NGZ-Serie über Skulpturen im öffentlichen Raum: Eine besondere Vorliebe für Holz

NGZ-Serie über Skulpturen im öffentlichen Raum: Eine besondere Vorliebe für Holz

Günther Happekotte gehörte zu den jungen "Revoluzzern" im Neuss der Nachkriegszeit. 1952 gründete er mit einigen Gleichgesinnten wie zum Beispiel Maria Halft, Walter Urbach und Franz Sticker die "Arbeitsgemeinschaft junger Künstler". Damit vollzogen sie den Bruch zur alteingesessenen Künstlergilde um Hermann Cossmann, Josef Kuchen und Josef Kohlschein, die nur zwei Jahre zuvor die "Neußer Künstlergruppe" gebildet hatten. Die "Kraniche" im Rosengarten gehören wohl zu den bekanntesten Skulpturen von Günther Happekotte. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Günther Happekotte gehörte zu den jungen "Revoluzzern" im Neuss der Nachkriegszeit. 1952 gründete er mit einigen Gleichgesinnten wie zum Beispiel Maria Halft, Walter Urbach und Franz Sticker die "Arbeitsgemeinschaft junger Künstler". Damit vollzogen sie den Bruch zur alteingesessenen Künstlergilde um Hermann Cossmann, Josef Kuchen und Josef Kohlschein, die nur zwei Jahre zuvor die "Neußer Künstlergruppe" gebildet hatten. Die "Kraniche" im Rosengarten gehören wohl zu den bekanntesten Skulpturen von Günther Happekotte. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Doch die Revolution brach - wie sollte es in Neuss auch anders sein - schnell zusammen. Unter dem Patronat von Dr. Adolf Flecken wurden die beiden gegensätzlichen Strömungen innerhalb der Neusser Künstlerschaft wieder zusammengeschweißt. "Gleichsam zur Demonstration der wiedergewonnen Solidarität" beteiligten sie sich gemeinsam an der Jubiläumsausstellung zum 25. Jahrestag der Gründung der Neusser Heimatfreunde, wie die Historikerin Michaela Kalusok zu berichten weiß, die ein Buch über Neusser Künstler verfasst hat. Allerdings sollten die Arbeiten einen engen heimatlichen Bezug aufweisen und über die nähere Region nicht hinaus weisen.

Günther Happekotte beteiligte sich mit einem Relief eines Pferdes, dem er dann den Namen "Pferd vom Niederrhein" gab. Damit war jedenfalls klar gestellt, dass das Pferd nicht aus Westfalen kam. Der im Jahre 1924 in der Quirinusstadt geborene Günther Happekotte avancierte in seinem weiteren künstlerischen Leben zu einem weithin geschätzten Bildhauer, dessen Werke in Neuss vielfach anzutreffen sind. Besonders bekannt ist natürlich die Figurengruppe "Kraniche", die seit 1964 im Rosengarten aufgestellt ist.

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Allgemein bekannt dürften auch "Die vier Temperamente" sein, die 1952 am damaligen Neubau der Stadtsparkasse an der Oberstraße angebracht wurden. Die vier eckigen Köpfe stellen den Phlegmatiker, den Sanguiniker (leicht ansprechbarer, erregbarer, heiterer und oberflächlicher Mensch), den Melancholiker und den Choleriker dar. "Die Köpfe sind auf eine Hand gestützt, die mit mehr oder weniger festem Griff zupackend Dukaten hält und somit den je unterschiedlichen Umgang der Temperamente mit dem Geld versinnbildlicht", erläutert Michaela Kalusok.

Neben der Stadt gehörten insbesondere die Heimatfreunde zu den Auftraggebern Günther Happekottes, die den Künstler vor wenigen Jahren mit einem Buch über sein Leben und Werk würdigten. Aber auch viele Private schätzen den Künstler, der sich ebenso intensiv der sakralen Kunst widmete. Schon 1940 besuchte er die Düsseldorfer Akademie und erhielt so eine fundierte Ausbildung, die er allerdings von 1943 bis 1946 für Krieg und Gefangenschaft unterbrechen mußte. Danach konnte er jedoch sein Studium in Düsseldorf beenden.

Professor Ewald Mataré (1887-1965) war es, der den jungen Künstler besonders prägte. Ähnlich wie Hein Minkenberg wurde aber auch Günther Happekotte in jungen Jahren von Ernst Barlach (1870-1938) beeinflusst. In seiner Anlehnung an die großen Expressionisten der Vorkriegszeit ist sicher auch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu sehen, die diese Kunstrichtung bekanntlich als "entartet" negiert hatten. Sein bevorzugter Werkstoff ist Holz, "weil es das lebendigste Material ist." Günther Happekotte hat aber auch viel in Stein und Bronze gearbeitet. Der freiberuflich tätige Künstler hat von 1965 bis 1989 auch als Werk- und Kunstlehrer an Neusser Schulen gewirkt. Er lebt und arbeitet seit rund fünf Jahrzehnten mit seiner Frau Hildegard in Reuschenberg. Carsten Greiwe

(NGZ)
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