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Rhein-Kreis Neuss: "Gesunde Mitarbeiter sind oft motivierter"

Rhein-Kreis Neuss : "Gesunde Mitarbeiter sind oft motivierter"

Der demografische Wandel führt dazu, dass Beschäftigte immer älter werden. Ratsam ist daher ein betriebliches Gesundheitsmanagement.

Rhein-Kreis Die Gesundheitsförderung wird in der Wirtschaft immer wichtiger, denn der demografische Wandel ist ein Thema, mit dem sich immer mehr Unternehmen auseinandersetzen müssen. Der Diplom-Ökonom Gregor Werkle, Referent bei der IHK Mittlerer Niederrhein, gehört zu den Experten, wenn es um Gesundheitsförderung und die boomende Gesundheitswirtschaft in der Region geht.

Am Arbeitsplatz öfter mal aufstehen und räkeln – das beugt Verspannungen vor. Die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern, liegt angesichts des demografischen Wandels im Interesse der Unternehmen. Foto: dpa

Herr Werkle, seit wann gewinnt das Thema Gesundheitsförderung für Unternehmen an Bedeutung?

gregor Werkle Das Thema "Betriebliches Gesundheitsmanagement" (BGM) hat besonders in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Viele Unternehmen haben erkannt, dass eine nachhaltige Gesundheitsförderung für Beschäftigte ein gutes Instrument ist, um die Krankheitstage im Unternehmen zu reduzieren und die Mitarbeiter zu motivieren.

Wie wirkt sich der demografische Wandel auf die Gesundheit der Arbeitnehmer aus?

werkle Die Gesellschaft wird älter. Dadurch erhöht sich auch das durchschnittliche Alter der Arbeitnehmer. Auch die Politik hat schon auf den demografischen Wandel reagiert und den Eintritt in das Rentenalter erhöht. Die Gesundheitsförderung ist eine entscheidende Möglichkeit, damit die Beschäftigten auch tatsächlich bis zum 67. Lebensjahr fit bleiben.

Wie genau kann solch eine Gesundheitsförderung für ein Unternehmen aussehen?

werkle Pauschal lässt sich das nicht sagen. Es hängt davon ab, welchen Belastungen die Arbeitnehmer ausgesetzt sind und ob verschiedene Krankheitsbilder bei den Beschäftigten im Unternehmen auffallend häufig vorhanden sind. Generell ist die Palette an Möglichkeiten aber sehr breit gefächert: Baubetriebe können ihre Baustellen von erfahrenen Sportwissenschaftlern oder Ergotherapeuten überprüfen lassen, Dienstleistungsunternehmen können ihren Mitarbeitern den Besuch eines Reha- oder Gesundheitszentrums ermöglichen.

Hängt die Gesundheitsförderung auch von der Größe des jeweiligen Betriebs ab?

werkle Oft hängen die Angebote zur Gesundheitsförderung von der Größe eines Unternehmens ab. Große Betriebe haben aufgrund ihrer verfügbaren Ressourcen und der höheren Mitarbeiterzahl Vorteile gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen, ihren Beschäftigten derartige Förderangebote zu machen.

Gibt es Förderprogramme für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter gesundheitlich unterstützen möchten?

werkle Der Gesetzgeber hat schon 2008 auf die wachsende Bedeutung der betrieblichen Gesundheitsförderung reagiert und fördert entsprechende Maßnahmen durch das Steuerrecht. Seitdem sind Arbeitgeberleistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes bis zu 500 Euro je Mitarbeiter und Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei.

Gibt es Analysen, anhand derer interessierte Unternehmen ein solches Förderungsprogramm erarbeiten können?

werkle Es ist hilfreich, zunächst eine Analyse zu initiieren, welche Krankheitsbilder bei den Beschäftigten häufig auftreten. Dabei können auch die Krankenkassen helfen. Erst auf Basis dieser Ergebnisse sollte das Programm gemeinsam mit den Mitarbeitern ausgearbeitet werden. Denn Betriebsleitung und Arbeitnehmervertretung müssen sich einig über die Ausrichtung der Inhalte der betrieblichen Gesundheitsförderung sein.

Wie sieht die IHK Mittlerer Niederrhein ihre Rolle bei der Gesundheitsförderung?

werkle Wir sehen unsere Rolle in diesem Bereich als "Informationsbroker" und möchten unseren Mitgliedsbetrieben die positiven Effekte von Gesundheitsmaßnahmen auf den Unternehmenserfolg aufzeigen. Bei unseren Veranstaltungen zu dem Thema machen wir interessierte Betriebe mit den regionalen Angeboten von BGM-Maßnahmen vertraut. Denn unsere Unternehmen kommen seit einigen Jahren immer häufiger mit speziellen Fragestellungen zur Gesundheitsförderung auf uns zu.

(NGZ)