In Konfliktsituationen Menschen um Mithilfe bitten Eine Frage der Entschlossenheit

Von Anneli Goebels Lena steht an der Bushaltestelle. Mit beiden Händen hält sie ihre Handtasche fest und blickt auf den Boden. Da kommen zwei Mädchen vorbei, entreißen ihr die Tasche und laufen kichernd weg. Szenenwechsel: Lena steht wieder an der Bushaltestelle. Sie sieht die beiden Mädchen auf sich zukommen. Fest klemmt sie ihre Tasche unter den Arm und geht weg.

Von Anneli Goebels Lena steht an der Bushaltestelle. Mit beiden Händen hält sie ihre Handtasche fest und blickt auf den Boden. Da kommen zwei Mädchen vorbei, entreißen ihr die Tasche und laufen kichernd weg. Szenenwechsel: Lena steht wieder an der Bushaltestelle. Sie sieht die beiden Mädchen auf sich zukommen. Fest klemmt sie ihre Tasche unter den Arm und geht weg.

Szenenwechsel: Lena an der Bushaltestelle: Als sie die beiden Mädchen auf sich zukommen sieht, beginnt sie rasch ein Gespräch mit Leuten, die ebenfalls auf den Bus warten. Die beiden Mädchen gehen weiter. Wie man Konflikte vermeidet oder sie bewältigt, wenn sie sich nicht mehr vermeiden lassen, das lernten am Mittwoch Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums im Haus der Jugend im Rahmen der Gesundheitswoche der Schule.

Und dabei ging es keinesfalls nur um blanke Theorie. Die 14- bis 15-Jährigen lernten auch zuzuschlagen, und zwar ohne sich dabei selbst zu verletzen. Faust- und Ellebogenschläge, Kniestöße und Fußtritte übten die Mädchen. "Die trauen sich was", meinte denn auch Streetworkerin Marion Hardegen vom SKF, die die jungen Frauen anleitete. Doch es wurde nicht nur auf Sandsäcke eingehauen. Es ging auch um "Befreiungstechniken", wenn man plötzlich in den "Schwitzkasten" genommen wird.

"Ihr müßt auf die Finger achten", wies Marion Hardegen die Mädchen an, denn die seien in so einem Fall am schnellsten zu verletzen. "Ich find es cool zu erfahren, wie man sich am besten selbst verteidigen kann", sagte Christina Schmitz. Die meisten Methoden waren der 14-Jährigen gar nicht bekannt. Auch Carmen Kampmann und Lena Hintzen gingen recht motiviert aus dem "Schnupperkurs". Rubina Prill dagegen zeigte sich auch ein wenig skeptisch: "Ich bin mir nicht sicher, ob man in einer wirklichen Gefahrensituation an alles denkt und nicht doch zu sehr geschockt ist", äußerte sich die 14-Jährige.

Wichtig, so erfuhren die Jungen und Mädchen, sei es auch, in Konfliktsituationen fremde Menschen direkt anzusprechen, und zwar so, dass sie auch wissen, dass sie gemeint sind, also etwa "Sie mit der grünen Jacke". Denn, das zeige die Erfahrung: Rufe man einfach in eine Menschentraube hinein um Hilfe, fühlen sich die meisten eben nicht angesprochen. Wichtig sei auch die richtige Körperhaltung, die bereits eindeutig signalisiere, ob man sich zur Wehr setzen wird, so Holger Lehnhoff, Leiter vom Haus der Jugend.

Als lehrreich und recht informativ bezeichnete auch Janis Bitta den "Crash-Kurs". In einem Rollenspiel pöbelte der 14-Jährige seine "Kollegin" Carmen an, die sich aber tatkräftig zur Wehr setzte. Am Montag, 28. Februar, beginnen im Haus der Jugend neue Selbstbehauptungskurse für Jungen, ab Mittwoch, 2. März, für Mädchen. Anmeldungen sind unter der Nummer 02131/21 55 5 möglich.

(NGZ)
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