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Feuilleton: Eigentümliche Strichwesen

Feuilleton : Eigentümliche Strichwesen

Neuss "Tanz ist für mich Lebensfreude. Egal ob man selber tanzt oder zusieht, man kann der Realität entfliehen." Sagt die Künstlerin Ulrike Kröninger, deren neue Arbeiten zum Thema Tanz gerade in der Topart Galerie zu sehen sind. Mit Realität haben die Bilder und Zeichnungen in der Tat auch wenig zu tun - auch wenn sie aus einer ganz realen Leidenschaft entstanden sind.

Neuss "Tanz ist für mich Lebensfreude. Egal ob man selber tanzt oder zusieht, man kann der Realität entfliehen." Sagt die Künstlerin Ulrike Kröninger, deren neue Arbeiten zum Thema Tanz gerade in der Topart Galerie zu sehen sind. Mit Realität haben die Bilder und Zeichnungen in der Tat auch wenig zu tun - auch wenn sie aus einer ganz realen Leidenschaft entstanden sind.

Seit gut drei Jahren besucht Ulrike Kröninger mit Skizzenblock und Stift Balletttänzer an der Oper. Bei Proben und Aufführungen entstehen schnelle Skizzen, bei denen dynamische kurze Striche lediglich die Kontur des bewegten Körpers einfangen. Dem Rhythmus des Strichs entgehen bewusst Details, aber dennoch bleibt das Figürliche konkret. Doch bei aller spürbar begeisterten Teilnahme der Zeichnerin - sie lässt den Stift nicht wirklich frei. Spontaneität und Abstraktion werden in ihrer Kunst durch den Wunsch, die Szene abbildhaft aufzufassen, mehr als nötig im Zaum gehalten.

Nur bei vereinzelten Blättern verkeilen sich die Umrisse so ineinander, dass eine neue ornamentale Struktur im Bild als Rhythmus wirksam wird. Es sind eigentümliche Strichwesen, die als Gruppe oder paarweise in synchronen Bewegungen über die leere Fläche des Blattes schweben. Um dieses Schweben für den Betrachter noch offensichtlicher zu gestalten, hat Ulrike Kröninger ihre Skizzen nicht nur zwischen Glas gerahmt, sondern auch einige Arbeiten auf Folie abgezogen und mit einem Aquarell unterlegt. Die Wirkung ist die einer Kolorierung, wobei stets Figur und Grund voneinander unberührt bleiben.

Das Prinzip verfolgt Ulrike Kröninger auch bei ihrer Malerei. Meist als Kontur, selten plastisch ausgeformt, setzt sie ihre Tänzer über Phantasielandschaften. In der Ausführung zeigt sich, dass auch das Thema Landschaft ihr keineswegs fremd ist. Seit vielen Jahren entstehen parallel zu den Tanzbildern atmosphärische Landschaftsräume zum Thema "Vier Elemente". Werden Landschaft und Figur nun zusammengeführt, dann weichen die starren Posen des klassischen Tanzes verträumt romantischen Szenarien, die von der Symbolik von Feuer, Wasser, Erde und Luft getragen werden. "Feuer ist für mich nicht zerstörerisch. Ich denke eher an die Glut der Leidenschaft und die Wärme, die wir alle brauchen". kommentiert die Malerin ein tanzendes Paar ganz in flammendem Rot. "Meine Bilder haben etwas Surreales. Normalerweise schweben Tänzer nicht einfach in der Luft," ergänzt sie.

Wie die Malerin selbst verlieren auch die Figuren beim Thema Tanz die Bodenhaftung und geben sich ganz dem von harmonischen Symmetrien und klanggewaltigen Farbsymphonien regierten Traum hin. "Ich möchte, dass meine Begeisterung in meinen Bildern spürbar wird, dass ein Funke überspringt", wünscht sie sich.

Es gelingt ihr auch und dennoch möchte man ergänzen, dass Träume noch mehr zu bieten haben, manchmal auch unberechenbar sind. Einen Fuß auf unbekanntes Terrain hat sie mit "Phantastischer Symphonie" bereits gesetzt. Feuer, Florales und Figürliches durchdringt sich als unentwirrbare, aber keineswegs formlose Melange.

Info Krefelder Straße 66, bis 27. August. Geöffnet Mo -Fr 9-19 h, Sa 10-16h

(NGZ)