Expo Real 2019: Strukturwandel als Jahrhundert-Chance für den Rhein-Kreis Neuss

Immobilienmesse Expo Real 2019 : Strukturwandel als Jahrhundert-Chance für den Rhein-Kreis Neuss

Platz für Neues – der Rhein-Kreis will die Chancen, die mit dem Kohleausstieg verbunden sind, nutzen.

Strukturwandel, Strukturwandel und noch einmal Strukturwandel. Im Rhein-Kreis Neuss ist die Diskussion über Klimawandel und Klimaschutz etwas konkreter als in den meisten Teilen der Republik. Der Rhein-Kreis, das sind acht Städte und Gemeinden, die Jahrzehnte stolz mit dem Label „Energie-Kreis“ warben und die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Mit dem beschlossenen Ausstieg aus Tagebau und Braunkohleverstromung steht die Region an Rhein und Erft vor einem Umbruch.

Umbruch wohlgemerkt, nicht Zusammenbruch. Denn: Dieser Kreis lebt nicht von Braunkohle allein: vielfältiger Branchenmix, starker Mittelstand, bemerkenswerte Cluster hoch spezialisierter Industrien – Nahrungsmittel, Chemie, Medizin –, qualifiziertes Personal, ausgezeichnete Lebensqualität, zentrale Lage in der Boomregion am Rhein, das sind nur einige Faktoren, die ganz anders sind als im strukturschwachen Braunkohlerevier in der Lausitz. Natürlich wird es große Anstrengungen erfordern, um den Menschen, die durch das Aus für die Braunkohle ihre Jobs verlieren könnten, eine neue Perspektive zu geben. Auch auf die energieintensive Industrie von Aluminium bis Chemie gilt es zu achten.

Aber – auch auf die Gefahr hin, dass es Bergleute und Kraftwerker als zynisch empfinden: Die großen Herausforderungen, vor denen der Rhein-Kreis mit dem Kohleausstieg steht, sind auch eine Riesenchance. Und das nicht nur, weil die Region mit Fördergeldern rechnen kann. Im Kreis gibt es spannende Flächen – auch für Industrie – in einem grundsätzlich strukturstarken Umfeld. „In vielen Bereichen stehen wir am Beginn einer neuen Gründerzeit – da sind Mobilität und Energie nur zwei Beispiele“, sagt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Der Rhein-Kreis arbeite dafür, dass in dieser spannenden Zeit, die enorme Perspektiven, aber auch Unsicherheiten in einer Phase des Experimentierens und der Neuausrichtung biete, Rahmenbedingungen existieren, die Risiken minimieren und Planungssicherheit bieten.

Petrauschke verweist auf Projekte wie eine zertifiziert-mittelstandsfreundliche Verwaltung, die Entscheidungsprozesse schneller mache, aber auch auf Erfolge in der Bildungs- und Beschäftigungspolitik: „Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist auf einem Allzeithoch. Gleichzeitig ist die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss im Rhein-Kreis mit am geringsten in ganz NRW.“

Robert Abts, Wirtschaftsförderer des Rhein-Kreises, sieht die Attraktivität der Region auch durch das Interesse ausländischer Unternehmen bestätigt: „2018 gab es 17 FDI-Projekte (Foreign Direct Investments) ausländischer Unternehmen im Rhein-Kreis, 2017 waren es 14.“ Das „Mittelstandsbarometer für den Rhein-Kreis Neuss“, eine Umfrage bei 500 Unternehmen, hat es gerade erst wieder bestätigt: Die Wirtschaft in den acht Kommunen an Rhein und Erft steckt Kriseneinflüsse weit besser weg als die meisten anderen Städte und Gemeinden in Land und Bund. Während anderenorts schon die Zeichen auf Abschwung stehen, wird im Rhein-Kreis noch investiert und die Auftragsbücher sind voll. Die geopolitische Kulisse mit Handelskriegen und Brexit will der Kreis nutzen, um gezielt auf weitere ausländische Unternehmen zuzugehen.

Auch mit dem Drängen auf bezahlbaren Wohnraum und neu ausgewiesene Gewerbegebiete, die mit bereits vorhandener digitaler Infrastruktur punkten können, möchte der Landrat Investoren für den Kreis und seine Kommunen begeistern.

Zur Zukunftssicherung gehöre, so Hans-Jürgen Petrauschke, aber auch eine Diskussion über die Notwendigkeit eines Wandels in den Köpfen: Technik- und Wirtschaftsfeindlichkeit, gepaart mit fehlendem Mut, Entscheidungen durchzusetzen, die den heutigen Wohlstand der Region auch für die Zukunft sichern könnten, gelte es entschlossen zu begegnen.

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