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Gesundheitsreport 2020 der AOK nimmt den Rhein-Kreis Neuss in den Blick

AOK Rheinland/Hamburg in Neuss : Die Gesundheit im Rhein-Kreis im Blick

Die AOK Rheinland/Hamburg hat ihren Gesundheitsreport 2020 vorgelegt. Im bundesweiten Vergleich steht der Rhein-Kreis Neuss gut da. Aber es gibt auch Schwachstellen – zum Beispiel mit Blick auf Impfungen bei Senioren.

Die AOK Rheinland/Hamburg war die erste Krankenkasse, die vor mehr als einem Jahrzehnt eine umfangreiche und systematische Gesundheitsberichterstattung initiiert hat. Nun liegt der Gesundheitsreport 2020 vor. Marion Schröder, Regionaldirektorin für den Rhein-Kreis und Krefeld, Birgit Klüppelholz und Volquart Stoy von der AOK-Redaktion „Gesundheitspolitik“ sowie Kathrin Hammes, die sich bei der AOK mit Fragen der medizinischen Versorgung befasst, stellten die Ergebnisse vor.

Der Rhein-Kreis steht in der Gesundheitsvorsorge im bundesweiten Vergleich recht gut da. Dennoch gibt es Lücken, an denen verstärkt gearbeitet werden muss, vor allem im Bereich der Pflege. 32 Prozent der pflegebedürftigen Personen, die bei der AOK Rheinland/Hamburg versichert sind, leiden an Demenz. „Deutschland muss demenzfreundlicher werden“, sagt die Direktorin. Das hat auch die Bundesregierung erkennt, die am 1. Juli 2020 eine „Nationale Demenzstrategie“ verabschiedet hat. Mit der Service-Leitstelle Demenz hat die AOK eine Vorreiterrolle eingenommen. Besonders erfolgreich ist dabei die Musterwohnung „Demenz“ in Jülich, die zeigt, wie Patienten möglichst lange in ihrer eigenen Wohnung bleiben können. Ein Nachbau 1:1 wird ab dem 21. September (= Alzheimertag) für drei Wochen im Memory-Zentrum auf der Neusser Furth ausgestellt.

Was vielfach unterschätzt wird: Ein Oberschenkelhalsbruch führt in den meisten Fällen zu einem dauerhaften Pflegebedarf. 94 Prozent dieser Fälle erhalten Leistungen der sozialen Pflegeversicherung. „Sie waren vorher in ihrer Mobilität nicht eingeschränkt. Das ist eine riesige Baustelle“, sagt Volquart Stoy. „Auch ältere Menschen sollten zur Muskelprophylaxe regelmäßig Sport treiben“, empfiehlt Marion Schröder zur Prävention und fordert, dass in Krankenhäusern die Liegezeit verkürzt wird und die Patienten schneller „mobilisiert“ werden.

Von wegen „Liegezeit“: Dekubitus (Druckgeschwüre durch langes Liegen) ist zu einem Qualitätsmerkmal in der stationären Pflege geworden. Hier schneidet der Rhein-Kreis schlecht ab, ein Dekubitus mindestens zweiten Grades tritt überdurchschnittlich häufig auf. Die Verbesserung der Pflegestandards sei unumgänglich. Recht gut schneidet der Rhein-Kreis bei der Notfallversorgung, etwa bei Herzinfarkt und Schlaganfall, ab. Hier stehen im Kreis gleich vier Krankenhäuser bereit. „Die Rettungsdienste wissen genau, wohin sie fahren müssen“, lobt Schröder. So landen 100 Prozent der Herzinfarktpatienten und 97 Prozent der Schlaganfallpatienten im richtigen Haus.

Defizite sieht sie hingegen in der Prävention mit dem Stichwort „Impfung“. Nur jede dritte Person über 60 Jahren hat in der vergangenen Impfsaison (2018/2019) eine Grippeschutzimpfung in Anspruch genommen. Dieser Personengruppe empfiehlt die ständige Impfkommission der Bundesregierung zusätzlich auch eine Masernschutzimpfung, wenn der Impfschutz bei Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden, nicht vollständig oder gar unbekannt ist. Hierzu entwickelt die AOK eine elektronische Patientenakte, die digital Impftermine vermittelt und voraussichtlich Ende des Jahres zur Verfügung steht. Unterm Strich habe der Rhein-Kreis Neuss eine gute Gesundheitsvorsorge, sagt Schröder.