Rhein-Kreis Neuss: Exotische Früchte für ganz Europa

Rhein-Kreis Neuss : Exotische Früchte für ganz Europa

Ob Limetten, Ananas oder Physalis - viele exotische Früchte, die in hiesigen Supermarktregalen liegen, werden vom Rhein-Kreis aus importiert. Der Meerbuscher Jorge Riano versorgt mit seiner Firma PSL Abnehmer aus ganz Europa.

Ein Obstsalat mit saftiger Ananas, Maracuja und Mango erfrischt den Gaumen an heißen Sommertagen. Der Cocktail "Caiprinha" mit Limetten bringt die Copacabana für erholsame Momente auch auf "Balkonien". Jorge Riano importiert diese Früchte seit über 20 Jahren aus Süd- und Mittelamerika, von seinem Büro in Meerbusch aus organisiert er mit seiner Firma PSL (Product Service Lateinamerica) den Vertrieb in Europa.

Der ehemalige Landrat Dieter Patt und Wirtschaftsförderer Jürgen Steinmetz lockten den gebürtigen Kolumbianer in den Rhein-Kreis. "Wir kannten uns bereits aus meiner Zeit als Handelsattaché für die kolumbianische Regierung", erzählt Riano. Als er den diplomatischen Dienst beendete, machte er sich mit dem Import von Früchten in Hamburg selbstständig. Die Lage war allerdings schlecht, denn seine Lieferungen kamen in den Häfen Rotterdam und Antwerpen an. Darum plante der Unternehmer den Umzug in eine der beiden Städte. "Ich wollte mich eigentlich nur von meinen Freunden im Rhein-Kreis verabschieden, aber dann überzeugten sie mich dazu, mich hier niederzulassen", so Riano. Ausschlaggebend für ihn war, dass Antwerpen nur eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt war und er für Behördengänge keine neue Sprache lernen musste. Im Neusser Kreishaus an der Oberstraße wurde ihm für die ersten sechs Monate mietfrei ein Büro zur Verfügung gestellt. Im nahegelegenen Hafen fand er ein Kühlhaus, heute betreibt er ein 2000 Quadratmeter großes Lager im holländischen Venlo.

Aus Kolumbien importiert der 63-jährige Unternehmer die Passionsfrucht und Physalis. Letztere ist ein typisches Gewächs der Anden-Gebirgskette, sie wird auch "Andenbeere" genannt. Sie gedeiht in Höhen von 1500 bis 2800 Metern, ihre Ernte ist sehr aufwendig. "Die Pflücker schneiden die Frucht mit einer Schere von der Pflanze ab und schauen hinter den Blättern nach, ob sie auch in Ordnung ist", erklärt er. Rund 900 Tonnen Physalis - das sind 120 Container - importiert er im Jahr, hinzu kommen rund 150 Tonnen Passionsfrucht. Die größte Menge, mit 5200 Tonnen, bilden Limetten aus Brasilien und Mexiko, aus Costa Rica kommen 1300 Tonnen Ananas. Abnehmer in Deutschland sind bekannte Supermarktketten und Discounter.

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Bei Frischware mit langem Transportweg ist die Einhaltung der Kühlkette besonders wichtig. Es sind aber zwei andere Probleme, die dem Importeur zu schaffen machen. Erstens: das Wetter. "Die Anbauregionen leiden zunehmend unter einem extremen Klimaumschwung zwischen keinem Regen und besonders viel Regen", sagt Riano. Zweitens: Der Drogenschmuggel, zu dem Transporte aus Südamerika missbraucht werden. "Die Lastwagen werden per Satellit überwacht. Hält einer an, schlägt das System sofort Alarm. Es muss genau dokumentiert werden, wann, wo und warum der Lkw angehalten hat", erklärt er.

Das Geschäft wickelt Riano mit einem kleinen Team aus drei Mitarbeitern und einem Auszubildenden ab. Zurzeit ist es im Büro in Meerbusch-Osterath eher ruhig - während die Menschen im Rhein-Kreis den Sommer genießen, läuft die Hauptsaison in Südamerika von November bis Anfang Juni.

(NGZ)
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