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Rhein-Kreis: EU-Kommissar Oettinger im Tagebau

Rhein-Kreis : EU-Kommissar Oettinger im Tagebau

Für Günther Oettinger spielt die Braunkohle im Energiemix auch künftig eine Rolle. Am Freitag war der EU-Energiekommissar zu Gast auf der Kraftwerksbaustelle in Grevenbroich und im Tagebau Garzweiler.

Eine bleibende Erinnerung an den Rhein-Kreis Neuss erhielt Günther Oettinger von Bürgermeisterin Ursula Kwasny. Sie übergab dem EU-Kommissar eine Krawattennadel mit der "Skyline" von Grevenbroich — der "Bundeshauptstadt der Energie". Das passte: Denn Oettinger war auf Einladung des CDU-Generalsekretärs Hermann Gröhe zu einem "Energiepolitischen Fachgespräch" auf die Neurather Kraftwerksbaustelle gekommen. Eingeladen waren rund 50 führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft — darunter auch RWE-Chef Jürgen Großmann.

Die wichtigste Botschaft des EU-Kommissars für die Region: Die Braunkohle wird nach seiner Meinung weiter eine Rolle im Energiemix spielen. Wenn es technisch gelinge, den CO2-Ausstoß weiter zu senken, habe die Kohle eine Zukunft, unterstrich Oettinger vor einer Fahrt in den Tagebau.

Der EU-Kommissar rechnet damit, dass Deutschland "in zehn bis zwölf Jahren" aus der Kernkraft ausgestiegen ist. Die damit verbundene Energiewende dürfe aber nicht die Industrie gefährden, warnte Oettinger: "Strom muss bezahlbar bleiben." Gerade für energieintensive Unternehmen — wie sie etwa mit der Aluminium-Indsutrie auch im Rhein-Kreis zu finden sind — sei der Strompreis eine Existenzfrage. Dem stimmte Hermann Gröhe zu: "Der Umstieg darf keinesfalls weg vom Industrieland führen."

Ein wichtiger Punkt auf Oettingers Liste: Hohes Einsparpotenzial sieht er in der energetischen Modernisierung des Gebäudebestands. Ziel der EU sei es, die Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent zu steigern. "Alleine 40 Prozent aller Fensterflächen in der Europäischen Union sind noch einfach verglast", so der Kommissar. Oettinger stellte für die Gebäudesanierung eine Förderung in Aussicht: Sechs Zehntel der Kosten soll der Eigentümer tragen, jeweils ein Zehntel sollen über EU, Bund, Land und Kommune finanziert werden.

Die Aluminium-Industrie habe in dieser Richtung in den vergangenen Jahren schon viel unternommen, erklärte Oliver Bell, Vorstand von Hydro. "Bei der energieintensiven Industrie sind 20 Prozent in zehn Jahren eine Aufgabe, die man erst einmal stemmen muss", gab er zu bedenken: "Vor allem, wenn man vorher schon lange gefeilt hat."

Vor Politikern und Wirtschaftsvertretern erklärte Günther Oettinger, dass Deutschland nicht der beste Standort für Solar und Windkraft sei — in Grevenbroich würde schließlich auch kein Bauer auf die Idee kommen, Orangenbäume anzupflanzen. Sein Vorschlag: Solarenergie im tiefen Süden, Windkraft im hohen Norden — "und dazwischen ein paneuropäisches Energienetz", das die regenerative mit der konventioneller Technik verbinden könne.

(NGZ)