Rhein-Kreis Neuss: Erinnerung an Frauenstreik bei Pierburg

Rhein-Kreis Neuss: Erinnerung an Frauenstreik bei Pierburg

Gleiche Arbeit – gleiches Geld. Dies forderten die Arbeiterinnen der Firma Pierburg 1973 bei einem Streik, der in die Geschichte einging. Erreicht haben sie damals die Abschaffung der Lohnklasse 2, die nur für Frauen bestimmt war. Gleiche Gehälter gibt es für Frauen in Deutschland oft immer noch nicht.

Gleiche Arbeit — gleiches Geld. Dies forderten die Arbeiterinnen der Firma Pierburg 1973 bei einem Streik, der in die Geschichte einging. Erreicht haben sie damals die Abschaffung der Lohnklasse 2, die nur für Frauen bestimmt war. Gleiche Gehälter gibt es für Frauen in Deutschland oft immer noch nicht.

Laut skandieren Frauen vor dem Werkstor "Eine Mark mehr", rote Rosen werden an Streikbrecher verteilt, um sie zur Solidarisierung zu bewegen, und die Werksleitung der Firma Pierburg läuft gelassen über den Hof. Sie scheint die Streikenden nicht zu beachten. Diese Szenen sehen sich die Gäste der Veranstaltung "40 Jahre Frauenstreik bei Pierburg — 40 Jahre Kampf gegen Lohnungleichheit und Frauendiskriminierung" der IG Metall an. Es sind sowohl Vertreter der Politik anwesend als auch Menschen, die zu der Zeit des Streiks selbst bei Pierburg in Neuss gearbeitet und an dem Streik teilgenommen haben.

"Der Streik der Pierburg-Frauen war der Anfang eines langes Kampfes gegen Lohndiskriminierung der Frauen und Gastarbeiter", sagt Nihat Öztürk, Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf-Neuss, bei seiner Begrüßung im Theater am Schlachthof. Dieser Kampf sei auch nach 40 Jahren nicht vorbei.

Angefangen hatte der Streik, als die hauptsächlich südeuropäischen Arbeiterinnen die Arbeit niederlegten und eine Mark mehr Lohn sowie die Abschaffung der Lohnsteuerklasse zwei forderten. Dieser Lohngruppe waren nur Frauen zugeteilt, die für die gleiche Arbeit in der Fabrik wesentlich weniger Geld bekamen als männliche Kollegen. Die Arbeit am Fließband war körperlich sehr anstrengend.

Dieter Braeg, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender, erinnert sich: "Die Frauen kamen aus verschiedenen Ländern, die deutsche Sprache einte sie, und zusammen fanden sie den Mut, sich zu wehren." Auch Hannelore Staps (SPD), stellvertretende Bürgermeisterin, betont, "wie beeindruckend diese Handlung zu dieser Zeit gewesen ist".

Die Polizei griff damals gegen die Frauen ein, in dem Film sind Arbeiterinnen mit blauen Flecken zu sehen, einer der Beamten zieht sogar eine Waffe. Die Zuschauer sind schockiert, einige der ehemaligen Beschäftigen scheinen dies damals gar nicht mitbekommen zu haben. Erfolgreich war der Streik letztendlich, als die Facharbeiter der Fabrik sich mit den Arbeiterinnen solidarisierten und somit der Druck auf die Geschäftsleitung zu groß wurde. Die Lohngruppe zwei wurde abgeschafft, eine Mark mehr erhielten die Frauen aber nicht.

"Die Frauendiskriminierung und Lohnungleichheit ist nach wie vor ein Problem in Deutschland. Frauen erhalten im Durchschnitt immer noch rund 23 Prozent weniger Lohn für gleichwertige Arbeit als ihre männlichen Kollegen", sagt Ötztürk. Hannelore Staps geht noch weiter und betont, "dass laut Artikel drei des Grundgesetzes Frauen und Männer gleich sind." Daher sei auch die unterschiedliche Entlohnung unrechtmäßig. Nicht zu vergessen sei, dass nicht nur Frauen, sondern zum Beispiel auch Leiharbeiter für gleiche Arbeit weniger gezahlt bekommen.

"Wir wollen uns dafür einsetzten, dass diese Ungerechtigkeit ein Ende findet. Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit", so Öztürk. Ein Erfolg, an dem die Streikenden von 1973 einen wesentlichen Anteil haben dürften, ist, dass "die Frauen in Pierburg heute gleich bezahlt werden", sagt Gaby Dorsten, die Betriebsratsvorsitzende von Pierburg Neuss. Dies sei zumindest ein Teilerfolg; an anderen Lohnungleichheiten, wie etwa bei Leiharbeitern, müsse man noch arbeiten.

(NGZ)
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