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Feuilleton: In der Hölle wird gewettet

Feuilleton : In der Hölle wird gewettet

Neuss Wer geglaubt hat, die großen, röhrenförmigen Dinger, die uns hier und da auf dem Bürgersteig im Weg sind, seien lediglich zum Anhängen bunter Werbeposter da, der hat sich gewaltig geirrt. Denn die Litfaßsäulen sind der Eingang zur und der Ausgang aus der Hölle; dort kann man, wenn man nah genug herangeht, die Familie Teufel zetern hören.

Claudia Brasse, Marc Andrä, Daniel Cerman und Horst Bischoff (Hobi) brachten Christine Nöstlingers Kindergeschichte "Der liebe Herr Teufel" in einer quirligen, opulenten und schönen Inszenierung von Stefan Filipiak auf die Bühne des Theaters am Schlachthof. Dieses war gefüllt mit neugierigen kleinen Besuchern, die zu den einfühlsam kreierten Figuren schnell Vertrauen fassten.

In herben Tönen quatschen zwei Müllleute miteinander, bevor sie zufällig ein Gespräch der Familie Teufel belauschen: Fulminantia wettet gegen ihren Mann Luzifer, dass sie das freundliche und glückliche Ehepaar Brunner böse machen kann. Statt selbst zu den Menschen zu gehen, schickt sie ihren Sohn Belze, der im Gegensatz zu seinem großen Bruder kein richtig leidenschaftlicher Teufel ist.

Mit einer eingeflüsterten Gehaltserhöhung und einem auf rätselhafte Weise gewonnenen Auto versucht er, den Auftrag der Mutter zu erfüllen - doch (oh Wunder) beides macht die Brunners nur noch zufriedener.

Liebevoll von Uschi Bischoff gebastelte Handpuppen stellten die teufliche Familie dar, der das Publikum durch ein breites Fenster in der Litfaßsäule beim Zanken und Wetten zusehen konnte. Gespielt wurden sie von Daniel Cerman und Horst Bischoff, die ihren Figuren fabelhaft mitreißende Stimmen verliehen. Besonders Bischoff ließ seine Fulminantia Teufel keifen und zetern, dass es eine Freude war.

Auch Claudia Brasse und Marc Andrä, die selbst auf der Bühne standen, schenkten ihren Charakteren kraftvolle Lebendigkeit. Den groß gezauberten Belze verkörperte Daniel Cerman mit Spaß an der witzigen Rolle; er bewegte sich wie seine Kollegen frei und mit herrlich greifbaren Gesten.

So verarbeiteten die Schauspieler die frech-humorvolle Textvorlage der österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorin hervorragend zu einem ansehnlichen Stück, bei dem sich auch die erwachsenen Zuschauer das Lachen nicht verkneifen konnten.

Regisseur Stefan Filipiak verdient ebenfalls ein Lob, denn er fügte die Szenen zu einem runden Schauspiel zusammen. Wiederholungen von griffigen Textpassagen, täuschend echte Geräusche aus dem Hintergrund, gut eingängige und verständliche Lieder und die Kombination von Schauspiel und Puppenspiel machten die Aufführung geradezu zu einem Erlebnis. Dazu trug zweifelsohne auch das clevere Bühnenbild von Claus Rusicke bei, das hauptsächlich aus der verblüffend vielseitigen und schön gestalteten Litfaßsäule bestand.

InfoNächste Termine: 21. und 28. Mai, 15 Uhr

(NGZ)