Rhein-Kreis Neuss: Geschäftsmodelle fürs Gemeinwohl

Rhein-Kreis Neuss: Geschäftsmodelle fürs Gemeinwohl

15 Unternehmern haben sich in der Regionalgruppe der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung zusammengeschlossen. Sie wollen für ihre Idee werben.

Rhein-Kreis. Die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung (GWÖ) trifft sich bereits seit dreieinhalb Jahren bei Stammtischen, Netzwerkveranstaltungen und in Arbeitskreisen. Da haben sie an ihrem eigenen Wirtschaftsmodell der Zukunft gefeilt, und nun sind sie soweit, es auch publik zu machen und Lobbyarbeit zu leisten. "Wir wollten nicht mit der Politik etwas machen, sondern selber entwickeln und dann dafür bei ihr werben", sagt Heinrich Hannen, Bio-Landwirt vom Lammertzhof in Kaarst. Ziele seien etwa steuerliche Vergünstigungen oder die Bevorzugung von Unternehmen, die sich der Gemeinwohl-Idee im Wirtschaftssystem verschrieben haben.

Grundlage dafür ist die Gemeinwohl-Matrix: Nach den fünf Aspekten Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie demokratische Mitbestimmung und Transparenz und den jeweiligen Berührungspunkten Lieferant, Geldgeber, Mitarbeiter, Kunde und gesellschaftliches Umfeld muss der Unternehmer eine Jahresbilanz aufstellen. Dabei kann er Plus- und Minuspunkte sammeln, das absolute Optimum wären 1000 Punkte. "Meine Schwachstelle ist die gerechte Verteilung der Erwerbsarbeit, aber in der Landwirtschaft muss man halt viel und schwer arbeiten", sagt Heinrich Hannen, der rund 50 Leute auf seinem Hof beschäftigt.

Die GWÖ-Bewegung möchte den wirtschaftlichen Erfolg nicht primär am Finanzgewinn orientieren. Statt Konkurrenzgedanken wirbt sie für die Solidarität unter Mitbewerbern. Menschen, Beziehungen und Werte stehen im Mittelpunkt des Wirtschaftens. Neben dem Kaarster Bio-Bauer Heinrich Hannen gehören Daniel Schlagmann mit seinem Ingenieurbüro für erneuerbare Energien, die heilpraktische Psychotherapeutin Andrea Stoffers und Nachhaltigkeitsberater Ralf Resch zu den aktiven Mitgliedern aus dem Rhein-Kreis Neuss.

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Für den Berater sind die Dienstreisen ein Makel in der Bilanz. "Da ich keine Waren produziere, habe ich für mich eine Treibhausgasbilanz aufgestellt. An ihrer Verbesserung muss ich ansetzen", sagt Ralf Resch. Therapeutin Andreas Stoffers beschäftigt keine Mitarbeiter in ihrer Praxis, kann in dieser Gruppe also keine Punkte sammeln. Dafür wandte sie diese für ihre Zusammenarbeit mit einer Bank an. "Es machen aber auch viele Kleinigkeiten den Ausschlag", ergänzt Daniel Schlagmann, "etwa der Verbrauch von Papier, Strom und Gas."

International haben sich inzwischen mehr als 7500 Unternehmen, Privatpersonen und Kommunen der GWÖ-Bewegung angeschlossen. Zur Regionalgruppe Düsseldorf gehören zurzeit 15 Unternehmen, so unter anderem auch die St. Gereon Seniorendienste aus Hückelhoven, die Bürger-Energie-Genossenschaft aus Wetter und die Düsseldorfer Existenzgründungsberaterin Maria Henkys.

(NGZ)
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