Ulrike Schanko, Nachfolgerin von Burkhard Mauer: In bekannten Händen

Ulrike Schanko, Nachfolgerin von Burkhard Mauer: In bekannten Händen

Der Blick nach vorn kann es bald nicht gewesen sein, der die Entscheider gelenkt hat, Ulrike Schanko als Nachfolgerin des nach der nächsten Saison ausscheidenden Intendanten Burkhard Mauer zu wählen. Eher schon der Blick zurück. Denn völlig unzweifelhaft hat die 47-jährige Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin des RLT ihre eigenen Verdienste um den guten Ruf, den das Landestheater sich in den vergangenen Jahren erworben hat - aber immer sehr eng an der Seite Mauers. Ab 2004/05 die neue Intendantin des RLT: Ulrike Schanko. NGZ-Foto: Woi

Der Blick nach vorn kann es bald nicht gewesen sein, der die Entscheider gelenkt hat, Ulrike Schanko als Nachfolgerin des nach der nächsten Saison ausscheidenden Intendanten Burkhard Mauer zu wählen. Eher schon der Blick zurück. Denn völlig unzweifelhaft hat die 47-jährige Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin des RLT ihre eigenen Verdienste um den guten Ruf, den das Landestheater sich in den vergangenen Jahren erworben hat - aber immer sehr eng an der Seite Mauers. Ab 2004/05 die neue Intendantin des RLT: Ulrike Schanko. NGZ-Foto: Woi

Das musste freilich auch so sein, denn selbst wenn die Funktion eines Chefdramaturgen in der Öffentlichkeit nicht so sehr durchschaut wird - für die Arbeit eines Theaters ist die Funktionstüchtigkeit, der Gleichklang des Gespanns Intendanz/Dramaturgie von enormer Wichtigkeit. Ulrike Schanko kennt Mauers Handschrift schon seit 1989; damals wurde sie Dramaturgin an den von ihm zu der Zeit geleiteten Städtischen Bühnen Nürnberg, drei Jahre später folgte sie ihm nach Neuss.

Burkhard Mauer, der in seinen Amtsjahren das RLT sicherlich zu dem gemacht hat, was es heute ist, und zudem im Auswahlverfahren für seine Nachfolge dabei war, kann also sein Werk beruhigt abgeben: Es kommt in Hände, die es im Wesentlichen wohl so weiterführen werden wie bisher. Und im Haus selbst dürfte man sich auch freuen, denn große Wechsel, wie sie sonst häufig mit einer neuen Intendanz verbunden, sind jetzt nicht zu erwarten. Alles bleibt also mehr oder weniger beim Alten - auch für die umliegenden Städte, in denen das RLT regelmäßig Gastspiele gibt.

Ein schönes Gefühl der Sicherheit, das aber schon bald auch dem der Stagnation weichen könnte. Denn mit der Entscheidung für das Bewährte wurde auch die Chance für neue Weichenstellungen vertan. Dabei geht es keineswegs darum, das RLT umzukrempeln, aber auf Mauers Arbeit aufbauend neue Wege zu suchen, sollte schon das Ziel sein, denn ein Theater lebt nur, wenn es sich selbst in Bewegung hält. Nicht umsonst gilt es in der Theaterszene als gern geübte Regel, die Intendantenhandschrift nach zehn Jahren zu wechseln.

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Nach 14-jähriger enger Zusammenarbeit mit Mauer könnte Schankos indes schon zu stark geprägt sein. Und an Alternativen hat es der Findungskommission gewiss nicht gemangelt: Mit Meinhard Zanger aus Köln ("theater der keller"), Martin Apelt aus Gießen (Schauspieldirektor des dortigen Stadttheaters) und Jörg Garde aus Braunschweig (Stellvertreter des Intendanten und Leiter des Kinder- und Jugendtheaters) hatte man gestandene und erfahrene Theatermacher zur Auswahl, von denen jeder auf seine Art frischen Wind nach Neuss gebracht hätte. Stattdessen: keine Experimente.

Zumindest die nächsten vier Jahre der Nach-Mauer-Zeit, denn so lange ist Ulrike Schanko gewählt (ab 2004/05). Mit breiter Zustimmung zwar, wie es heißt, aber eben nicht einstimmig. Doch wer für und wer gegen sie war, ist eine müßige Frage, genauso wie die nach dem Einfluss, den die städtischen Politiker, die bei der letzten Vorstellung der Vier dabei waren, auf diese Entscheidung gehabt haben.

Fraktionsmitglieder aus dem Stadtrat als "beratende Gäste" zu diesem Treffen einzuladen, war indes fast schon ein genialer Coup: An der angekündigten Wahl konnte festgehalten werden, und die Mehrheitsfraktion zugleich ihr Interesse an angemessener Beteiligung wahren - auch wenn sie selbige erst 24 Stunden vorher mit Vehemenz eingefordert hat.

Mit dieser - man ist fast versucht zu sagen "typisch Neusser" - Lösung wurde die Klippe der Peinlichkeit für alle Beteiligten gerade noch so umschifft; für das nächste Mal (und das kommt mit Sicherheit, spätestens bei der Wahl des neuen Chefs der Kammerakademie) sollte man vielleicht lieber schon ein wenig früher miteinander reden. Helga Bittner

(NGZ)
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