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Rhein-Kreis Neuss: Frischer Wind durch neue Stellen

Rhein-Kreis Neuss : Frischer Wind durch neue Stellen

Nach einem stabilen Jahr 2012 blickt die neue Leiterin der Arbeitsagentur, Angela Schoofs, optimistisch auf 2013. Die Unternehmen im Agenturbezirk melden nach wie vor verhältnismäßig viele freie Stellen.

Eine recht desolate Stadt ungefähr von der Größe Korschenbroichs fand Angela Schoofs vor, als sie am 1. Januar ihre neue Position antrat — vorausgesetzt, man pferchte die 27 350 Menschen, die in Mönchengladbach und dem Rhein-Kreis Neuss derzeit ohne Lohn und Brot sind, in eine einzige Gebietskörperschaft. Diese 27 350 Männer und Frauen sind Schoofs' Kundschaft. Denn die 56-Jährige ist die neue Leiterin der Arbeitsagentur Mönchengladbach und folgt auf Johannes-Wilhelm Schmitz, der mit 63 Jahren in den Ruhestand gegangen ist.

Bei der gestrigen Vorstellung des Jahresberichts konnte Schoofs, die von 1997 und 2004 bereits in der Gladbacher Agentur arbeitete und die Vitusstadt und den Rhein-Kreis damit bestens kennt, auf ein stabiles Jahr 2012 verweisen: Die Arbeitslosenzahlen sind in etwa gleichgeblieben, was angesichts der Euro-Krise, der amerikanischen Angst vor der Fiskalklippe und der nachlassenden konjunkturellen Dynamik in Deutschland gar keine schlechte Nachricht ist. "Stabil auf einem guten Niveau", nennt das die Fachfrau, und das ist Angela Schoofs, die als Leiterin der Duisburger Arbeitsagentur auch bereits Know-how auf einem vom Strukturwandel gezeichneten Arbeitsmarkt bewies, zweifelsohne.

Im Rhein-Kreis stieg der Wert gegenüber November von 5,8 auf 5,9 Prozent. Im Dezember 2011 hatte er 5,7 Prozent betragen, ein Jahr zuvor noch 6,3. Für den gesamten Agenturbezirk ergibt das eine Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent (Ende 2011: 7,5, Ende 2010: 7,8).

Besagte 27 350 Menschen bedeuten gegenüber November einen Anstieg um 0,4 Prozent oder 113 Betroffene. "Diese Erhöhung ist größtenteils saisonal bedingt", sagt Schoofs. Gegenüber Dezember 2011 stieg die Zahl um 726 Menschen (2,7 Prozent). Die Arbeitslosen verteilen sich in etwa gleichmäßig auf Gladbach (13 939) und den Rhein-Kreis (13 411).

Die Unternehmen im Agenturbezirk melden nach wie vor verhältnismäßig viele freie Stellen — "lassen sich aber mehr Zeit dabei, sie auch zu besetzen", sagt Schoofs. 2727 freie Positionen waren im Dezember gemeldet, davon 1468 im Rhein-Kreis. Von Januar bis Dezember wurden 13 985 sozialversicherungspflichtige Stellen neu eingeworben, 8,5 Prozent weniger als im Vorjahr. "Wir müssen verhindern, dass der Arbeitsmarkt auseinanderfällt" — so umschreibt Schoofs eine ihrer künftig zentralen Aufgaben. Will sagen: Die Diskrepanz zwischen Anforderungsprofil der Stellen und dem, was die Bewerber an Voraussetzungen mitbringen, soll verringert werden.

4055 Arbeitslosen hat die Agentur 2012 ihre Weiterbildung finanziert — fast 50 Prozent mehr als 2011. "Diese Strategie werden wir konsequent weiterführen."

Die Dynamik des Arbeitsmarktes bemisst sich nicht zuletzt daran, wie viele Menschen ihre Arbeit verlieren und wie viele eine finden. Im Dezember verloren im Bezirk 1723 Menschen ihren Job, 1094 nahmen eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt auf — beides deutlich weniger als in den Vorjahren.

Die Zahl der eingeworbenen Ausbildungsstellen stieg im Ausbildungsjahr 2011/12 im Vergleich zum Vorjahr um 63 auf 3542. "Im Jahr des doppelten Abiturjahrgangs haben Firmen gute Chancen auf gute Bewerber", sagt Schoofs. "Wir müssen uns aber auch um die Zweitbesten kümmern."

Schoofs lobte gestern auffällig häufig die Wirtschaftsförderer — weil die für frische Stellen sorgen. "Alleine durch Zalando im Regiopark rechnen wir im Herbst mit den ersten 400", sagt sie.

Ein Rückschlag für die Region war 2012 die Schlecker-Insolvenz. "Rund 50 Prozent der Betroffenen haben einen neuen Job gefunden oder werden von uns qualifiziert", sagt Agentur-Sprecherin Karin Schliffke.

(NGZ)