Rhein-Kreis Neuss: Epanchoir - Radler-Ziel am Nordkanal

Rhein-Kreis Neuss: Epanchoir - Radler-Ziel am Nordkanal

Christina Jacke, Kommunikationschefin der St.-Augustinus-Kliniken, sprach aus, was mehr als 300 Besucher der Eröffnungszeremonie dachten: "Das ist richtig gut geworden." Gemeint ist das restaurierte, nun von einem städtebaulich ansprechend gestalteten Platz mit Info-Box umgebenen, Epanchoir an der Nordkanalallee, Ecke Selikumer Straße.

Alles fing Anfang des 19. Jahrhunderts an. Damals herrschten die Franzosen im Rheinland. Ihre Idee war es, den Rhein und die Maas mittels eines Kanals zu verbinden. Ziel des Infrastrukturprojektes war der Seehafen Antwerpen, um die höheren Zölle beim Warenumschlag in den Niederlanden zu umgehen. Napoleon gab 1806 das Startsignal. Seine Ingenieure hatten viele Probleme zu lösen. Eins davon: die Querung der Obererft. Ihre Antwort war ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, das Epanchoir. Doch der Kanal wurde nicht fertig gestellt. Zwar verkehrten zwischen Neuss und Neersen Schiffe, doch damit war 1850 Schluss. Und das Epanchoir verfiel, geriet in Vergessenheit.

Stetig angetippt von Heimatfreund Otto Saarbourg formierte sich schließlich ein Förderverein um den damaligen Stadtverordneten Klaus Karl Kaster, der in dem heutigen ZIN-Vorsitzenden Christoph Napp-Saarbourg einen durchsetzungsstarken Vorsitzenden fand. Kaster blieb im Hintergrund, blieb aber auch der Motor. Die Pläne wurden vorangetrieben, Gelder eingesammelt. Zweieinhalb Jahre wurde schließlich an der 1,3 Millionen Euro teuren Rekonstruktion gearbeitet. Jetzt ist das Werk fertig. Gestern gab's großes Lob von Bürgermeister Reiner Breuer und viel Beifall von denen, die zur Eröffnung gekommen waren.

Foto: Ludger Baten

Verschiedene Elemente, die sich zu einem Gesamtkunstwerk vereinen, machen das Epanchoir zu einem lohnenden Ziel. Im Mittelpunkt steht natürlich die technische Anlage, die Obererft und Nordkanal verbindet. Wie diese Wasserkreuzung aber funktionierte, das zeigt ein Model auf dem Gelände, das gestern sofort nach seiner Enthüllung von Technikinteressierten und Wissbegierigen umringt war. Als drittes Element kommt das alte Trafohäuschen hinzu, das nun als Info-Box dient und umfassende Informationen zum Epanchoir gibt; das Bauwerk vor allem als wichtiges technisches Detail der Gesamtanlage einordnet und das Nordkanalprojekt in seinen geschichtlichen Zusammenhang stellt. Spannend.

  • Nrw-Stiftung : Besichtigung des Epanchoir

Boote fahren heute nicht mehr auf dem Nordkanal, dafür wird er von einem etwa 100 Kilometer langen Radweg begleitet; diese Fietsallee entstand 2002 zur Euroga und war 2009 Radroute des Jahres. Sie beginnt am Sporthafen in Grimlinghausen, der ein bis heute sichtbares Ergebnis der Kanalarbeiten ist. Bereits nach 2,3 Kilometer erreicht der Radler das nun wieder sehenswerte Epanchoir. Weiter geht es in Richtung Nordwesten, nach Kaarst.

Foto: Woitschützke Andreas

Auf den Spuren des vielseitigen Nordkanals radelten jetzt auch zwei CDU-Politiker: Kreistagsabgeordneter J.-Andreas Werhahn und der Neusser Ratsherr Sebastian Rosen. Sie wollten dabei auch einen optischen Eindruck vom Nordkanal gewinnen, über dessen ökologischen Zustand heftig diskutiert wird. Vor allem in Kaarst besteht offenbar Handlungsbedarf. "Aber bitte nicht zum Nachteil des Nordkanals auf Neusser Gebiet", sagt Rosen.

(-lue)