Sechs junge Gastschauspieler verstärken RLT-Ensemble: Fast wie im richtigen Leben

Sechs junge Gastschauspieler verstärken RLT-Ensemble: Fast wie im richtigen Leben

Wie kann eine Bühne mit einem mittelgroßen, altersmäßig durchwachsenen Ensemble ein Stück zeigen, dessen Schauspieler fast durchweg sehr jung sein müssen? Sie leiht sich welche. Ganz einfach, möchte man meinen, allerdings laufen junge, begabte und professionell ausgebildete Schauspieler nicht gerade in Mengen auf der Straße herum, und sie lassen sich auch von anderen Bühnen wohl kaum komplikationslos nach Neuss zitieren. Sie werden im "Krieg der Knöpfe" kräftig mitmischen: Laurenz Leky, Jakob Gail, Igor Schwab, Holger Stolz und Attila Öner (v.l.n.r.), die als Gäste für die RLT-Produktion verpflichtet wurden. NGZ-Foto: A. Woitschützke -->

Wie kann eine Bühne mit einem mittelgroßen, altersmäßig durchwachsenen Ensemble ein Stück zeigen, dessen Schauspieler fast durchweg sehr jung sein müssen? Sie leiht sich welche. Ganz einfach, möchte man meinen, allerdings laufen junge, begabte und professionell ausgebildete Schauspieler nicht gerade in Mengen auf der Straße herum, und sie lassen sich auch von anderen Bühnen wohl kaum komplikationslos nach Neuss zitieren. Sie werden im "Krieg der Knöpfe" kräftig mitmischen: Laurenz Leky, Jakob Gail, Igor Schwab, Holger Stolz und Attila Öner (v.l.n.r.), die als Gäste für die RLT-Produktion verpflichtet wurden. NGZ-Foto: A. Woitschützke -->

Also muss man sie schon suchen gehen. Wie gut, dass es da das alljährliche Treffen der Schauspielschulen gibt, und wie gut, dass selbiges im vergangenen Jahr in Essen stattfand. Dort wurde Intendant Mauer nämlich gleich fünf Mal fündig, verpflichtete Jakob Gail und Laurenz Leky vom Salzburger Mozarteum, Igor Schwab und Mirco Monshausen von der Folkwang-Hochschule und Holger Stolz von der Berliner Universität der Künste für ein Projekt, für das das RLT schon seit drei Jahren Ambitionen hegt: "Krieg der Knöpfe" nach dem Roman des französischen Prix Goncourt-Trägers Louis Pergaud.

Das 1912 veröffentlichte Buch gilt zwar als Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, kann aber genauso gut auch jeden Erwachsenen begeistern. In der Geschichte der zwei verfeindeten Jungengruppen aus Longeverne und Velrans um die Jahrhundertwende steckt genug Stoff, um sie als Stück auf dem Erwachsenenspielplan eines Theaters zu rechtfertigen.

Paula Bettina Mader hat für die Neusser Uraufführung eigens eine Bühnenfassung erstellt. Den sechsten Mitspieler rekrutierte das RLT bei einem schon bewährten Partner: Attila Öner kommt vom Kölner "theater der keller" hinzu; der einzige, der auch noch studiert, während die anderen bereits kurz vor Ende der Ausbildung stehen und teilweise schon wissen, wo es danach hingehen soll: nach Leipzig oder Braunschweig oder vielleicht auch wieder nach Neuss.

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Den Newcomern stehen unter der Regie von Tamara Kafka versierte Darsteller wie Martin Herrmann und Hannes Schäfer für die Rollen der älteren Menschen im Stück zur Seite - was nicht nur Laurenz Leky und Igor Schwab begeistert, ("endlich anders als an der Schule mal mit einem Menschen spielen, der wirklich der Vater sein könnte"), sondern auch Herrmann geradezu rührte, wie Kafka weiß: "Er fühlte sich an seine eigenen Anfänge erinnert."

Dass über die Hälfte ihres Schauspielteams aus Neulingen - wenn man die frisch in dieser Saison engagierten RLT-Mitglieder Alexander Wipprecht und Bernd Färber mitrechnet - besteht, habe sie gar nicht wahrgenommen, sagt Kafka entschieden. Selbst das Vorspielen während der Proben, "was ich sonst sehr gerne mache", sei nicht nötig gewesen. Das wiederum wussten die jungen Darsteller zu schätzen: "Bei manchen Regisseuren wird man inszeniert", hat zumindest Holger Stolz von anderen gehört, "hier hatten wir die Freiheit, auch zu gestalten". Helga Bittner

Oberstraße, Freitag, 10. Januar, 20 Uhr (Premiere)

(NGZ)
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