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Deutsche Kammerakademie Neuss: In Wellen zu musikalischen Highlights

Deutsche Kammerakademie Neuss : In Wellen zu musikalischen Highlights

Er wedelt mit den grünen Flaggen. Und man sieht, wie glücklich es ihn macht - auch wenn es nur symbolisch gemeint ist. Matthias Gawriloff, Geschäftsführer der Deutschen Kammerakademie (DKN), hat mit der Abrechnung für das erste Halbjahr nun endgültig bestätigt bekommen, dass sein vorausberechneter Haushalt bis auf den Cent stimmt, und somit alles im grünen Bereich ist. In Neuss selten erlebt: Professor Johannes Goritzki ist beim Konzert seines eigenen Orchester, der Deutschen Kammerakademie einmal nicht nur Dirigent, sondern auch Solist am Cello. Foto: DKN

Er wedelt mit den grünen Flaggen. Und man sieht, wie glücklich es ihn macht - auch wenn es nur symbolisch gemeint ist. Matthias Gawriloff, Geschäftsführer der Deutschen Kammerakademie (DKN), hat mit der Abrechnung für das erste Halbjahr nun endgültig bestätigt bekommen, dass sein vorausberechneter Haushalt bis auf den Cent stimmt, und somit alles im grünen Bereich ist. In Neuss selten erlebt: Professor Johannes Goritzki ist beim Konzert seines eigenen Orchester, der Deutschen Kammerakademie einmal nicht nur Dirigent, sondern auch Solist am Cello. Foto: DKN

Zwar hat er im Grunde keine Zweifel daran gehabt, aber die schwarz auf weiß vorliegende Bestätigung, mit dem geforderten und bewilligten Zuschuss der Stadt exakt auszukommen, beruhigt ihn schon. So kann er sich jetzt den Programmen für die nächsten Jahre widmen, wobei er so etwas wie einen "Fünfjahresplan" im Kopf hat. Wellenförmig stellt er sich die Programmkonzeption vor, die für jede Saison höchstes Niveau garantieren will, aber nicht jedes Jahr mit teuren Namen und Highlights aufwarten wird.

"Bei den exorbitanten Gagen im klassischen Musikbereich muss ich genau austarieren, wann wir uns zum Beispiel jemand wie Hildegard Behrens leisten können", sagt er. Dabei bevorzugt er die Methode, sich etwa an geplante Tourneen "dranzuhängen", das hält die Preise unten. Für die langfristige Planung ist es zudem wichtig, Jubiläen zu berücksichtigen. Gawriloff hat bis 2015 sämtliche runden Geburts- oder Todestage berühmter Komponisten aufgelistet; 2003 etwa wird das Berlioz-Jahr, natürlich muss sich das auch im Programm niederschlagen. Doch die Entscheidung künstlerischer Fragen liegt vornehmlich beim künstlerischen Leiter der DKN, Professor Johannes Goritzki.

"Aber wir stecken die Köpfe zusammen", erzählt Gawriloff, als konzerterfahrener Klarinettist selbst vom Musikerfach, wenn Goritzki Wünsche zu Solisten oder Musiker äußere, würde er sie auf Machbarkeit prüfen. Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten beschreibt der Manager als völlig unkompliziert."Geht's - ist es prima; geht's nicht - ist Goritzki sofort bereit, nach Alternativen zu schauen." Rund 30 bis 40 Auswärtskonzerte bestreitet die Kammerakademie in der Regel pro Saison, die meisten auf nationaler Basis. Für die heimischen Konzerte im Zeughaus wünscht Gawriloff sich vor allem einen Zuwachs bei den Abonnenten. Um die 60 Prozent schätzt er deren Zahl derzeit, "80 wären schon schön." Für die kommende Saison liegen die Konzerttermine längst als Programmheft vor, im Zeughaus wie immer sechs an der Zahl und in ihrer Konzeption schon der Finanzsituation der DKN geschuldet, "in der Qualität jedoch nicht um ein Quäntchen gemindert".

Und natürlich bleiben die "Heimspiele" im Programm: Auch die Klassiknacht steht zumindest terminlich fest (27. Juni), ebenso wie das Neujahrskonzert (12. Januar). Zudem, so Gawriloff, laufen derzeit noch Überlegungen, dem Neusser Programm noch ein weiteres DKN-Unternehmen hinzufügen. Im Zeughaus wird das Orchester in der nächsten Saison vor allem jüngere Musiker präsentieren, "die zum ersten Drittel der Weltspitze gehören und bald schon ganz vorne stehen können".

Das Spektrum fängt bei Daszö Ranki an, einem aufgehenden Stern am Klavierhimmel, der das erste Konzert am 6. Oktober bestreitet, und hört beim spanischen Dirigenten und Komponisten Pedro Halffter auf, der am 24. Mai die Konzertreihe beschließen wird. Das Gastspiel des Spaniers läutet im übrigen ein neues Thema der DKN-Konzerte ein: Es steht für die Absicht, pro Saison eine Art Familienkonzert zu veranstalten, bei dem Musiker, die durch familiäre Bande verbunden sind, gemeinsam präsentiert werden. Pedro Halffter zum Beispiel dirigiert Musikstücke seines berühmten Vaters Christobal, der wohl auch beim Konzert anwesend sein wird.

"Da gibt es unendliche Möglichkeiten", schwärmt Gawriloff und erzählt zugleich, dass viele Väter, Mütter, Söhne, Töchter eigentlich gerne gemeinsam konzertieren möchten, aber selten die Gelegenheit dazu bekämen. Zwischen Ranki und Halffter gastieren Top-Schlagzeuger Peter Sadlo (17. November), "Europas führende Cellistin" Maria Kliegel (9. Februar) und der Chopin-Klaviervirtuose François-René Duchable, der eigentlich seinen Rückzug aus dem Konzertbetrieb angekündigt hatte, aber unbedingt noch einmal mit der Kammerakademie spielen wollte (16. März). Ein Highlight - ganz besonderer Art - ist aber auch in der kommenden Saison dabei und wird vom Orchesterchef selbst bestritten: Als Cello-Solist war Johannes Goritzki in Neuss nämlich schon lange nicht mehr zu erleben; der Dirigent spielt am 6. April unter anderem Werke von Grieg und Mendelssohn Bartholdy. Helga Bittner

(NGZ)