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Schützenlust 1864/1950 feiert Jubiläum: Gründer "Jung-KKV Novesia" und "Rheingold"

Schützenlust 1864/1950 feiert Jubiläum : Gründer "Jung-KKV Novesia" und "Rheingold"

Vor genau 50 Jahren wurde ein kleines Korps wiederbegründet, das sich inzwischen zum zweitstärksten entwickelt hat - die Neusser Schützenlust. Zur Feier dieses Jubiläums hat das Korps eine Festschrift herausgegeben, in der die Geschichte und einzelne Züge vorgestellt werden.

Vor genau 50 Jahren wurde ein kleines Korps wiederbegründet, das sich inzwischen zum zweitstärksten entwickelt hat - die Neusser Schützenlust. Zur Feier dieses Jubiläums hat das Korps eine Festschrift herausgegeben, in der die Geschichte und einzelne Züge vorgestellt werden.

Zur Geschichte der Schützenlust, die Hans Mausberg zusammengetragen hat, gehört, dass sich die 1864 gegründete und nicht zugelassene "Schützengesellschaft Freischütz" 1868 auflöste, um sich sofort wieder als "Gesellschaft Schützenlust" zu präsentieren. Dieser gelang es dann, "die Erlaubnis zu erhalten, als ,Extra-Corps" am Schützenfest teilzunehmen." Zu diesem Zeitpunkt gab es nur Grenadiere und Jäger. So sieht die alte Schützenlust 1864 als ihr Gründungsjahr an. 1875 stellte sie mit Wilhelm Schneider den ersten Schützenkönig aus ihren Reihen, dem einige folgten.

Im Jahre 1899 trennten sich einige Mitglieder von der Schützenlust und gründeten die St.-Hubertus-Schützen-Gesellschaft. Die Uniform der Schützenlust war recht kleidsam. Zur weißen Schützenhose trug man einen grau-grünen, doppelreihig geknöpften Rock mit Hirschhornknöpfen, einseitig umgeschlagenem Revers und dunklem Stehkragen. Den Hut mit breiter, links aufgeschlagener Krempe schmückte eine Federagraffe. Die Offiziere trugen Straußenfedern am Hut, grün-weiße Schärpen als Feldbinden und Schleppsäbel. Die Mannschaften haben, zumindest vor dem Ersten Weltkrieg, ihre Scheibenbüchsen, manche auch Doppelflinten mitgeführt. Das Trinkhorn wurde mit einem Blumengebinde umwunden, jedoch nicht mit Blumen gefüllt, sondern mit einem Deckel verschlossen.

Erst in den letzten Jahren der alten Schützenlust trug man das Trinkhorn wie die Jäger mit Blumen gefüllt. Der erste bekannte Korpsführer und Vorsitzende war Hauptmann Heinrich Hahn, der 1894 mit 48 Jahren verstarb. 1902 war Jean Hürtgen Chef der Schützenlust. Von 1913 bis 1929 war Theodor Lambertz Hauptmann und Vorsitzender. Es war ein kleines Regiment, das 1920 nach langen Verhandlungen mit den Besatzungsbehörden aufmarschieren durfte. Aber - die Schützenlust war dabei. Am 10. Juni 1928 feierten die "weit über die Grenzen ihrer Vaterstadt bekannte und beliebte Gesellschaft Schützenlust" (so die NGZ vom 6. Juni 1928) ihr 64-jähriges Bestehen.

Zum Schützenfest 1926 trat die Schützenlust mit berittener Korpsspitze an: Major Hermann Nett und Peter Zell als Adjutant. Nach 1930 sank die Schützenlust in einen 20-jährigen Dornröschenschlaf, wie Hans Mausberg schreibt: Mangelnder Nachwuchs, Mangel an Freunden und Gönnern haben vielleicht dazu beigetragen, dass die Gesellschaft Schützenlust die schweren Zeiten anfangs der 30er Jahre nicht überstand. Vielleicht aber gelang es auch nicht, sich der neuen Auffassung vom Schützenleben, nach der rein gesellige Veranstaltungen das Schießen weitgehend verdrängten, anzupassen.

Anscheinend aber hat das Komitee lange nicht glauben wollen, dass die Schützenlust nicht mehr mitmacht, denn in der offiziellen "Fest- und Zugordnung" lässt es die Schützenlust bis 1934 noch immer um 10.30 Uhr, je nach Tag, auf der Rheinstraße oder auf der Büttger Straße antreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Schützenfest nur langsam wieder zu neuem Leben. Als sich 1950 zwei neugegründete Züge, "Jung-KKV Novesia" und "Rheingold" nach einem passenden Korps umsahen, machten Komiteemitglieder ihnen den Vorschlag, die "Schützenlust" wieder aufleben zu lassen. Als erstes galt es, eine Uniform zu schaffen. Selbstverständlich musste sie gut aussehen, "schmuck" und bequem sein.

Die Uniform der auferstandenen Schützenlust war ein gelungener Wurf. Zum weißen Hemd die weiße Krawatte; der Rock war ein nicht allzu taillierter, graugrüner Zweireiher mit moosgrünem Besatz. Dieser Rock erwies sich im Laufe der Zeit als sehr praktisch, denn man konnte bei langdienenden, aber etwas sparsameren Schützen beobachten, wie sich, durch wachsende Leibesfülle bedingt, der Zweireiher durch ständiges Versetzen der Knöpfe zum Einreiher mauserte. Beim Schützenfest 1951 marschierten die Züge "Jung-KKV Novesia" und "Rheingold", von Theo Mainz als Hauptmann geführt, zur Parade.

Jedenfalls wurde die wiedererstandene Schützenlust, die nach kundigem Urteil "durch ihre Akkuratesse besticht", von der Bürgerschaft freudig aufgenommen. Sie blieb bestehen und erfreute sich eines vorerst langsamen aber stetigen Wachstums. Brachte es Theo Mainz als Hauptmann auf vier Züge, so hinterließ der erste Major, Carl-Arthur Boetticher, als er 1959 seinen Abschied nahm, bereits acht Züge. Nach zehn Majorsjahren übergab Theo Mainz 1969 eine Schützenlust, die auf 19 Züge angewachsen war. Der ihm folgende im Amt, Dr. Hans Küppers, brachte es bis 1973 auf 21 Züge mit 330 Mann. Beim frühen Tode von Major Dr. Hans Reiner Hoffmann 1975 zählte das Corps 25 Züge mit 375 Mann.

Herbert Meis brachte in elf Dienstjahren die Schützenlust auf 804 Mann in 54 Zügen. 1999, in seinem letzten Jahr als Major, hatte Jochem Dammer 74 Züge mit 1155 Mann "unter den Fahnen". Am 17. März 1952 wurde "Em schwatte Päd" die erste Korpsversammlung gehalten. Das Korps gab sich den Namen "Neusser Schützenlust 1950". Diesem Namen wurde 1975 das ursprüngliche Gründungsjahr beigefügt. Nun heißt es "Neusser Schützenlust 1864/1950", Satzung und Vorstand wurden von den anwesenden Zügen "Jung-KKV Novesia",Rheingold", "Cornel" und "Theodor Lambertz" gebilligt.

Das Komitee stiftete der Schützenlust eine Fahne, die nach einem Entwurf von Fucki Kraemer im Kloster Kreitz gefertigt wurde. Die Fahne wurde am 17. August 1952 im St.-Quirinus-Münster geweiht. Die Fahnengruppe stellte der Zug Rheingold. Rudi Haeffs als Fähnrich, Günther Heinemann und Josef Derstappen als Begleiter. Zu den Schützenfesten von 1952 bis 1954 wurde die Fahne von Gert van Opbergen getragen und von den Fahnenoffizieren Dr. Hans Reiner und Karl Heinz Hoffmann begleitet. Danach stellten auch andere Züge die Fahnengruppe. Die Stiftung einer Schwenkfahne durch Toni Ingmann und einer weiteren Fahne durch Rudolf Harnischmacher (1985) machten weitere Fahnengruppen nötig, die sich 1986 zum "Fahnenzug" zusammenschlossen, dem seitdem die vier Fahnen des Korps, darunter zwei Schwenkfahnen, anvertraut sind.

Statt "Extracorps" sagt man heute "kleine Korps". Zu diesen gehört auch die Schützenlust, so dass ihre Mitglieder zu den Musikkosten mehr oder minder spürbar beitragen müssen. Der erste Schützenkönig der wiederbegründeten Schützenlust war Ernst Heitzmann im Jahr 1953/54. Danach errangen noch elf Angehörige des Korps das Königssilber. Der bislang letzte in dieser Reihe ist Werner Schlüter, der 1988/89 die höchste schützenfestliche Würde trug.

Immer mehr Züge haben sich in den vergangenen Jahren der Schützenlust angeschlossen. Jetzt feiern die 75 Züge den 50. Jahrestag der Wiederbegründung, die zwei Züge - "Jung-KKV Novesia" und "Rheingold" - vollzogen haben. Zum Jubiläum gab es einen Wechsel an der Spitze: Major Herbert Geyr folgte auf Jochem Dammer.