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Rhein-Kreis Neuss: Elternfreundliche Firmen gesucht

Rhein-Kreis Neuss : Elternfreundliche Firmen gesucht

Beruf und Kindeserziehung unter einen Hut zu bekommen, ist für Alleinerziehende nicht einfach. Firmen, die das ermöglichen, können nun an einem Wettbewerb des Kreises teilnehmen, der mit 10 000 Euro dotiert ist.

Angela Stein-Ulrich kennt das Problem aus der Praxis: "Ich habe viel mit alleinerziehenden Müttern zu tun, die einen Wiedereinstieg in den Beruf gestalten wollen, aber oft schon am Telefon abgewimmelt werden", sagt die Sozialarbeiterin der Arbeitslosenberatung Neuss. Viele Unternehmen könnten sich nicht vorstellen, dass eine alleinerziehende Frau Familie und Arbeit "unter einen Hut" bekomme. Dass das sehr wohl geht, will der Rhein-Kreis unter anderem mit seinem Wettbewerb "familienfreundliche Unternehmen" zeigen.

Es ist die zweite Auflage des mit 10 000 Euro dotierten Wettbewerbs nach 2009. Damals meldeten sich gerade einmal 15 Bewerber, aus denen die Jury vier Gewinner auswählte. "Wir werden nun circa 3000 Unternehmen anschreiben und die Flyer verteilen", sagt Hildegard Fuhrmann von der Wirtschaftsförderung des Kreises, die auf mehr Bewerber hofft. "Wir versuchen, andere zur Nachahmung aufzumuntern", sagt Jürgen Steinmetz, Ständiger Vertreter des Landrates, der betont, dass der Kreis mit gutem Beispiel vorangehe: "Wir haben mehr als 500 Teilzeitmodelle, die zeigen, dass wir dem Thema große Aufmerksamkeit widmen. Familienfreundlichkeit ist ein Wettbewerbsvorteil für Firmen und ein Standortvorteil für Kommunen."

Der Wettbewerb 2009 habe die Basis gelegt für den Aufbau des "Aktivbündnisses alleinerziehende Berufsrückkehrerinnen" (Aktiva), so Steinmetz. Inzwischen umfasst das Netzwerk 50 Personen aus Kooperationspartnern, unter anderem dem Technologiezentrum Glehn (TZG), das mit dem Kreis den Antrag für das Projekt gestellt hat. Dieses wird bundesweit vom Europäischen Sozialfonds (ESF) mit 15 sowie vom Bund und Partnern mit je fünf Millionen gefördert. Im Rhein-Kreis leben rund 30 000 Menschen im Leistungsbezug des Arbeitsamtes, davon 3000 Alleinerziehende, davon wiederum 200 Männer.

Auch mit alleinerziehenden Männern hat Stein-Ulrich Erfahrungen: "Die werden eher selten vom Arbeitgeber gefragt, wie sie es trotz Job schaffen wollen, Kinder zu betreuen", sagt Stein-Ulrich. Sie ist auf den Wettbewerb gespannt, denn sie will wissen: "Wo sind im Rhein-Kreis die familienfreundlichen Unternehmen, an die ich Frauen überweisen kann? Wo finde ich sie? An wen kann ich mich wenden?" Mirjam Stickel vom TZG, die Koordinatorin von Aktiva, sagt: "Wir wollen mit dem Wettbewerb zeigen, dass es viele Unternehmen im Kreis gibt, die Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen, sich aber eventuell nicht als familienfreundlich outen."

Jede kleine oder mittelständische Firma im Kreis kann an dem Wettbewerb teilnehmen. Firmenleitung oder Mitarbeiter können einen Fragebogen ausfüllen oder selbst ihre familienfreundlichen Besonderheiten benennen. Die Bewerbungsfrist läuft bis Sonntag, 30. September. Bei einem Sieg gibt es nicht nur Geld, sondern auch eine Urkunde und die Berechtigung, den Titel "familienfreundliches Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss" zu tragen.

(NGZ/rl)