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Rhein-Kreis Neuss: Energie-Lotse spürt Sparpotenziale auf

Rhein-Kreis Neuss : Energie-Lotse spürt Sparpotenziale auf

Mit Energieeffizienz kennt sich Jochen Ohligs bestens aus: Seit vier Jahren geht der Energie-Lotse der IHK in die Unternehmen, um Einsparpotenzial aufzuspüren. Dazu gehört auch die Beratung über Förderprogramme.

Offene Tore, durch die kalte Luft in die Werkshalle strömt, falsch hängende Beleuchtung oder veraltete Heizsysteme: In Betrieben gibt es viele Stellen, an denen Energie und damit Geld einfach verpufft. Für Unternehmen, die solche Energiefallen aufspüren möchten, gibt es Hilfe: Jochen Ohligs ist bei der IHK Mittlerer Niederrhein als Energie-Lotse tätig. Unternehmen können ihn bei der Industrie- und Handelskammer anfordern — für Mitgliedsbetriebe ist sein Service kostenlos.

"In den vergangenen vier Jahren habe ich rund 250 Betriebe auf Energieeffizienz geprüft", erzählt Ohligs. Sein Einsatzgebiet ist der Niederrhein, schließlich reicht der IHK-Bezirk vom Rhein-Kreis bis nach Viersen — 70 000 Betriebe haben dort ihren Sitz, zu tun gibt es also genug, zumal viele Betriebe ähnliche Probleme haben: "Knackpunkte sind oft die Beleuchtung, Heizung und Druckluft", sagt Ohligs, der hauptsächlich Mittelständler mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 20 und 200 berät. "Es gibt aber auch Kleingewerbebetriebe, die eine Beratung wünschen", erzählt der 43-Jährige.

Bei seiner Arbeit versucht er, mit offenen Augen durch den Betrieb zu gehen — und als externer Besucher sieht er oft Dinge, die die Unternehmer vor Ort aus dem Blick verloren haben. "Firmen verändern sich mit der Zeit", sagt Ohligs und nennt ein Beispiel aus der Praxis: In einer Werkshalle werden in den Anfangsjahren Lampen nach den damaligen Erfordernissen aufgehängt. Dann verändert sich die Aufteilung in der Halle, doch die Lampen werden nicht entsprechend umgehängt. "Mit dem Ergebnis, dass Gänge im Halbdunkel liegen, während Kisten unter der Decke optimal ausgeleuchtet sind", berichtet der Energie-Lotse, der mit den Unternehmern vor dem Rundgang zunächst ein Vorgespräch führt, um den Wissensstand in puncto Energieeffizienz abzufragen. Denn manche Unternehmer seien in dieser Frage eben schon weiter als andere, sagt Ohligs, der bei diesen Gesprächen etwa nach dem Verhältnis der Energiekosten zu den Betriebskosten fragt. Danach folgt die Betriebsbesichtigung, wo Ohligs Hinweise auf Optimierungs- und Einsparmöglichkeiten gibt. Nicht machbar sei es allerdings, den Firmen sofort maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. "Ich gebe Hinweise und Tipps", sagt Ohligs, der für Details auf gewerbliche Energieberater verweist. "Meine Beratung soll die Grundlage für weiteres Handeln sein", erläutert er seine Zielsetzung. Erst der Energieberater könne ein umfassendes Energiekonzept für das Unternehmen ausarbeiten. "Die Kosten für dessen Honorar werden von der KfW mit bis zu 80 Prozent bezuschusst", sagt Ohligs.

Entschließt sich ein Unternehmen zum Einbau einer neuen Heizungsanlage oder dem Bau eines Photovoltaiksystems, berät Ohligs bei der Auswahl des richtigen Förderprogramms und der Antragstellung. "Es gibt eine solche Vielzahl von Programmen, dass die Unternehmer da alleine neben ihrem Tagesgeschäft fast nicht durchkommen", ist seine Erfahrung. Und auch wenn er zunächst nur der Lotse ist und die Beratung anderweitig weitergeführt wird, bekommt Ohligs doch Rückmeldungen aus den Unternehmen. "Und es ist schon toll, davon zu hören, wenn ein Betrieb etwa neue Lampen oder eine Wärmerückgewinnungsanlage eingebaut hat", sagt Ohligs.

(NGZ/ac)