party in Kaarst geplant, heute setzt die Polizei in Grevenbroich an und kontrolliert zum Beispiel die, die in Köln Altweiber feiern wollen.

Mit ihren Möglichkeiten steht die Polizei nicht allein. Der Hotel- und Gaststättenverband setzt mit der Aktion "Lass dich nicht K.o.-Tropfen" einen eigenen Akzent, und auch der Einzelhandel zieht beim Jugendschutz mit. Er setzt vermehrt Scannerkassen ein, die am Barcode Hochprozentiges erkennen und der Verkäuferin den Warnhinweis "18" anzeigen. Verbunden mit dem Geburtsdatum, das der Kunde mindestens haben muss.

Info Auch für Eltern: Alles über Drogen und ihre oft verheerenden Auswirkungen unter www.drugcom.de oder unter www.bzga.de

(NGZ)