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Rhein-Kreis Neuss: Experten für Flora und Fauna

Rhein-Kreis Neuss : Experten für Flora und Fauna

Streifzug Natur- und Landschaftserlebnisse im Rhein-Kreis Neuss (Erste Folge) Wo alle Fäden zusammenlaufen: Von Ameisenbläuling bis Zottiger Klappertopf – Ein Besuch in der Biologischen Station.

Streifzug Natur- und Landschaftserlebnisse im Rhein-Kreis Neuss (Erste Folge) Wo alle Fäden zusammenlaufen: Von Ameisenbläuling bis Zottiger Klappertopf — Ein Besuch in der Biologischen Station.

Rhein-Kreis Neuss Wenn im Rhein-Kreis von Natur- und Landschaftserhaltung die Rede ist, rückt die Biologische Station auf dem Gelände von Kloster Knechtsteden schnell in den Blick. Das "Haus der Natur" ist zum Dreh- und Angelpunkt einer Vielzahl von Projekten und Aktionen geworden.

"Im Moment ist der Vertragsnaturschutz ein großes Thema", sagt Michael Stevens, Wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der Einrichtung. "Oberstes Prinzip ist die Freiwilligkeit", erklärt er die Kooperation mit der Landwirtschaft. Ein wichtiger Aspekt ist der Schutz der Feldhamsterpopulation. Seit 2007 laufen die Fäden hierfür in Knechtsteden zusammen.

Die Verträge werden im Rahmen des Kreis-Kulturlandschaftsprogramms abgeschlossen. Ansprechpartner sind das Planungsamt des Rhein-Kreises und das Haus der Natur. Die Aufgaben der Biologischen Station sind Bestandsaufnahmen, Effizienzuntersuchungen und die fachliche Begleitung der vor Ort wirtschaftenden Landwirte. Was den Vertragsnaturschutz betrifft, erinnert Stevens daran, dass die Fördersätze erst in diesem Jahr angehoben worden sind: "Wir sind dabei, die Landwirte anzusprechen."

Mit ihnen wird auch die Zusammenarbeit beim Thema "Ackerrandstreifen" gesucht. Gerade in der Nähe von Siedlungen hat Stevens indessen schon beobachtet, dass diese Parzellen "als Deponie für Schnittgut missbraucht" werden, wie er sagt.

Wer sich mit Stevens unterhält, bekommt schon bald einen Einblick, wie fokussiert die Biologische Station arbeitet. Beim Stichwort "Zottiger Klappertopf" beispielsweise mag der Laie vor allem belustigt grinsen, für den Fachmann öffnet sich bei Nennung der Pflanze gedanklich ein ganzer Lebensraum. "Das beste Vorkommen europaweit liegt hier im Rhein-Kreis Neuss", sagt Stevens, "insbesondere im Zonser Grind und im Uedesheimer Rheinbogen." Der Name des Gewächses rührt von den trockenen Samenkapseln her, deren Inhalt unüberhörbar raschelt, "klappert".

Während Begegnungen mit dem Klappertopf im Bereich des Möglichen liegen, dürfte den wenigsten jemals eine Knoblauchkröte über den Weg geschlurft sein. Stevens weiß um ein Vorkommen in Lank-Latum: "Es ist das einzige in der Region und seit 1995 bekannt." Das Rheinvorland ist auch das Tummelfeld des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, dessen Wiederansiedlung ein intensives Monitoring begleitet: "Mal schauen, wie's dieses Jahr wird."

Haben Schmetterlinge in der Regel alle Sympathien auf ihrer Seite, so sieht das bei der Wespe ganz anders aus. Die so genannte Hautflüglerberatung bildet einen weiteren Schwerpunkt der Tätigkeit der Biologischen Station. Hunderte Anrufe gehen regelmäßig ein, wobei sich die Aufklärung nicht ums Vernichten, sondern rund um die Koexistenz von Mensch und Wespe dreht.

Das Team im Haus der Natur/Biologische Station besteht neben dem Biologen Michael Stevens aus Thomas Braun (Landschaftsökologe), Jürgen Spindeldreher (Geograph) und Elisabeth Steiner. Finanziert wird die Arbeit zu 80 Prozent vom Land und zu jeweils zehn Prozent von der Stadt Dormagen und dem Rhein-Kreis Neuss.

Um das Haus der Natur ist ein Verein entstanden, dessen Vorstandsmitglied Dr. Georg Waldmann gemeinsam mit Michael Stevens den nächsten "Streifzug" begleiten wird (die kommende Folge erscheint am Donnerstag). Ziel ist der Wahler Berg, eine alte Rheindüne bei Zons.

(RP)