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Rhein-Kreis Neuss: Im Dycker Stallhof kann jetzt gefeiert werden

Rhein-Kreis Neuss : Im Dycker Stallhof kann jetzt gefeiert werden

Knapp zwei Jahre hat es gedauert – jetzt sind beide Stockwerke des Osttraktes des ehemaligen Stallhofs von Schloss Dyck fertig. Für das Fachwerkhaus im Wirtschaftshof gibt es 154 000 Euro vom Bund.

Was es einmal war, sieht der Besucher sofort, denn drei Einstellpätze für Pferde sowie eine Pferdetränke blieben im 200 Quadratmeter großen Erdgeschoss erhalten. Auch der Fußboden wurde rekonstruiert. "Es war gar nicht so einfach, an die gelblichen Fliesen zu kommen", sagt Bernd Simon. Der Architekt aus der Projektgruppe "Schloss Dyck" des Rhein-Kreises hat die komplette Sanierung des Stallhofs eng begleitet. Die passenden Bodenfliesen wurden schließlich in den Niederlanden gefunden.

Doch die hatten den Verantwortlichen nicht unbedingt schlaflose Nächte bereitet. Dafür hatte eher die Statik des Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert gesorgt. Notwendig waren zusätzliche Fundamente. Die mussten auf der Wasserseite eingebaut werden, was wiederum den Einsatz eines Pontons notwendig machte. Über den mussten aber auch die Baumaschinen zum Stallhof gebracht werden, denn die hätten weder durch die Torbögen gepasst noch hätten sie die historischen Brücke überqueren können. "Ob das alles so klappte, wie wir uns das vorgestellt hatten, wussten wir erst an dem Tag, an dem der Bagger auf dem Ponton stand – und nicht absoff", sagt Simon.

In enger Abstimmung mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege ging die Sanierung Stück für Stück voran. Nagekäfer hatten sich im Innern breit gemacht und ganze Balkenenden weggeknabbert. Pilze und Hausschwämme mussten bekämpft werden. "Die Holzstützen im Erdgeschoss mussten aufgeschnitten, ausgehöhlt und dann mit Stahlrohren gefüllt werden", erklärt Simon, der längst weiß: Egal, wo man in solch einem historischen Gebäude anfängt, etwas aufzuhauen, man weiß nie wirklich, was dahinter zum Vorschein kommt. Doch nun ist die Sanierung abgeschlossen, die Decken (Kölner Decken) sind wieder komplett mit Lehmputz ummantelt, alle schadhaften Hölzer durch neue ersetzt. Bereits bei der vergangenen Schloss-Weihnacht konnte der Parterre-Raum von Ausstellern genutzt werden. Nun können es auch die Räume in der ersten Etage. Dort sind auch einige Büroräume vermietet, zum Beispiel an die RWTH Aachen. Für Feste, Hochzeiten und Tagungen können die Räumlichkeiten über die Stiftung Schloss Dyck gebucht werden. Der Raum im Erdgeschoss kann auch unterteilt werden.

Die Sanierung des Westtraktes des Stallhofs wurde bereits 2004 abgeschlossen. Er dient seitdem als Ausstellungsraum. 27,2 Millionen Euro wurden im Jahr 2000 für die Arbeiten an der Schlossanlage genehmigt, 80 Prozent davon übernimmt das Land, 20 der Rhein-Kreis. "23 Millionen wurden bis jetzt für die Sanierung von Gebäuden ausgegeben", sagt Bernd Simon. Und er weiß auch, dass für die Arbeiten, die noch anstehen, die restlichen vier Millionen nicht ausreichen werden. "Wahrscheinlich werden wir einen Großteil davon für die Sicherung der Reitbahn ausgegeben müssen", so Simon. Wozu dieses Gebäude genutzt werden soll, ist ebenso wenig klar wie die Antwort auf die Frage, wer den Innenausbau bezahlt.

Überraschend gibt es nun für das Fachwerkhaus im Wirtschaftshof einen Zuschuss aus dem Bundeshaushalt – 154 000 Euro. Die werden im Rahmen des "Denkmalschutz-Sonderprogramms IV" bereitgestellt und sind "zur Substanzerhaltung und Restaurierung von unbeweglichen Kulturdenkmälern mit nationaler Bedeutung". "Damit könnten wir das Dach und die Fenster erneuern, und so das Haus wieder dicht machen, denn es regnet dort hinein", sagt der Architekt. Für den Innenausbau, gedacht war unter anderem auch an zwei Wohnungen, ist noch kein Geld da. Außerdem sind ab August sind erst einmal die drei Park-Brücken an der Reihe.

(NGZ)