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Rhein-Kreis Neuss: Für Start in den Beruf stärken

Rhein-Kreis Neuss : Für Start in den Beruf stärken

Seit 25 Jahren werden im Berufsförderungszentrum Schlicherum junge Erwachsene fit gemacht für das Berufsleben: Sie machen ein Werkstattjahr oder nehmen am Berufsorientierungsprogramm teil. Eine Erfolgsgeschichte.

Von außen ist es ein idyllischer Bauernhof, drinnen werden junge Menschen fit gemacht für den Beruf – und das schon seit über 25 Jahren: Im Berufsförderungszentrum Schlicherum erhalten Jugendliche und junge Erwachsene, die beim Sprung ins Berufsleben auf Hilfe angewiesen sind, eine Chance. Die Gründe dafür, dass jemand zwischen Schule und Ausbildung ein Werkstattjahr oder ein Berufsorientierungsprogramm absolviert, sind unterschiedlich: Der eine hat keinen Schulabschluss, der andere persönliche Probleme, und ein dritter weiß nicht, welcher Beruf zu ihm passt. Orientierungslos war auch Kieran Nolden (21) aus Neuss, der von 2007 bis 2008 in der Holzwerkstatt des Berufsförderungszentrums Erfahrungen sammelte. Nach dem Hauptschulabschluss war er unschlüssig, wie es weitergehen sollte, wollte gerne Tischler werden, fand aber keine Lehrstelle. "Das Jahr war wichtig für mich – nicht nur in handwerklicher Hinsicht, sondern auch für die Entscheidungsfindung", sagt er heute. Im Anschluss an sein Werkstattjahr absolvierte er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und arbeitet heute in einem Unternehmen, das mit Holz und Metall handelt und Handwerker zu seinen Kunden zählt. Dabei nutzen Nolden die Erfahrungen, die er im Berufsförderungszentrum gesammelt hat.

Eine Bezugsperson für ihn war dort Steffen Heimann. Der 36-jährige Fachanleiter und Tischlermeister hat einen "guten Draht" zu den jungen Leuten in seiner Werkstatt und vermittelt ihnen nicht nur Handwerkliches: "Wir gehen auch mal zusammen klettern oder Kanu fahren", erzählt er. Das sei wichtig für die Persönlichkeitsbildung: "Da merken die Jugendlichen, dass bei den anderen auch nicht alles glatt läuft. Sie lernen, sich etwas zuzutrauen." Neben der Holzwerkstatt stehen im Berufsförderungszentrum in Schlicherum und in der Zweigstelle am Burggraben noch eine Reihe anderer Berufsfelder zur Auswahl: Hauswirtschaft und Gastronomie, Garten und Landschaftsbau, Metall, Lager und Handel, Haar- und Körperpflege sowie Textil. Die verschiedenen Maßnahmen besuchen aktuell rund 130 Teilnehmer. 154 junge Menschen wurden bislang auch in den eigenen Werkstätten ausgebildet. Aber auch für einige Erwachsene ist das Berufsförderungszentrum eine wichtige Anlaufstelle – etwa für die 30 Männer und Frauen, die jeden Tag ausrücken, um städtische Grünanlagen zu pflegen. Angeleitet, ausgebildet und betreut werden die Teilnehmer von rund 40 Mitarbeitern. Denen kann Geschäftsführer Michael Stork allerdings keine gesicherten Zukunftsperspektiven bieten: Seit sich 2004 die Vergabepraxis von Bundesagentur für Arbeit und Jobcenter geändert hat, werden die Lehrgänge nach bundesweiten Ausschreibungen vergeben: "Früher gab es einen direkten Kontakt, heute kennt man uns nur noch vom Papier", bedauert Stork. "Lokale Vernetzungen, etwa unser guter Kontakt zu den Innungsobermeistern oder den Unternehmen, spielen heute eine kleinere Rolle als früher, die Preisschraube wird immer weiter nach unten gedreht", kritisiert er.

(NGZ)